Kann eine Maschine ein Bewusstsein haben?

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Körper und Seele : Wie der Geist entsteht

Man nimmt an, dass bewusstes Erleben in assoziativen Gebieten der Hirnrinde erzeugt wird. Sie liegen im Bereich des Stirnhirns und im vorderen Teil des Schläfenlappens. Assoziativ heißt, dass diese Areale nicht vorrangig mit dem Verarbeiten etwa von Signalen aus den Sinnesorganen betraut sind oder Nachrichten an die Muskulatur senden, sondern Informationen aus anderen Hirnzentren sammeln und zusammenfügen.

Ein unfassbar kompliziertes Netzwerk

Das bedeutet, dass Regionen unterhalb der Hirnrinde zwar „Informationen“ an die Bewusstseinszentren liefern können, aber selbst nicht zum Bewusstsein fähig sind. „Erst die genügend starke Aktivierung von assoziativen Cortexarealen führt zum bewussten Erleben“, schreibt Gerhard Roth, Hirnforscher und Buchautor („Wie das Gehirn die Seele macht“).

Nervenzellen, Neuronen, kommunizieren, indem sie „feuern“. Sie nehmen über ihre Fortsätze elektrisch übertragene Signale an oder leiten sie weiter. Mit seinen Billionen von Nervenzellkontakten ist die Hirnrinde ein unfassbar kompliziertes Netzwerk , in dem Informationen verarbeitet und gespeichert werden. Irgendwo in diesem Prozess von „feuernden“ Neuronen entsteht Bewusstsein.

Das wirft die Frage auf, ob Bewusstsein an das Gehirn als „natürlich entstandenes Informationsverarbeitungssystem“ (so der Philosoph Metzinger) gebunden ist. Ist es möglich, Bewusstsein nicht nur in einem „Computer aus Fleisch“, sondern in einem aus Kunststoff und Halbleitern zu erzeugen? Christof Koch, einer der profiliertesten Hirnforscher, bejaht diese Frage. Zumindest im Prinzip. Der Amerikaner, der das Allen-Institut für Hirnforschung in Seattle leitet, belebt damit den Panpsychismus wieder. Das ist jene romantische Vorstellung, nach der das ganze Universum beseelt ist. Ganz so umfassend ist Kochs Version der All-Seele jedoch nicht. Er vertritt die Ansicht, dass Bewusstsein eine grundlegende Eigenschaft komplexer Systeme ist.

Eine Voraussetzung: integrierte Information

Koch bezieht sich auf eine Theorie des Psychiaters Giulio Tononi von der Universität Wisconsin-Madison. Tononi behauptet, dass bewusste Erfahrung ein fundamentaler Aspekt der Realität ist und gleichbedeutend mit einem bestimmten Typ von Information, den er „integrierte Information“ nennt. Sie ist hochgradig verknüpft und organisiert. Sie lässt sich laut Tononi berechnen und mit einem Zahlenwert namens „Phi“ versehen. Sogar einen „Bewusstseins-Meter“ hat Tononi konstruiert. Um ein „Phi“ größer als null zu besitzen, muss ein Gegenstand ein „integriertes System“ sein. Er muss also zum Beispiel viele Nervenzellen und Synapsen, Nervenzell-Kontakte, besitzen. Das trifft für Mensch und Tier zu, aber nicht für einen Sandhaufen eine Galaxie oder ein Schwarzes Loch. „Diese Objekte sind nicht integriert“, schreibt Koch im Magazin „Scientific American Mind“. „Sie haben kein Bewusstsein und keine mentalen Eigenschaften.“

Wie sieht es mit Computern, einem Smartphone oder gar dem Internet aus? Die Zahl seiner Schalter (in Form von Transistoren) entspricht derjenigen der „Schalter“ im Gehirn von 10 000 Menschen, in Form von Synapsen. Gibt es bewusste Maschinen? Prinzipiell ist das vorstellbar, argumentiert Koch. Allerdings sei die Annahme, das Internet habe so etwas wie Selbstbewusstsein, momentan „völlig spekulativ“.

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