Kritik an der Bafög-Reform : Experten warnen vor Krise der Studienfinanzierung

Die meisten Studierenden leben vom Geld ihrer Eltern und vom Jobben, nicht von Bafög. Bricht die Konjunktur ein, geraten viele in Not, warnt das CHE.

Studierende sitzen beim Campustag der Uni Rostock in einem Hörsaal.
Die Zahl der Studierenden steigt, die der Bafög-Empfänger bislang nicht.Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) warnt vor einer Krise der Studienfinanzierung in Deutschland. 86 Prozent der Studierenden geben ihre Eltern als Hauptfinanzierungsquelle an und 61 Prozent jobben neben dem Studium. Gleichzeitig ist der Anteil der Bafög-Empfänger, der bei zwölf Prozent aller Studierenden liegt, in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken – um gut 100 000 Geförderte seit 2012.

Der Rückgang der Bafögzahlen werde bei gleichzeitig steigenden Studierendenzahlen – mit einem Plus von rund 850 000 seit 2005 – nicht durch Studienkredite oder Stipendien kompensiert, heißt es in einer CHE-Expertise. Das könne an einer „starken Koppelung der Bildungsbeteiligung an die konjunkturellen Entwicklungen“ liegen.

Die „hohe Nachfrage auf Arbeitsmärkten“ ermögliche es derzeit vielen Eltern das Studium ihrer Kinder zu finanzieren und auch die Studierenden selber fänden leicht Jobs. „Angesichts einer sich abzeichnenden Eintrübung der Konjunkturaussichten ist die Koppelung der Bildungsbeteiligung an positive konjunkturellen Entwicklungen jedoch fatal“, warnt das CHE (zum vollständigen CHECK Studienfinanzierung geht es hier).

Noch immer hängt das Bafög an der Regelstudienzeit

Die in diesem Herbst in Kraft getretene Bafög-Reform reiche bei weitem nicht aus, um die Empfängerzahlen wieder angemessen steigen zu lassen.

Weiterhin könne die Ausbildungsförderung nicht „mit der Lebensrealität der Studierenden und den Entwicklungen im Hochschulsystem“ Schritt halten. So gehe es von Vollzeitstudierenden aus, obwohl offiziell sieben Prozent in Teilzeit studieren; faktisch seien es sicher mehr. Gefördert würden Studierende zudem in der Regelstudienzeit, obwohl weniger als 40 Prozent sie einhalten können.

Das CHE fordert ein flexibles „student funding-System“, in dem die staatlichen Finanzierungsinstrumente als „Bundesstudienförderung“ gebündelt werden sollten. Neben dem Bafög gehören dazu das Deutschlandstipendium, das bislang nur ein Prozent der Studierenden erhalten, und die Stipendien der 13 Begabtenförderungswerke mit einem Anteil von ebenfalls einem Prozent. Der Geldbedarf von Studierenden liegt laut CHE im Schnitt bei 800 bis 900 Euro im Monat.

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