• Leben mit dem Coronavirus: Noch haben wir Einfluss darauf, mit welcher Geschwindigkeit die Epidemie abläuft

Leben mit dem Coronavirus : Noch haben wir Einfluss darauf, mit welcher Geschwindigkeit die Epidemie abläuft

Wir stehen einem Gesundheitsnotfall bislang unbekannter Qualität gegenüber. Wir müssen jetzt alles tun, um den Ausbruch zu verlangsamen. Ein Kommentar.

Ausnahmezustand: In Teheran werden die Straßen desinfiziert.
Ausnahmezustand: In Teheran werden die Straßen desinfiziert.Foto: AFP


Wie verbreitet sich eigentlich ein Virus? Über Großveranstaltungen? Über Reiseverkehr? Über Großraum-Büros und Großraum-Wagen? Über ignorante Politiker? Eigentlich nicht. Ein Virus verbreitet sich, indem es von einer Person auf die andere übergeht. Wenn man verhindern will, dass sich ein Virus verbreitet, muss man also dessen Chancen, Personengrenzen zu überspringen, minimieren.

Das ist nicht so schwer. Hände gründlich waschen, sich möglichst nicht ins Gesicht fassen, Abstand von anderen halten so gut es geht, beim Niesen und Husten die inzwischen allgemein bekannte „Etikette“ beachten. Und wenn man infiziert sein könnte: nicht zur Arbeit gehen. Das sind die wichtigsten Regeln.

Ein Virus macht, was ein Virus macht: sich vermehren

Dazu kommt in der derzeitigen Situation, Oma und Opa und andere Ältere und Nichtgesunde von allen, die auch nur infiziert sein könnten, so gut es geht fernzuhalten. Zu denen gehören auch die gesund und fidel erscheinenden Enkel, die man, wenn Kita oder Schule schließen, eigentlich gern dort parken würde.

Ein Parkverbot bei Oma und Opa kann man nicht staatlich verordnen. Aber andere Dinge, die dem Keim das Keimen schwerer machen, schon. Ja, wir leben in einem freien Land. Nicht in China. Ein Virus interessiert das aber wenig. Es macht nur, was ein Virus eben macht: sich vermehren, so gut es kann.

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Auch die Italiener leben in einem freien Land. Beziehungsweise lebten. Damit ist es, de facto, erst einmal vorbei. Bei uns kann es in zwei, drei Wochen auch soweit sein. Es ist die Zeit gekommen, uns einzugestehen, dass wir bislang nicht alles richtig gemacht haben, nicht gut vorbereitet waren, auch nicht „bestmöglich“, wie der Gesundheitsminister sagte. Viele hierzulande haben zu lange abgewiegelt und die armen Chinesen bedauert, denen Virologie und Ideologie nun gleichzeitig so übel mitspielen. Jetzt müssen wir nur noch nach Italien blicken.

Von Zeitlupe auf Beschleunigung stellen

Eine „Naturkatastrophe in Zeitlupe“ hat der Virologe Christian Drosten die Epidemie gerade genannt. Sie kommt über uns. Aber wir haben zumindest noch Einfluss darauf, mit welcher Geschwindigkeit die Zeitlupe abläuft. Bislang lief unsere Reaktion in Zeitlupe ab. „Unsere“, das heißt, die fast jedes und jeder Einzelnen, die der Behörden, Kliniken, Anbieter öffentlicher Dienstleistungen, Event-Veranstalter.

Die „der Politik“ und vieler Arbeitgeber. Hier jetzt, heute, von Zeitlupe auf Beschleunigung zu stellen, würde helfen, die Epidemie stärker in Zeitlupe verlaufen zu lassen. Dann stiege die Chance, dass die, die erkranken, medizinisch so versorgt werden können, wie es notwendig ist.

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Drosten warnt vor Verhältnissen wie in Norditalien, wo schwerkranke Senioren zum Sterben nach Hause geschickt werden. Das heißt: Wir stehen einem akuten Gesundheitsnotfall bislang unbekannter Qualität gegenüber. Wir werden nicht alles richtig machen. Aber wir müssen die Dinge tun, die zumindest dazu führen können, dass das Virus sich weniger verbreitet. Dazu gehört auch, auf Veranstaltungen mit 999 oder noch weniger Personen zu verzichten. Dazu gehört alles, was Einzelpersonen und Familien hilft, Virenübertragung zu vermeiden.

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Übrigens war in Berlin übernächste Woche eigentlich einer der weltgrößten Virologen-Kongresse geplant, mit Drosten als Präsident. Selbst der, so Drosten, wird nun „selbstverständlich nicht stattfinden“.

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