• Mehr Kiffen, mehr Risiko: Hochkonzentrierte Cannabisprodukte gefährden geistige Gesundheit

Mehr Kiffen, mehr Risiko : Hochkonzentrierte Cannabisprodukte gefährden geistige Gesundheit

Cannabisprodukte sind stärker geworden. Häufiger Konsum kann gesundheitliche Folgen haben.

Getrocknete Hanfknospen liegen auf der International Cannabis Business Conference ICBC am Messestand eines Ausstellers. Der THC-Gehalt ist am Anblick nicht zu erkennen.
Getrocknete Hanfknospen liegen auf der International Cannabis Business Conference ICBC am Messestand eines Ausstellers. Der...Foto: Jens Kalaene/dpa

Cannabis ist seit Jahren die in Deutschland am häufigsten konsumierte Droge. Nach einer rückläufigen Phase nimmt der Konsum bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen seit 2011 wieder zu. Und parallel zur Zahl der Konsumenten steigt der THC-Gehalt des illegal gehandelten Cannabis.

Seit 1996 hat er sich im Schnitt mehr als verdreifacht. Mittlerweile sind Sorten erhältlich, die sich zum Hippiekraut von anno dazumal so verhalten, wie Schnaps zu Alsterwasser mit Limo: bis zu 50 Prozent THC-Gehalt gegenüber einem Prozent.

Für den Umgang mit den illegalen Cannabisprodukten Haschisch und Marihuana ändert das in Berlin nichts: Bei Besitz von bis zu 15 Gramm können Ermittlungsverfahren eingestellt werden, wenn keine Gefährdung anderer vorliegt.

Dabei ist nicht das Gesamtgewicht, sondern der Anteil der psychoaktiven Substanz Tetrahydrocannabinol (THC) entscheidend für die berauschende Wirkung und die gesundheitlichen Risiken.

Psychische Krankheiten und Cannabis

Wie wirkt diese Droge, deren Gefahren von Konsumenten unterschätzt werden?

THC dockt an passende Rezeptoren auf Nervenzellen an und berauscht bereits in Mengen von drei bis zehn Milligramm: angehobene Stimmung, Entspannung, teilweise intensivierte Sinneswahrnehmungen und teilweise intensiviertes Mitteilungsbedürfnis. „Möglich ist auch ein heiteres Gefühl, verbunden mit einem gesteigerten Kommunikationsbedürfnis“, heißt es auf den Seiten des Fachverbands Sucht. Möglich seien aber auch Sehstörungen, Konzentrationsstörungen, gedrückte Stimmung und Angst.

Der Zusammenhang von Cannabiskonsum mit der Entwicklung psychischer Erkrankungen wird schon lange verfolgt. Problematisch bei der Bewertung ist sicher zu unterscheiden, ob Cannabiskonsumenten dazu neigen, Psychosen zu entwickeln, oder ob Menschen mit Veranlagung zu psychischen Krankheiten zu Cannabiskonsum neigen. Was kommt zuerst?

THC-Gehalt und Konsumverhalten

Ein Forschungsteam um Marta Di Forti vom Londoner King’s College berichtete im Fachblatt „Lancet Psychiatry“, dass tägliche Konsumenten dreifach häufiger an Psychosen erkranken als Nicht-Konsumenten, Konsumenten hoch konzentrierter Cannabisprodukte sogar fünfmal häufiger. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Gebrauch von Cannabis mit hohen THC-Konzentrationen einen schädlicheren Effekt auf die mentale Gesundheit hat als der Gebrauch geringer konzentrierter“, schloss Di Fortis Team. Aber auch unter ihren Probanden könnten Menschen mit einer genetischen Veranlagung oder einer psychologischen Vorerkrankung gewesen sein.

Ein Team von der britischen Universität Bristol untersuchte Gesundheitsdaten, die im Rahmen der Langzeitstudie „Kinder der Neunziger“ erhoben wurden. Die Cannabis konsumierenden Probanden darunter waren also nicht wegen des Konsums oder wegen psychischer Erkrankungen rekrutiert worden.

Das Team um Lindsey Hines konnte zudem berücksichtigen, wenn es bei ihnen bereits frühere Hinweise auf psychische Erkrankungen gab. Im Fachmagazin „JAMA Psychiatry“ berichteten die Forschenden im Mai, dass der Konsum hoch konzentrierter Cannabisprodukte mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit psychischer Erkrankungen einhergeht. „THC-Gehalt und Häufigkeit des Konsums zu verringern könnte das Risiko von schädlichen Auswirkungen mindern“, sagt Hines.

Unerwünschte Wirkungen

Neben Risiken gibt es auch direkte schädliche Nebenwirkungen, oder unerwünschte: Eine Befragung von 1500 Konsumenten in den USA zeigte, dass Hustenanfälle und Angstzustände die häufigsten sind. „Es gibt überraschend wenig Forschung über die Prävalenz oder Häufigkeit solcher Reaktionen auf Cannabis“, sagt Carrie Cuttler von der Washington State University. Die Studie wurde im März im „Journal of Cannabis Research“ veröffentlicht.

Als mögliche Langzeitfolgen regelmäßigen Konsums werden schlechtere Lern- und Gedächtnisleistungen genannt. Ein weiteres Problem sind Erkrankungen der Atemwege bei Cannabisrauchenden: gehäufte Auftreten von Bronchitis sowie Entzündungen der Nasen- und Rachenschleimhaut sind dokumentiert, könnten aber auf den inhalierten Tabakrauch zurückzuführen sein. Cannabisrauch enthält mehr Teer und krebserregende Stoffe als Tabakrauch. Auftretende Krebserkrankungen könnten aber auch auf das Tabakrauchen zurückzuführen sein.

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