Nobelpreis für Chemie 2018 : Für einen kommt der Nobelpreis zu spät

Willem "Pim" Stemmer hätte den diesjährigen Chemie-Nobelpreis wohl bekommen, wäre er nicht vor der Zeit gestorben.

Den "Draper Prize" für seine Forschungen konnte Willem "Pim" Stemmer 2011 noch entgegen nehmen, bevor er zwei Jahre später starb.
Den "Draper Prize" für seine Forschungen konnte Willem "Pim" Stemmer 2011 noch entgegen nehmen, bevor er zwei Jahre später starb.Foto: Draper Prize

In „Done too soon“ besingt Neil Diamond Personen, die "vor ihrer Zeit" gestorben sind. Es ist ein Song, der immer wieder auch zur Nobelpreis-Saison passt. Denn die Ehrungen werden längst nicht mehr, wie es Alfred Nobel eigentlich wollte, für die „im vergangenen Jahr“ wichtigsten wissenschaftlichen Leistungen vergeben, sondern oft erst Jahrzehnte später. Doch nicht nur Forschern, die irgendwann hochbetagt versterben, entgeht regelmäßig diese Art der Unsterblichkeit, sondern oft auch solchen, die „zu früh“ gegangen sind. Rosalind Franklin, Mitentdeckerin der DNA-Struktur, ist nur ein Beispiel dafür.

Einer, der den Preis verdient hätte

Im Jahr 2013 starb Willem „Pim“ Stemmer an Krebs. Der gebürtige Niederländer wurde 56 Jahre alt. Er hatte zahlreiche Biotechfirmen gegründet, zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht, sehr viele Medikamente – auch solche gegen Krebs – mitentwickelt. Er hielt mehr als 100 Patente in den USA. Bekannt war er nicht nur als „wahrer Biotech-Pionier“, sondern auch als „brutal ehrlicher Kollege“, wie es in einem Nachruf hieß.
Am bekanntesten allerdings war er für seine Erfindung des „DNA-Shuffling“. 1994 veröffentlichte er Details der Technik im Fachmagazin „Nature“ und anderen Publikationen. Die Methode, unter Biotechnologen auch unter dem Namen „Sex im Reagenzglas“ bekannt, ermöglichte genau das: neue Kombinationen von Erbmaterial wie nach geschlechtlicher Fortpflanzung, allerdings beschleunigt und gezielt genutzt mithilfe gerichteter Evolution.

"Revolutionäre Methode"

Die Firma Maxygen gründete er, um diese Innovation umzusetzen. Drei erfolgreiche Tochterfirmen, die die Technik und darauf basierende Produkte in Gebieten von Landwirtschaft bis hin zu chemischer und pharmazeutischer Industrie weiterentwickelten, entstanden aus Maxygen. „Pims DNA-Shuffling war eine revolutionäre Methode“, schrieb Frances Arnold, jetzige Nobelpreisträgerin, nach seinem Tod.

Stemmer erhielt zahlreiche wichtige Wissenschafts- und Ingenieurspreise. 2018 wäre wahrscheinlich der wichtigste hinzugekommen.

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