Naturschutz durch Stiftungen : Die Schöpfung bewahren

Mehr als 3500 Stiftungen engagieren sich für den Erhalt der Artenvielfalt oder den Klimaschutz. Wer sie unterstützt, kann die Welt retten – wenigstens ein bisschen.

In der Niederlausitz wurden Auerhühner wieder angesiedelt
In der Niederlausitz wurden Auerhühner wieder angesiedeltFoto: Naturschutzfonds Brandenburg

Die Natur braucht Aufmerksamkeit – und Geld. Zwar beschäftigen sich in Deutschland rund 3500 Stiftungen mit Themen wie dem Erhalt der Artenvielfalt oder dem Kampf gegen den Klimawandel, wie der Bundesverband Deutscher Stiftungen mitteilt. Doch ihnen fehlt es an Einnahmen: Laut Bericht des Deutschen Spendenrates flossen im Jahr 2019 nur 3,5 Prozent aller bundesweiten Spenden in Umwelt- und Naturschutzprojekte, drei von vier gespendeten Euro gingen an humanitäre Hilfsorganisationen.

Die Mittel sind knapp und zweckgebunden

Das merkt man auch in der Region: „Wir erhalten an privaten Spenden jährlich etwa 20.000 bis 30.000 Euro“, sagt Bernhard Schmidt-Ruhe, Geschäftsführer des Naturschutzfonds Brandenburg. Mit rund 150 Mitarbeitern ist der vor 25 Jahren vom Land gegründete Fonds einer der größten Stiftungen Brandenburgs. Vor allem fördert die Stiftung Projekte, die sich für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen und dem Artensterben entgegenwirken. Doch die Mittel sind knapp und meist zweckgebunden. „Es gibt kaum Zustiftungen“, so der Geschäftsführer. Auch vererbt werde der Stiftung kaum etwas. Private Spenden stammen meist aus Sammelbüchsen, die die 93 Ranger des Naturschutzfonds nach Führungen herumgehen lassen.

Bernhard Schmidt-Ruhe
Bernhard Schmidt-RuheFoto: Enrico Bellin

Als staatliche Stiftung hat der Naturschutzfonds zwar eine breit aufgestellte Basis. Er finanziert sich durch Zahlungen, die Bauherren als Ersatz für Eingriffe in die Natur leisten müssen, Zuwendungen des Landes für Projekte, Einnahmen aus der Verpachtung von stiftungseigenem Land und etwa 150.000 Euro im Jahr aus Mitteln der Glücksspirale. Dazu kommen neben den wenigen privaten Spenden noch Geldauflagen, zu denen Gerichte Umweltsünder verpflichten.

Bisher wurden rund 900 Projekte gefördert

Rund 66 Millionen Euro Eigenmittel konnte die Stiftung eigenen Angaben zufolge so seit ihrem Bestehen in rund 900 Projekte investieren. Die reichen von der Nistgelegenheit für Schwalben in Städten über die Ansiedlung von Auerhühnern in der Niederlausitz bis hin zu mehrjährigen EU-Projekten etwa zum Erhalt von Trockenrasenflächen. Damit der Rasen nicht zum Wald wird, muss hier regelmäßig eine Schafherde grasen. Der Schäfer wird dafür etwa beim Kauf von Zäunen unterstützt. „Wir begleiten die Projekte immer soweit, bis sie sich dauerhaft und nachhaltig tragen“, erklärt Schmidt-Ruhe.

Problematisch ist aber, dass nur ein kleiner Teil der Einnahmen frei verfügbar ist. So erhielt die Stiftung zwar gut zehn Millionen Euro aus Zahlungen von Bauherren für Naturbeeinträchtungen beim Bau von Windrädern. „Das Geld muss aber in Projekte nahe der Windradstandorte investiert werden“, erklärt Schmidt-Ruhe.

Der Sumpfschildkröte nutzt das Geld nicht

Projekten etwa zum Schutz der Sumpfschildkröte in der Uckermark können diese Gelder nicht zugutekommen: „In den Mooren, in denen sie vorkommt, ist es noch schön. Damit sich der Bestand weiter vergrößert, wären aber unter anderem teure Baumaßnahmen zur Verbesserung des Wasserhaushaltes nötig.“ Zweckgebundenes Geld dafür gibt es nicht: Windräder werden nicht in die Nähe dieser Flächen gesetzt. Bleiben also nur die wenigen privaten Spenden und die Mittel der Glücksspirale, die frei ausgegeben werden können.

Mit ihnen müssen auch die Bildungsprojekte bezahlt werden, mit denen das Bewusstsein für Umweltschutz in der Bevölkerung gestärkt werden soll. Allein 30.000 Euro hat der Naturschutzfonds in die Entwicklung von „Wilde Welten“ investiert: Vom Klassenzimmer aus können Grundschüler mithilfe von VR-Brillen und dem Internet durch Wald, Wiese oder Moor wandern – auf Basis realer Bilder und keiner programmierten Welten, wie es bei ähnlichen Anwendungen üblich ist. Dazu erhalten die Kinder am Bildschirm von einem Ranger die wichtigsten Informationen zum Lebensraum. Mit an den Schulen verteilten Arbeitsheften, soll das Wissen vertieft werden. Gern würde der Naturschutzfonds noch weitere landestypische Landschaften in das Programm aufnehmen, doch die Entwicklung jeder weiteren Umgebung kostet mindestens 15.000 Euro.


