Medusen-Cyborgs : Ferngesteuerte Quallen für die Meeresforschung

Auf Albatrosse mit Spionage-Hardware Anfang der Woche folgen nun Hohltiere mit Turbo unter dem Schirm. Sie sollen Forschungsaufgaben übernehmen.

Quallen mit Schrittmacher (blau), künstlerische Darstellung.
Quallen mit Schrittmacher (blau), künstlerische Darstellung.Foto: Rebecca Konte/Caltech

Erst vor wenigen Tagen meldeten Forscher, sie hätten große Seevögel mit Technik zur Überwachung illegaler Fischerei ausgestattet. Ihnen folgen nun Kollegen, die Quallen eine Art Turboantrieb verpasst haben, was ebenfalls bei der Überwachung der Meere dereinst hilfreich sein soll.

Sie implantierten den Tieren einen elektronischen Regler in den Körper, mit dessen Hilfe die Bewegungen der Tiere schneller und effizienter ablaufen.

Der nächste Schritt sei es, die Quallen in verschiedene Richtungen zu steuern, berichten John Dabiri vom California Institute of Technology und Nicole Xu von der Stanford Universität im Fachmagazin «Science Advances».

Wie ein Herzschrittmacher

Die Wissenschaftler hatten den Turboantrieb bei Ohrenquallen (Aurelia aurita) getestet. Die Regler funktionieren ähnlich wie ein Herzschrittmacher: Mithilfe elektrischer Spannung regulieren sie die pulsierenden Bewegungen, mit der die Quallen in der für sie typischen Art durch das Meer treiben.

Quallen bewegen sich grundsätzlich langsamer als sie es eigentlich könnten, weil sie dadurch besser Beute einfangen können. Normalerweise bewegen sie sich mit einer Geschwindigkeit von zwei Zentimetern pro Sekunde, schreiben die Wissenschaftler. Mit dem Regler hingegen erhöhe sich die Geschwindigkeit auf 4 bis fast 6 Zentimeter pro Sekunde, also auf das Doppelte bis fast Dreifache.

Energieeffzientere Hohltiere

Hinzu käme, dass die elektrischen Stöße die Quallen energieeffizienter machen: Obwohl die Tiere bis zu dreimal so schnell seien, benötigten sie nur die doppelte Menge Energie.

Schädlich seien die etwa zwei Zentimeter großen Regler für die Tiere nicht, heißt es in der Studie. Wenn Quallen gestresst sind, sondern sie eine schleimige Flüssigkeit aus. Bei den Experimenten mit den Nesseltieren hätten die Wissenschaftler keine solche Schleimabsonderung festgestellt. Auch dauerhafte Spuren hinterließen die Regler nicht.

Quallen seien besonders gut für die Erforschung des Ozeans geeignet, weil sie in unterschiedlichsten Gewässern überlebten, heißt es in der Studie. «Wenn wir einen Weg finden, die Quallen zu steuern und sie mit Sensoren auszustatten, die Temperatur, Salzgehalt oder den Sauerstoffgehalt messen, können wir ein globales Ozean-Netzwerk erschaffen», sagt Dabiri. (dpa)

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