• Neues Forschungsprojekt an der FU: Berliner Wissenschaftlerin kämpft für die Rumänistik

Neues Forschungsprojekt an der FU : Berliner Wissenschaftlerin kämpft für die Rumänistik

Die Rumänistik führt ein Nischendasein an deutschen Universitäten. Nun soll das „kleine Fach“ mit einem vom Bund finanzierten Projekt gestärkt werden.

Annika Reiß
Eine Buchhandlung in Bukarest. Rumänische Literatur wird zu Unrecht oft übersehen.
Eine Buchhandlung in Bukarest. Rumänische Literatur wird zu Unrecht oft übersehen.Foto: Birgit Zimmermann/dpa-Zentralbild/dpa

Forschung und Lehre zu rumänischer Sprache und Literatur gehören seit jeher zur Tradition der Romanistik. Seit einigen Jahrzehnten hat die Romanistik jedoch eine Richtung genommen, die vor allem die kleinen romanischen Sprachen wie Rumänisch, aber auch Katalanisch und Portugiesisch an den Rand drängt. Stellen wurden gestrichen, das Studienangebot radikal reduziert.

Inzwischen wird die Romanistik weitestgehend von den großen westlichen romanischen Sprachen und Kulturen Französisch, Spanisch und Italienisch dominiert. Das soll sich ändern – durch ein Forschungsprojekt der Literaturwissenschaftlerin Iulia Dondorici, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Dondorici, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Romanistik der Freien Universität Berlin, geht der Frage nach, warum gerade das Rumänische um seinen Platz an deutschen Unis kämpfen muss. Dafür untersucht sie die Wechselwirkung der wichtigsten Avantgardebewegungen des 20. Jahrhunderts mit der rumänischen Literatur.

Sie wolle zeigen, wie wichtig es sei, die rumänische Literatur in die aktuellen Debatten über die „transnationale Wende“ in der Literaturwissenschaft zu integrieren. Die Rumänistik sei für das Verständnis von europäischen Literaturbewegungen unentbehrlich, sagt Dondorici. Einige der heute bekanntesten Vertreter der avantgardistischen Literatur in Paris – zu nennen wären da zum Beispiel Eugène Ionesco, Tristan Tzara und Céline Arnauld – waren ursprünglich rumänischer Herkunft. Ihre Rolle als treibende Akteure des Dada und des Surrealismus lasse sich nur verstehen, wenn man die Sprache, die Literatur und die Kultur des Landes kenne.

Ein ganzes Studium der Rumänistik ist kaum noch möglich

Doch rumänistische Forschung wird gegenwärtig fast kaum noch betrieben und die Studierendenzahlen im Fach sind stark zurückgegangen. Mit dem Jenaer Rumänisten und Sprachwissenschaftler Wolfgang Dahmen ging 2016 einer der letzten Inhaber eines Lehrstuhls für Rumänistik in den Ruhestand. Die Universität Jena stufte die Stelle daraufhin auf eine befristete Juniorprofessur herab. Die deutschlandweit letzte Inhaberin einer Professur für Rumänistik ist Michèle Mattusch der Berliner Humboldt-Universität. Das eingeschränkte Studienangebot verhindert zudem, dass junge Wissenschaftler ausgebildet werden. Auch wenn Studierende weiterhin an einer Reihe von Hochschulen Kurse zur rumänischen Sprache, Kultur und Literatur belegen können, reicht das Angebot in den meisten Fällen nicht, um ein ganzes Studium im Fach zu absolvieren. Mittlerweile sei die Forschungstradition akut bedroht, sagt Dondorici.

Die Arbeitsstelle „Kleine Fächer“ der Universität Mainz, die sich mit der Kartierung der „Orchideenfächer“ beschäftigt, bewertet die Situation der Rumänistik – unter Berücksichtigung der Zahl der Professuren – als „konstant“. Im Zuge einer Neukartierung wurde der Rumänistik von der Arbeitsstelle vor einigen Jahren der Status eines „kleinen Faches“ aberkannt und stattdessen der einer nichtselbstständigen Teildisziplin der Südosteuropastudien zugesprochen. Derzeit werde aber erneut geprüft, ob die Rumänistik wieder als eigenständiges Fach in den Katalog kleiner Fächer aufgenommen wird, erklärt Stefanie Hoffmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Arbeitsstelle.

Mit den Problemen der Rumänistik sehen sich auch andere Disziplinen und Fachgebiete, die bestenfalls durch eine Handvoll von Professuren vertreten werden, konfrontiert. Oft müssen sie um die Anerkennung als eigenständiges Fach kämpfen, um von ihren Unis gefördert zu werden. Im Rahmen des BMBF-Programms „Kleine Fächer – Große Potenziale“ wird nun das Berliner Forschungsteam um Iulia Dondorici und die Romanistikprofessorin Susanne Zepp-Zwirner im Rahmen mit 300 000 Euro für drei Jahre unterstützt. Das langfristige Ziel der Forscherinnen ist es, in der Romanistik wieder einen Platz für das Rumänische zu schaffen und die rumänische Literatur ins europäische Forschungsinteresse zu rücken.

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