Corinna Hölzer
Corinna HölzerFoto: Privat


Wie schwierig es ist, Geld für Umweltbildung einzunehmen, hat auch Corinna Hölzer erfahren müssen: Gemeinsam mit ihrem Mann Cornelis Hemmer hat sie vor zehn Jahren in Berlin die Stiftung für Mensch und Umwelt gegründet. Zentrales Projekt ist die Initiative „Deutschland summt“, ein Netzwerk, in dem sich inzwischen rund 30 Partner um bienenfreundliche und naturnahe Lebensräume bemühen. Allein in diesem Jahr wurden bisher 41 Hektar Blühfläche neu geschaffen.

Die Stiftung wurde mit nur 12.000 Euro gegründet

Schon Jahre vor der Gründung hatten sich Hölzer und Hemmer vom Bundesverband Deutscher Stiftungen beraten lassen. Doch es fehlte an Stiftungskapital. Klassischerweise finanzierten sich Stiftungen bisher zum Großteil über die Zinsen, die dieses Kapital erwirtschaftete. „Irgendwann hat uns der Bundesverband dann gesagt: Jetzt gründet endlich“, sagt Hölzer. Zinsen gebe es derzeit schließlich ohnehin keine. Trotz nur 12.000 Euro Stiftungskapital ging es dann los. Zum Vergleich: Beim Naturschutzfonds Brandenburg waren es rund zwei Millionen Euro.

Die eigentliche Arbeit konnte schließlich erstmals mit 20.000 Euro Preisgeld finanziert werden, die die Bundeskulturstiftung zahlte. „Wir sind wie ein Durchlauferhitzer: Wir brauchen immer neues Geld für unsere Projekte“, sagt Hölzer. Neun Mitarbeiter beschäftigt die kleine Stiftung inzwischen. „Unser Fokus liegt auf dem Dreiklang aus informieren, inspirieren und aktivieren“, erklärt die Gründerin. Viel Kommunikation sei nötig, um Menschen nicht nur ein Naturverständnis zu vermitteln, sondern sie auch dazu zu bringen, tatsächlich einen Spaten in die Hand zu nehmen und etwa die Rasenfläche vor der eigenen Haustür umzugestalten.

Das Label soll nicht zum Greenwashing dienen

Für die langwierige Überzeugungsarbeit braucht es Mitarbeiter, die bezahlt werden müssen: Rund 900.000 Euro hat die Stiftung 2019 eingenommen, nur drei Prozent davon waren private Spenden. Rund die Hälfte des Geldes stammt von Firmen. Einige dürfen dafür das „Deutschland summt“-Label auf ihrer Webseite oder ihren Produkten nutzen. „Wir passen aber auf, dass die Firmen kein Greenwashing betreiben“, bekräftigt Corinna Hölzer.

Mit drei Berliner Wohnungsgenossenschaften arbeitet die Stiftung zudem daran, Grünanlagen in Wohngebieten umzugestalten. Dazu müssen sowohl die Gartenbaufirmen, die die Flächen betreuen, geschult werden, als auch die Mieter informiert werden. „Den Gärtnern muss man erklären, warum Insekten auch Totholz oder Steinhaufen auf der Fläche brauchen, um vernünftige Lebensräume zu haben, und wie man das gestalterisch anspruchsvoll lösen kann“, sagt Hölzer. Auch viele Mieter seien noch an englisch-kurzen Rasen gewöhnt. „Sie kennen es nicht mehr, dass man anfangs nur Samen oder kleine Pflanzen auf die Fläche bringt, die anfangs vielleicht noch etwas kahl erscheint, später aber umso üppiger blüht.“ Die Gründer arbeiten nach eigenen Angaben 70 bis 80 Stunden pro Woche, mehr Personal wäre dringend geboten. „Mit 100.000 Euro Spende könnten wir schon zwei weitere Stellen für ein Jahr schaffen.“

Doch das Geld dafür fehlt. Mäzene, die die Stiftung unterstützen, gibt es nicht. Corinna Hölzer wünscht sich, dass mehr Menschen, die ihr Geld vielleicht nicht immer mit nachhaltiger Wirtschaft verdient haben, im Alter umdenken und mit ihrem Vermögen dem Natur- und Umweltschutz helfen wollen.

Aus einem gespendeten Euro werden durch Förderung zwei

Und die Spenden könnten noch mehr bewegen, wie Bernhard Schmidt-Ruhe vom Naturschutzfonds Brandenburg sagt. „Aus einem gespendeten Euro machen wir zwei Euro für Projekte.“ Denn: Für viele Naturschutzprojekte gibt es Fördergelder etwa von der Europäischen Union. Vereine oder Kommunen, die sich engagieren wollen, müssen für die Förderung aber Eigenmittel vorweisen, die oft nicht vorhanden sind. Die Stiftung kann diese Eigenmittel jedoch ersetzen, und die Fördergelder aus Brüssel fließen.

Unterstützer, die mit ihrem Geld einen ganz bestimmten Lebensraum erhalten wollen, können dies ebenfalls: „Man kann bei uns auch direkt für den Erwerb bestimmter Flächen spenden“, erläutert Schmidt-Ruhe. Dem Naturschutzfonds gehören in Brandenburg rund 7500 Hektar. „Dieses Land ist praktisch für immer für den Naturschutz gesichert.“

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