Neue Krise an Bremer Privathochschule : Jacobs-Uni in Bremen verliert ihren Chef

Präsident Michael Hülsmann verlässt die private Jacobs-Universität in Bremen - überraschend und ohne Begründung. Er war erst seit 2018 im Amt.

Studierende auf dem Campus der Jacobs University in Bremen.
Die Jacobs University in Bremen kommt nicht zur Ruhe.Foto: Ingo Wagner/picture alliance/dpa

Die private „Jacobs University Bremen“ (JUB) muss sich schon wieder eine neue Führung suchen: Knapp zwei Jahre nach dem plötzlichen Abgang der damaligen JUB-Präsidentin Katja Windt will jetzt auch ihr Nachfolger Michael Hülsmann die finanzschwache Privatuniversität verlassen.

Ein JUB-Sprecher teilte am Wochenende überraschend mit, Hülsmann habe mit dem JUB-Aufsichtsrat verabredet, die Hochschule zum Jahreswechsel zu verlassen. Einen Grund nannte der Sprecher auch auf Nachfrage nicht. Eine Findungskommission soll jetzt auf Nachfolgersuche gehen.

Hülsmann war 2009 als Professor für Systemmanagement an die JUB berufen worden, wurde 2014 Geschäftsführer und 2018 zusätzlich Präsident. Seit 2014 setzte er ein vom Aufsichtsrat beschlossenes Sparprogramm um.

Die Schweizer Jacobs-Stiftung, die die Privathochschule seit 2007 fortlaufend mit Millionenbeträgen fördert und Hauptgesellschafterin ist, dankte dem 51-Jährigen mit den Worten, er habe „mit viel Leidenschaft, großer Energie und Durchsetzungsstärke die Jacobs University auf einen erfolgreichen und zukunftsweisenden Wachstumskurs gebracht“.

Bremen hat die private Uni massiv finanziell unterstützt

Die englischsprachige Universität wird von einer gemeinnützigen GmbH betrieben und bietet ein breiteres Fächerspektrum als viele andere Privathochschulen. Mehr als 1.400 Studierende aus über hundert Nationen werden von über 400 Beschäftigten betreut. Die meisten Studierenden wohnen auf dem 34 Hektar großen Campus, einer umgebauten Kaserne. Neben den Unterkunftskosten sind je nach Studiengang 10.000 bis 30.000 Euro Studiengebühren pro Jahr fällig; wer bedürftig ist, kann ein Stipendium oder eine Stundung erhalten.

2001 war die Hochschule als „International University Bremen“ eröffnet worden. Der Bund zahlte 40 Millionen Euro aus der Hochschulbauförderung, und das hochverschuldete Bremen gewährte bislang rund 200 Millionen, darunter 118 Millionen „Anschubfinanzierung“ der damaligen Großen Koalition unter Bürgermeister Henning Scherf (SPD).

Seit 2007 bis 2027 zahlt die Schweizer „Jacobs Foundation“ insgesamt fast 290 Millionen Euro an Fördergeldern. Dafür trägt die Hochschule seit 2007 den Namen der früheren Bremer Kaffeeröster-Familie Jacobs. Eigentlich sollten auch Unternehmensspenden einen Großteil des Betriebs finanzieren. Sie flossen aber weitaus spärlicher als erwartet.

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