Physiknobelpreisträger im Porträt : „Die Natur überrascht uns immer wieder“

Ein Kanadier und zwei Schweizer: Die diesjährigen Physik-Nobelpreisträger im Porträt.

Die Physiknobelpreisträger 2019: James Peebles, Michel Mayor, Didier Queloz
Die Physiknobelpreisträger 2019: James Peebles, Michel Mayor, Didier QuelozFoto: Jessica Gow/AFP

Ein Kleinplanet ist bereits nach ihm benannt, jetzt hat er auch den Nobelpreis: Der 84-jährige James Peebles ist seit Jahrzehnten einer der einflussreichsten Astronomen. Dabei interessiert er sich gar nicht so sehr dafür, wo nun welcher Stern am Himmel zu sehen ist. Zwar erinnere er sich, wie er schon früh den klaren Sternenhimmel über Manitoba bewundert habe, erzählte Peebles einmal – Manitoba ist die Prärieprovinz Kanadas, in der aufgewachsen ist. „Aber die Namen von Planeten oder Sternbildern haben mich nie besonders gereizt – und tun es bis heute nicht.“

Ihn interessiere vielmehr, wie Sachen wirklich funktionieren. „Für mich bedeutet Physik, dass man Flaschenzüge bis ins kleinste Teil zusammensetzt.“ Eine erste Begegnung mit einem Kosmologie-Lehrbuch während seines Studiums schockierte ihn eher: „Darin wurden ja schöne Phänomene beschrieben, aber bewiesen war kaum etwas.“ Genau das schien ihn dann aber doch anzuspornen. Schon 1958 kam er als Student an die US–Universität in Princeton, wo er bis heute geblieben ist.

Liebe zur Wissenschaft

Zwar hat er sich mit den großen Themen des Universums und der Physik beschäftigt, seine wahre Leidenschaft aber gilt den kleinen, unterschätzten Problemen: „Was wir von Forschung abseits der ausgetretenen Pfade lernen können? Sie überprüft allgemein akzeptierte Ideen – immer eine gute Sache –, und es gibt die Chance, dass die Natur doch immer wieder eine neue Überraschung für uns bereit hält“, schreibt Peebles auf seiner Webseite.

Für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatte er am Dienstag einen einfachen Tipp parat, nachdem er von der Auszeichnung erfahren hatte: Man solle sich als Forscher niemals von der Aussicht auf Auszeichnungen, sondern vielmehr von der Liebe zur Wissenschaft antreiben lassen. Er selbst sei teils sehr verunsichert gewesen, als er in den 60er Jahren angefangen habe, sich wissenschaftlich mit seiner Materie auseinander zu setzen. Aber: „Ich habe einfach weitergemacht.“

Peebles’ Mit-Preisträger, die Schweizer Michel Mayor (77) und Didier Queloz (53), verbindet eine lange Arbeitsbeziehung. Queloz war in den Neunziger Jahren in einer Doktorandengruppe Mayors, der schon damals als einer der Stars seines Faches galt. Lange habe er im Schatten seines renommierten Doktorvaters gestanden und beweisen müssen, dass er auch sonst ein guter Wissenschaftler ist, sagte Queloz einmal der „Neuen Zürcher Zeitung“.

Dabei war er, der Doktorand, es gewesen, der zuerst die bahnbrechende Entdeckung des ersten Exo-Planeten machte – ohne allerdings zunächst die Tragweite zu begreifen. Das Ziel seiner Promotion war das auch nie gewesen. Er sollte vielmehr eine Software schreiben, die die Radialgeschwindigkeit von Sternen misst. Die Software funktionierte indes so gut, dass man beschloss, nach mehr als nur kleinen Sternen zu suchen.

Kaputte Software?

Dennoch dachte Queloz erst einmal, seine Software habe den Geist aufgegeben, als er auf die Spur des Exoplaneten kam – so ungewöhnlich waren die Messdaten. Er habe sich so sehr über den vermeintlichen Kollaps seines Programms geschämt, dass er sich zunächst gar nicht traute, mit Mayor darüber zu sprechen. Erst als er sich selber erklären konnte, er habe womöglich einen Planeten gefunden, ging er zu Mayor. Dessen Antwort auf die Frage, ob er das glauben könne, war kurz und trocken: „Warum nicht?“

Die gemeinsame Forschungsarbeit riss nie ab, auch wenn Queloz seit 2013 Professor an der Universität Cambridge ist. Als „Dinosaurier“ fühlt auch er sich heute – obwohl er mit 53 für einen Nobelpreisträger fast jugendlich ist.

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