Ranger im Nationalpark : Einer der gefährlichsten Jobs

Der Welt-Ranger-Tag soll an den Kampf für die biologische Vielfalt erinnern - und an jene, die dafür ihr Leben gaben. Denn der Beruf des Rangers ist gefährlicher als gedacht.

Roland Schulz
Gefährdet. Von den vier Primaten auf diesem Bild aus dem Virunga-Nationalpark leben drei in ständiger Bedrohung. Denn Wilderer schießen nicht nur auf Gorillas, sondern auch auf die Ranger, die sie beschützen.
Gefährdet. Von den vier Primaten auf diesem Bild aus dem Virunga-Nationalpark leben drei in ständiger Bedrohung. Denn Wilderer...Foto: Alamy Stock Photo

Im Jahr 2017 waren es 107. Es ist nur die offizielle Zahl der Ranger in Nationalparks und anderen Schutzgebieten weltweit, die im Job ihr Leben ließen – getötet von Wilderern oder Milizen, gestorben bei Rettungsaktionen oder Unfällen.

„Die Dunkelziffer liegt weit höher“, vermutet Sean Willmore. Der australische Ranger und Chef der Internationalen Rangerfederation IRF, hat sich 2004 diesem Job verschrieben. Beflügelt von einem Rangerkongress in Durban, Südafrika, verkaufte er damals sein Auto und nahm eine Hypothek auf sein Haus auf, um 14 Monate lang auf eigene Kosten Ranger in aller Welt zu begleiten. Er war auf Wildererpatrouillen in Afrika, bei Bergrettungsaktionen in den USA, in Tigerreservaten Indiens. Es waren Begegnungen, die sein Leben veränderten. Willmore gründete die Stiftung „The Thin Green Line“. Motto: „Würdest Du Dein Leben für die Zukunft unserer Erde riskieren?“ Viele tun es. Ein Beispiel ist die Situation im Virunga Nationalpark im Kongo. In den vergangenen 20 Jahren wurden hier mehr als 170 Ranger, die Berggorillas beschützten, ermordet.

500 Ranger in Deutschland

Als Hauptaufgabe seiner Stiftung hat Willmore definiert, Angehörige der im Einsatz gestorbenen Ranger finanziell zu unterstützen. Sein Einsatz sprach sich herum. 2012 wurde er in Tansania zum Vorsitzenden der IRF gewählt. Auch optisch ist er ein Ranger, wie er im Buche steht: Kräftig, rotbrauner, langsam ergrauender Bart, gewinnendes Lächeln. Ein knappes Hemd wölbt sich über dem Bauch.

Steht Willmore am Rednerpult, spricht mit an „Crocodile Dundee“ erinnerndem australischen Akzent mit Unterstützern oder verhandelt mit Regierungsvertretern, wird sein Gesicht kantig, seine Augen blitzen. Er gibt sich glaubhaft als Kämpfer für die Sache der Ranger. Und die IRF wächst. Mittlerweile finden sich Organisationen aus mehr als 60 Nationen unter dem gemeinsamen Dach. Der „World Ranger Day“, den am 31. Juli zum zwölften Mal 300 000 bis 500 000 Ranger in aller Welt begehen, ist zu einem wichtigen Datum geworden. Das Gedenken an die verlorenen Kollegen steht notgedrungen immer im Vordergrund. In den letzten neun Jahren waren es offiziell 871.

In Deutschland arbeiten rund 500 Ranger – auch Naturwächter, Parkaufseher, Nationalparkranger oder Schutzgebietsbetreuer genannt – weitgehend im toten Winkel der Öffentlichkeit. Ihre Arbeit ist noch vielfältiger, als es die typisch deutschen Berufsbezeichnungen vermuten lassen. Und zunehmend anspruchsvoll.

Forschen, schützen, anpacken

Carsten Wagner ist Ranger im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Er macht Führungen, hält Vorträge, überwacht Schutzzonen, ahndet Ordnungswidrigkeiten, untersucht Umweltfaktoren. Exemplare seltener Tier- und Pflanzenarten wie Fischotter und Orchideen zählt er auch noch, entwickelt Angebote für Junior-Ranger, packt bei Bau und Unterhaltung von Besuchereinrichtungen an. Er und seine Kollegen gerieten immer häufiger an ihre Grenzen, „aber eine sinnvollere Arbeit gibt es nicht". Vor zwei Jahren hat er den Vorsitz des Bundesverbandes Naturwacht Deutschland übernommen und vertritt damit rund 250 Ranger.

Bislang reichte für den Einstieg eine „grüne“ Berufsausbildung, etwa als Forstwirt. Seit letztem Jahr muss es nun der Bachelor sein. Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung im brandenburgischen Eberswalde bietet jetzt die Zusatzqualifikation „Schutzgebietsbetreuung“ im Rahmen des Bachelorstudiums Landschaftsnutzung und Naturschutz an. Vera Luthardt ist vom Bedarf überzeugt: „In diesem Jahr hatten wir erstmals mehr Bewerber als offene Studienstellen“, sagt die Professorin für Vegetationskunde und angewandte Pflanzenökologie.

Oliver Büxler ist mit 25 Jahren Rangerpraxis im Naturpark Märkische Schweiz ein alter Hase. Wie viele Kollegen hat er Steckenpferde: Fledermäuse und Vögel sind seine. 2016 reiste er sechs Wochen als Ranger durch das südliche Afrika. Zwei Wochen davon arbeitete er in Mozambique im Nationalpark Bahine. Es waren, sagt er, Tage mit Kollegen auf Zeit, die unter die Haut gingen. „Uns Ranger in aller Welt verbindet die große Liebe zur Natur, Ehrfurcht und Faszination.“

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Schutzgebiete mit wenig Schutz

Gerade sei er bei der Vogelkartierung. Der Trend für viele Arten sei negativ: „In unserem Park wird ein Drittel der Fläche konventionell landwirtschaftlich genutzt, weniger als ein Prozent davon wird biologisch bewirtschaftet.“ In einem Naturpark, der zugleich internationales Vogelschutzgebiet sei, sei das nicht nachhaltig: „Wir haben Riesenprobleme mit Insektensterben, Vogelarten verschwinden, das Grundwasser wird verschmutzt, das berührt mich." Dennoch habe er Hoffnung. „Vielleicht verbindet uns Ranger, dass wir alle daran arbeiten, die Welt etwas besser und nachhaltiger zu machen, gegen allen Widerstand."

Das Gefühl, als Ranger Teil einer großen Familie mit gemeinsamer Mission zu sein, teilt auch Willmore. Er sei „überzeugt, dass Ranger überall in der Welt unersetzlich sind“, ob sie nun Wölfe, Bären oder Vögel in Europa schützten, oder Elefanten und Gorillas in Afrika.

Alle gleich sind in dieser großen Familie allerdings nicht. So fordert der Vorsitzende der IRF eine bessere Ausrüstung für Ranger in armen Ländern: „Vor allem arbeite ich daran, das Berufsbild bekannter zu machen.“ Und die gesellschaftliche Rolle als Schützer der Natur und letztlich des gesamten Planeten müsse mehr gewürdigt werden“, so Willmore. Ranger seien diejenigen, die dafür ihr Leben riskierten und müssten „endlich gehört werden.“

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