Peter Scholze gewinnt Fields-Medaille : Perfektoide Räume in Bonn

Ein 30-Jähriger mit Berliner Abitur hat den wichtigsten Mathematiker-Preis gewonnen. Grund genug für eine Mathe-Null wie unseren Autor, zu verstehen zu versuchen, was der Mann eigentlich macht.

Nicht um den Hals, sondern in die Hand: Peter Scholze bekommt seine Medaille nach Mathematikerart.
Nicht um den Hals, sondern in die Hand: Peter Scholze bekommt seine Medaille nach Mathematikerart.Foto: Fabio Teixeira/dpa

Viele von uns kokettieren gerne damit, dass wir in Mathe ganz, ganz schlecht waren, es aber doch irgendwie geschafft haben, nicht in der Gosse zu landen. Dann kommt aber irgendwann der Tag, an dem wir doch gezwungen sind, Mathe zu verstehen – vor einer Excel-Tabelle oder der eigenen Steuererklärung zum Beispiel. Oder der Tag, an dem alle vier Jahre die Welt daran erinnert wird, dass Mathematik gar nicht „Rechnen“ und Zahlenkolonnen und Summenzeichen in Tabellenkalkulationsprogrammen ist, sondern etwas, was auch mit gebührender Anstrengung nur wenige wirklich verstehen. Es ist der Tag, an dem die gerne als „Mathematik-Nobelpreis“ titulierte Fields Medaille vergeben wird.

Matheunterricht in Friedrichshain

Am Mittwoch war es wieder so weit, und jemand, mit dem ein paar von uns Berlinern in Friedrichshain sogar Schul-Mathe hatten, hat eine davon bekommen. Peter Scholze heißt er, ist gerade mal 30, und würde mit seinen langen Haaren und dem jungenhaften Gesicht auch heute auf dem Schulhof nicht weiter auffallen. Dann ging er – und damit fängt leider das komplett Unverständliche an ihm und seiner Arbeit schon an – von Berlin nach Bonn. Dort ist er heute Professor und – wenn man Leuten, die ihn kennen, glaubt – möchte auch trotz sicher nun noch besserer Angebote aus aller Welt gerne dort bleiben. Da atmet der Wissenschaftsstandort Deutschland erstmal durch.

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Bonner Mathematiker Scholze erhält Fields-Medaille
Bonner Mathematiker Scholze erhält Fields-Medaille

Popularisation impossible

Jetzt muss man nur noch verstehen, was er macht– und ruft einen Mathematiker an. Der hat die nicht hilfreiche, aber tröstliche Erläuterung parat, dass selbst „die größten Popularisierer der Mathematik“ sich einig seien, dass das nun so allgemeinverständlich, so „populär“, nicht zu schaffen ist. Und wenn man sich die Videos von der Preisverleihung in Rio de Janeiro ansieht, in denen alle anderen Medaillisten es einigermaßen schaffen zu erläutern, was sie da in ihrem Kopf so machen, bekommt es der sympathische Bonner Professor nicht recht hin.

Dabei hört es sich zunächst nicht so schlimm an. Scholze hat etwas Wichtiges entdeckt: die „perfektoiden Räume“. Das klingt nicht schlecht, fast perfekt sogar. Ein wichtiges geometrisches Werkzeug für Zahlentheoretiker sei das, und ganz viele „Probleme, an denen sich Mathematiker jahrzehntelang die Zähne ausgebissen“ hätten, seien mit diesem Werkzeug nun gelöst.

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Der Hammer

Ah, was genau? Und was bedeutet das so für die Welt? Oh, sagt der Mathematiker, das ist schwierig, und da gibt’s ganz eigene Begriffe dafür. Schade, denn diesmal, da ein Deutscher und Berliner gewonnen hat, wollte man es wirklich mal verstehen. Man fragt, verzweifelt, nochmal zurück: Also der Scholze, der hat sozusagen für seine Numerikerwelt einen Hammer gefunden, mit dem man in jener Welt jetzt besser was bauen kann als zuvor nur mit bloßen Händen? Und das kann man vielleicht auch praktisch irgendwann nutzen? Da sagt der Mathematiker: Ja.

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