Hoffnungsträger ist die Computertomografie

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Medizin : Was Tumorkranken nützt

Am Beispiel seines eigenen Spezialgebiets Prostatakrebs warnte der Düsseldorfer Urologe Peter Albers, Präsident des diesjährigen Kongresses, vor der drohenden Überdiagnostik und Übertherapie. Er plädierte stattdessen für eine an das Risiko angepasste Früherkennung. So könnte es ausreichend sein, im Abstand von mehreren Jahren dreimal den PSA-Wert (der die Höhe des prostataspezifischen Antigens als Krebswarnzeichen angibt) messen zu lassen. „50 bis 60 Prozent der Männer haben ein so niedriges Risiko, dass man mit drei Tests im Lauf des Lebens die Krebsgefahr praktisch ausschließen kann.“

Auch Albers Kollegin Monique Roobol von der Erasmus-Universität in Rotterdam warnte davor, auf einmalig erhöhte PSA-Werte bei allen Männern gleich mit der Entnahme einer Gewebeprobe zu reagieren. „Leider haben wir den idealen Krebstest noch nicht gefunden, deshalb müssen wir uns heute auf mehrere Werkzeuge stützen, um unnötige Gewebeentnahmen zu vermeiden.“

Beim Lungenkrebs steht mit dem Rauchen der größte Risikofaktor von vorneherein fest. Umso verlockender erscheint die Möglichkeit, wenigstens für alle starken Raucher und Exraucher eine Früherkennungsreihenuntersuchung (Screening) einzuführen. Ralf Eberhardt von der Thoraxklinik der Uni Heidelberg erläuterte, dass das in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts schon wenig erfolgreich mit Röntgen und Laboruntersuchungen von Sekreten der Luftwege versucht wurde. Spannend ist aber die Erkenntnis, dass Hunde unter bestimmten Umständen Lungenkrebs riechen können. Nur waren sie bei der Fahndung nach Biomarkern aus der Atemluft in Studien längst nicht treffsicher genug, um daraus eine Empfehlung zu machen.

Hoffnungsträger ist die Computertomografie. Neben der Strahlenbelastung spricht gegen ein Screening aller Raucher, dass die Bilder wenig aussagekräftig sind. Über 90 Prozent der entdeckten auffälligen „Schatten“ (Rundherde) in der Lunge erwiesen sich im National Lung Screening Trial des Nationalen Krebsinstituts der USA, dessen Ergebnisse 2011 im Fachblatt „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurden, als gutartig. Falsche Sorge selbst hier.

Da ist es allemal besser, aus den richtigen Sorgen die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Eberhardt zitierte dazu seinen amerikanischen Kollegen Gerard Silvestri. Der Internist war zum Fall einer 62-Jährigen befragt worden, die dreimal in der Woche joggte, sich fit und gesund fühlte, aber bis vor zehn Jahren starke Raucherin war. Sollte sie sicherheitshalber ein CT machen lassen, um auszuschließen, dass das längst aufgegebene Laster langfristig schlimme Folgen hatte? „Das Beste, was sie machen kann, ist, weiter zu laufen“, befand Silvestri, „und zwar schnell und weit vom CT-Scanner weg.“

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