Neue Studie : Deutsche Auslandschulen als globale Knotenpunkte

Den Wert der deutschen Auslandsschulen kann man auch in Geld bemessen: Ihre weltweite Wirtschaftskraft beträgt viele Millionen Euro, zeigt eine neue Studie.

Schüler aus deutschen Auslandsschulen in Berlin.
Schüler aus deutschen Auslandsschulen in Berlin.Foto: Cordula Flegel/promo

Was ist die Arbeit der deutschen Auslandsschulen wert? Auch jenseits ihrer interkulturellen Bedeutung hat dies jetzt das Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR errechnet. Die weltweite Wirtschaftskraft der 140 Schulen entspreche in etwa der Wertschöpfung des Erziehungs- und Unterrichtswesens im Saarland, heißt es. Die direkte Wertschöpfung der Schulen belaufe sich auf 462 Millionen Euro im Jahr. Ihr gesamter ökonomischer Impact komme sogar auf 1,2 Milliarden Euro.

Auftraggeber ist der Weltverband Deutscher Auslandsschulen (WDA). Veröffentlicht wurde die Studie am Freitag im Rahmen des in Berlin stattfindenden Weltkongresses der Auslandsschulen. Das WifOR hat dafür alle Schulen, die in 72 Ländern auf allen Kontinenten beheimatet sind, befragt und zusätzlich Daten der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen ausgewertet.

Die Wirtschaftskraft einer durchschnittlichen Auslandschule und damit ihr Beitrag zum Bruttosozialprodukt des jeweiligen Landes wird mit 3,3 Millionen Euro angegeben. Auf der Einnahmenseite machen Schulgebühren mit 3,42 Millionen Euro den Löwenanteil aus. Mit 1,03 Millionen angesetzt sind die „personellen Förderungen“, zu denen ehrenamtliches Engagement an den Schulen gezählt wird. Hinzu kommen kleinere Posten wie finanzielle Förderung und Spenden. Insgesamt betragen die Einnahmen einer Modell-Schule 4,83 Millionen Euro.

"Ein nachhaltiges Interesse an Deutschland erzeugen"

Dem gegenüber stehen Ausgaben etwa für Sachmittel und Gebäude von 1,53 Millionen Euro. Die Auslandschulen werden in öffentlich-privater Partnerschaft von Vereinen getragen. Immerhin 72 Prozent ihrer Mittel erwirtschaften sie selbstständig – also vor allem aus den Schulgebühren. Die Förderung durch Bund und Länder wird in der Studie als „Katalysator“ gewürdigt.

Von den 83.000 Schülerinnen und Schülern, die derzeit deutsche Auslandsschulen besuchen, sind drei Viertel nicht-deutscher Herkunft. Im Schnitt kommen die Schüler aus 13 verschiedenen Nationen. Gleichwohl finden 58 Prozent des Unterrichts auf Deutsch statt. Jeder zweite Absolvent schafft das Abitur. Damit bildeten die Schulen „globale Knotenpunkte der kulturellen Infrastruktur Deutschlands“, sagt WDA-Vorstand Detlef Ernst. „Bei jungen Menschen im Ausland erzeugen sie ein nachhaltiges Interesse an Deutschland und schaffen Verbindungen, die oft ein Leben lang bestehen“. Insgesamt beschreibt die Studie die Auslandsschulen als „eine Bürgerinitiative, die weltweit ganzheitliche Bildung und Wertschöpfung ermöglicht.“

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