Krebsrisiko durch UV-Strahlung : Deutsche Krebshilfe fordert Solarien-Verbot

Ein bundesweites Solarienverbot soll vor allem Minderjährige schützen, denn die Kunst-Sonne soll Hautkrebs auslösen. Die Branche will sich juristisch wehren.

Die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) fordern ein bundesweites Verbot von Solarien.
Die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) fordern ein bundesweites Verbot von Solarien.Foto: Felix Kästle/dpa

Zwischen Sonnenstudio-Betreibern und der Deutschen Krebshilfe bahnt sich ein juristischer Streit an. Hintergrund ist die Forderung der Krebshilfe nach einem bundesweiten Solarienverbot. Der Verein hatte das am Montag in einer Mitteilung damit begründet, dass der Gebrauch „dieser Geräte“ jährlich europaweit bei etwa 3400 Menschen den gefährlichen schwarzen Hautkrebs verursache. In etwa 800 Fällen führe dies zum Tod. Der Bundesfachverband Besonnung, der nach eigenen Angaben rund 1200 große Sonnenstudios in Deutschland vertritt, will die Krebshilfe nun zur Abgabe einer Unterlassungserklärung auffordern, wie Sprecher Holger Ziegert der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Lauterbach: Es gibt keine sichere Sonnen-Dosis

Es gebe keine wissenschaftliche Grundlage für die Behauptungen der Krebshilfe, sagte Ziegert. „Eine moderate Solariumsnutzung steigert nicht das Risiko.“ Mit moderat sind nach seinen Angaben nicht mehr als 50 Sonnenstudiobesuche im Jahr gemeint.

Der SPD-Gesundheitspolitiker und Mediziner Karl Lauterbach widersprach dieser Darstellung und forderte anlässlich des Weltkrebstages schärfere Regeln für Sonnenstudios. Bei Solarien gebe es keine sichere Dosis, sagte Lauterbach der dpa. „Gebräunte Haut ist nicht gesund. Sie altert schneller und kann Vorstufen zum Krebs entwickeln.“ Eckhard Breitbart, Dermatologe und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP), hatte in der gemeinsamen Mitteilung mit der Krebshilfe gesagt, der Bräunungsprozess sei immer ein Hilfeschrei der Haut. „Jede Solariennutzung führt zu gesundheitlichen Schäden.“

Laut der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e. V. nutzen etwa acht Millionen Bundesbürger jährlich Solarien. Die Deutschen bilden laut ADP europaweit auch die Spitze im künstlichen Sonnenbaden. Das Risiko einer Krebserkrankung ist bei Solarien vermeidbar. Zum Vergleich: In Deutschland rauchen rund zwölf Millionen Menschen. Pro Jahr sterben hierzulande etwa 120.000 Menschen an den Folgen des Rauchens wie Lungenkrebs und Herz- Kreislaufkrankheiten.

Trotz Verbot sonnen sich Minderjährige im Solarium

Der Besuch von Solarien ist in Deutschland für Minderjährige seit 2009 verboten. Die Krebshilfe hatte eine Ausweitung zu einem generellen Solarienverbot gefordert, da das Nutzungsverbot für Kinder und Jugendliche bisher völlig unzureichend eingehalten werde. Krebshilfe-Chef Gerd Nettekoven verwies auf Zahlen des „Nationalen Krebshilfe-Monitorings zur Solariennutzung (NCAM)“, wonach es 2018 schätzungsweise 140.000 Minderjährigen gelungen sei, Zugang zu Solarien zu erhalten und sich dort auch zu sonnen. Der Bundesfachverband Besonnung zweifelte diese Zahlen an. Der Anteil der unter 18-jährigen Solariennutzer habe schon vor dem Verbot bei unter zwei Prozent gelegen, sagte Verbandssprecher Ziegert. Er sprach von populistischen Forderungen.

Solarien schwer zu kontrollieren

Lauterbach schlug Testbesuche vor, um zu prüfen, ob Solarien rechtswidrig Minderjährige unter die künstliche Sonne lassen. „Wir müssen die dafür vorgesehenen Strafen deutlich erhöhen. Es handelt sich um eine Körperverletzung, die nach Jahren zu einer Krebserkrankung führen kann.“ Ein grundsätzliches Verbot für Erwachsene müsse überlegt werden, wenn es nicht gelinge, die Jugendlichen besser zu schützen.

Laut Auskunft der Krebshilfe nähme zwar die Zahl „klassischer“ Sonnenstudios sowie der erwachsenen Nutzer ab. Doch Solarien tauchten dafür in neuen Kontexten auf wie Hotels, Wellness- und Schönheitssalons oder Fitnessstudios. Diese unterliegen keiner Meldepflicht und seien schwieriger von den Behörden zu kontrollieren. Jugendliche bekämen auch dort Zugang zu Solarien.

Schwarzer und weißer Hautkrebs als Gefahr

Jährlich erkranken nach Angaben der Krebshilfe etwa 37.000 Menschen in Deutschland an einem malignen Melanom, dem schwarzen Hautkrebs. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft sowohl die natürliche UV-Strahlung der Sonne als auch die künstlich erzeugte in Solarien in die höchste Risikogruppe der krebsauslösenden Faktoren ein.

Noch stärker verbreitet ist der weiße Hautkrebs – er betrifft vor allem Menschen ab dem 50. Lebensjahr. Für einige Berufsgruppen, die besonders starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, sind bestimmte Arten des weiße Hautkrebs auch seit 2015 als Berufskrankheit anerkannt. (Tsp, dpa)

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