Bei der Zulassung zählen künftig auch soziale und kommunikative Kompetenzen

Seite 2 von 2
Masterplan Medizinstudium 2020 : Die Landarzt-Quote kommt

Die Wissenschafts- und Gesundheitsminister haben das Defizit dann 2015 in einem gemeinsamen Bericht beziffert: Bis 2025 würden 20 000 Hausärzte fehlen. Die Länderminister sprachen von einer „doppelten Fehlverteilung“ – regional und im Verhältnis Hausärzte-Fachärzte. Ihre Empfehlung: Zulassungsverfahren zum Medizinstudium jenseits der Auswahl über die Abiturnote könnten eine „höhere Bindung an den Studienort“ bewirken, im Medizinstudium solle dann die Allgemeinmedizin gestärkt werden.

Das entspricht dem zumindest in der Politik unstrittigen Kern des Masterplans Medizinstudium 2020. Bei der Zulassung sollen die Hochschulen neben der Abiturnote und der Wartezeit mindestens zwei weitere Auswahlkriterien zugrunde legen, um den „sozialen, kommunikativen Kompetenzen und einer besonderen Motivation“ für das Studium mehr Gewicht zu geben. Das ist schon heute bundesweit möglich, wird aber bislang nur von wenigen Unis praktiziert.

Studierende sollen früher an Patienten ausgebildet werden

Die Studierenden müssten zudem früher als bisher mit Patienten in Berührung kommen, heißt es im Entwurf des Masterplans. Dabei sollen entsprechende Erfahrungen aus den Modellstudiengängen genutzt werden. Die Allgemeinmedizin solle im Studium „den Stellenwert erhalten, der ihr auch in der Versorgung zukommt“. Am Ende des Studiums sollen alle Staatsexamenskandidaten in Allgemeinmedizin geprüft werden. Neu im Praktischen Jahr ist eine 12-wöchige Pflichtstation im „ambulanten vertragsärztlichen Bereich“, verbunden mit einer pflichtgemäßen Prüfung in Allgemeinmedizin. Gegen diese Reglementierung haben die Verbände der Nachwuchsmediziner vergebens protestiert.

Die 1000 zusätzlichen Studienplätze sind unterdessen definitiv raus aus dem Masterplan, sagt Daniela De Ridder: „Es gab ein Ringen, alternativ zur LandarztQuote mehr Studienplätze zu schaffen. Am Ende hat sich die für die Länder freiwillige Kompromiss-Quote durchgesetzt.“ Ganz vom Tisch ist der Ausbauplan aber nicht. Der Masterplan sieht eine Expertenkommission vor, die neben den neuen Zulassungskriterien und den Auswirkungen der Landarzt-Quote auch prüfen soll, ob das Studienplatzangebot womöglich doch erhöht werden muss.

Bayern baut an der Uni Augsburg 250 Studienplätze auf

Bayern hat sich – wie bei der Vorabquote für künftige Landärzte – bereits entschieden: An der Universität Augsburg wird eine neue Medizinische Fakultät gegründet. Dort sollen ab dem Wintersemester 2019/20 bis zu 250 Studienplätze angeboten werden – damit würde Bayern ein Viertel der umstrittenen 1000 Plätze übernehmen.

Und Berlin? Mit der Charité werde gerade über einen neuen Hochschulvertrag für die Jahre 2018 bis 2022 verhandelt – und dabei „natürlich auch über das Thema Studienplätze“, teilte Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach auf Anfrage mit. Die Landarzt-Quote sei dabei bislang kein Thema.

Was für die ganzen Pläne fehlt, ist das Geld

Auch ohne die Mehrkosten für 1000 zusätzliche Studienplätze: Die Finanzierung der Reformpläne ist nicht gesichert, die Finanzminister der Länder wollten im November kein Extrageld dafür zusagen. Allein die Schaffung von Lehrpraxen für das ambulante Pflichtquartal im Praktischen Jahr würde pro Jahr 30 bis 40 Millionen Euro kosten, erklärte der Medizinische Fakultätentag am Mittwoch. Insgesamt müssten von Bund und Ländern 80 Millionen Euro jährlich bereitgestellt werden, ansonsten könne der Masterplan nicht erfolgreich umgesetzt werden.

Wie die Bewerbung auf einen Medizinstudienplatz derzeit geregelt ist, lesen Sie hier.

Artikel auf einer Seite lesen

Twitter

Folgen Sie unserer Wissen und Forschen Redaktion auf Twitter: