Medizinstudium in Berlin : Mehr Wissen zum Schwangerschaftsabbruch

Die Charité erweitert ihren Lehrplan zum Schwangerschaftsabbruch. Der Senat drängt darauf, dass nun auch die Praxis des Abbruchs vermittelt wird.

Medizinstudierende in einem Anatomie-Kurs.
Medizinstudierende erfahren bundesweit kaum etwas über die medizinische Praxis beim Schwangerschaftsabbruch.Foto: IMAGO

Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach will mit dem Vorstand der Charité über die Vermittlung praktischer Methoden des Schwangerschaftsabbruchs im Medizinstudium sprechen. Die Praxis des Abbruchs ist bislang an der Berliner Universitätsmedizin wie auch an den meisten anderen Standorten bundesweit kein Thema.

Das kritisiert wie berichtet die Berliner Studierendengruppe „Medical Students for Choice“, die Workshops anbietet, in denen Abbruchmethoden unter Anleitung von Gynäkologinnen erlernt werden können. Vorbild ist eine gleichnamige US-Gruppe, die aus der „Pro Choice-Bewegung“ für das reproduktive Selbstbestimmungsrecht der Frauen kommt. Junge Medizinerinnen und Mediziner hierzulande wissen zu wenig über Abbrüche - ein Grund dafür, dass die Zahl der Praxen und Kliniken, die Abbrüche vornehmen, stetig sinkt.

Neue Vorlesungen im neuen Semester

In Charité-Seminaren wurden bislang lediglich die rechtlichen und ethischen Aspekte des Schwangerschaftsabbruchs zur pränatalen Diagnostik behandelt. Im Sommersemester wird das bisherige Pflichtseminar dazu nun wie angekündigt durch mehrere Pflichtveranstaltungen ersetzt, wie aus der Antwort Krachs auf eine Anfrage des Abgeordneten Tobias Schulze (Linke) hervorgeht. Im Curriculum steht künftig ein Seminar zu „rechtlichen Voraussetzungen und gesellschaftspolitischen Implikationen des Schwangerschaftsabbruchs“. Es werde durch zwei elektronische Vorlesungen über „ethische Aspekte des Schwangerschaftsabbruchs in der Pränatalmedizin“ und „pränatale Medizin“ ergänzt.

Doch „das Erlernen der Ausführung von Schwangerschaftsabbrüchen“ sei nach Auskunft der Charité weiterhin erst „Gegenstand der ärztlichen Weiterbildung“, heißt es. Dazu wolle die Senatskanzlei Wissenschaft jetzt Gespräche mit dem Vorstand der Charité aufnehmen, schreibt Staatssekretär Krach in seiner Antwort. Der Abgeordnete Schulze hofft in einer Stellungnahme auf seiner Homepage, dass künftig „angehenden Ärztinnen und Ärzten mehr Wissen und Sicherheit im Umgang mit diesem Thema“ vermittelt werde.

Studierende fordern erneut "medizinische Aspekte" ein

Die Berliner Medical Students for Choice sehen im erweiterten Curriculum einen Erfolg ihrer Kampagne. So wurden Vertreterinnen der Gruppe im Studienausschuss der Charité angehört. Jetzt müssten aber „auch die medizinischen Aspekte einen angemessenen Raum im Medizinstudium einnehmen“, fordern sie. Die Gruppe setzt sich unter anderem dafür ein, dass die von ihnen angebotenen „Papaya-Workshops“ durch Charité-Ärztinnen und -Ärzte unterstützt werden. Dabei üben Studierende an einer Papaya-Frucht, die in Form und Größe einer Gebärmutter ähnelt, wie man Schwangerschaftsgewebe mit einer Vakuumpumpe absaugt.

Twitter

Folgen Sie unserer Wissen und Forschen Redaktion auf Twitter: