Nutzung des Weltraumteleskops : Frauen holen auf bei Hubble

Mit ihren Anträgen, das Weltraumteleskop Hubble zu nutzen, waren Forscherinnen lange im Nachteil. Doch jetzt wurde das Verfahren anonymisiert.

Das Weltraumteleskop Hubble.
Das Weltraumteleskop Hubble. Bei den Antragstellenden überwiegen männliche Forscher. Doch jetzt wurde die Bewilligungsquote durch...Foto: Nasa/picture alliance/dpa

Wenige Jahre bevor das Weltraumteleskop Hubble vom James-Webb-Teleskop abgelöst werden soll, gewähren Nasa und Esa erstmals Geschlechtergerechtigkeit bei der Hubble-Nutzung. Weil seit der Inbetriebnahme des Teleskops 1990 durchgehend mehr männlichen Forschern Nutzungszeit zugebilligt wurde, akzeptierte das Space Telescope Science Institute in Maryland (STScI) in diesem Jahr ausschließlich anonymisierte Anträge. Der Effekt: Die Erfolgsquote der Frauen glich sich der der Männer vollständig an. Durch die Anonymisierung komme man dem Ziel näher, „den Fokus in erster Linie auf wissenschaftliche Leistung zu legen“, wird STScI-Direktor Ken Sembach im Hubble-Newsletter der Europäischen Weltraumorganisation Esa zitiert.

Die Geschlechterdisparität wurde 2014 mit einer Studie über die Nutzerjahrgänge 2001 bis 2012 belegt. Über diesen Zeitraum betrug die Bewilligungsquote bei männlichen Antragstellern im Schnitt 23,5 Prozent, bei Frauen waren es nur 18,1 Prozent. 2017 lud das Institut dann externe Forschende ein, den Auswahlprozess zu beobachten, wie die US-Zeitschrift „The Atlantic“ berichtet. Eine Beobachtung: In vielen Diskussionen des Auswahlkomitees sei es mehr um die Antragsteller als um die wissenschaftlichen Inhalte ihrer Anträge gegangen – etwa um gute Erfahrungen, die man mit dem Leiter der Arbeitsgruppe und seinem Team gemacht habe. Die Beobachter empfahlen daraufhin laut „The Atlantic“, nahezu alle Informationen über die Antragsteller inklusive ihrer Namen auszublenden.

Die Ungleichheit verschwand durch die Anonymisierung

Mit 351 Hauptantragstellern und 138 Hauptantragstellerinnen im diesjährigen 26. Hubble-Zyklus änderte sich zwar nichts am Übergewicht der männlichen Forscher in der Astronomie, die mit Hubble arbeiten wollen. Doch die frühere Ungleichheit bei der Bewilligung verschwand durch die Anonymisierung: 28 und damit acht Prozent der Anträge von Männern wurden bewilligt, bei den Frauen waren es zwölf Bewilligungen und damit sogar 8,7 Prozent.

Priyamvada Natarajan, theoretische Physikerin in Yale und Vorsitzende des Bewilligungskomitees, zeigte sich laut „The Atlantic“ überrascht von diesem Ergebnis: „Ich hatte mit einer kleinen Veränderung gerechnet, aber nicht mit kompletter Parität.“ Ob das neue Auswahlverfahren ab 2021 auch beim Nachfolgeteleskop James Webb beibehalten werde, sei noch nicht abschließend entschieden, erklärte Sembach. Natarajan dagegen meint: „Der Effekt ist so klar, dass wir einfach nicht mehr zurückkönnen.“

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