Macdonald hinterfragt die Kategorisierungen in den Naturwissenschaften

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Neuer Wind für Berlins Museen : Eine Britin kümmert sich um das Preußenerbe

Macdonald geht es um Globalisierung und Diversität: „Ich interessiere mich dafür, wie Menschen Wissensfelder kategorisieren und welche Folgen das hat.“ Im Naturkundemuseum werden Tiere und Pflanzen in Gattungen eingeteilt. Auch in ethnologischen oder in geschichtswissenschaftlichen Museen werden Kategorien verwendet, die selbstverständlich erscheinen, es aber nicht sind. Dazu zählt die Einteilung in europäische und außer-europäische Kunst, die die Sammlungen der Preußenstiftung prägt. „Diese strikte Trennung gab es nicht immer“, sagt Macdonald. Sie sollte genauso infrage gestellt werden wie der Umgang mit Sammlungsgegenständen, die aus ehemaligen Kolonien stammen. Aus Macdonalds Sicht ist es wichtig, in Ausstellungen – zum Beispiel im künftigen Humboldtforum – mit den Menschen aus den Herkunftsländern ins Gespräch zu kommen. Statt Objekte zurückzugeben oder zu behalten, könnten sie als Leihgaben behandelt werden.

Sparzwang kennt Macdonald aus Großbritannien

Eine weitere Frage, die Macdonald umtreibt und die sie an der University of York bearbeitet: Ist es in Ordnung, wenn Museen ihre Sammlungen nicht für die Ewigkeit aufbewahren? Weil die Regierung Mittel kürzte, mussten einige Museen in Großbritannien schließen. Andere haben Schwierigkeiten zu entscheiden, was sie in ihre Sammlungen aufnehmen sollen. Reicht es, wenn Exponate nur digital vorliegen? Fragen, die Zündstoff bergen.

Als Sozialanthropologin ist Sharon Macdonald es gewohnt, sich mitten ins Geschehen zu werfen. Ihren Landsmann Neil MacGregor, bald die treibende Kraft im Humboldtforum, kennt sie bisher nicht persönlich. „Im Sommer wollen wir uns treffen und darüber sprechen, wie die Zusammenarbeit mit dem Humboldtforum aussehen kann.“

Den Sparzwang indes, dem Museen unterliegen, kennt Macdonald aus eigener Erfahrung. In Großbritannien sind auch Geisteswissenschaftler in der Pflicht, die Effizienz ihrer Forschung zu belegen. Auch habe sich das Verhältnis zwischen Professoren und Studenten durch die hohen Studiengebühren verändert. Als Flucht will sie ihren Weggang nach Berlin aber nicht bezeichnen. Eher als wunderbare Gelegenheit, neue Akzente in der Forschung zu setzen.

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