Román Piña Chán-Ausstellung in Berlin : Ein Archäologe und Ästhet

Román Piña Chán hat Teotihuacán und Chichén Itzá erforscht – und ihre Schönheit dokumentiert. In Berlin sind seine Fotos nun erstmals in Deutschland zu sehen.

Zwei Arbeiter bei der Bergung eines Kolossalkopfs in San Lorenzo (Mexiko).
Román Piña Chán war nicht nur Archäologe, sondern fing als Fotograf auch die Faszination der Erforschung alter Kulturen ein.Foto: Román Piña Chán. © Acervo Román Piña Chán / Universidad Autónoma de Campeche (UAC).

Das aztekische Teotihuacán und die Maya-Städte Palenque und Chichén Itzá gehören zu den herausragenden Ruinenstätten Mexikos, an deren Erforschung der mexikanische Archäologe und Anthropologe Román Piña Chán maßgeblich beteiligt war. Bei ihm – an der Escuela Nacional de Antroplogía e Historia sowie an der Universidad Nacional Autónoma de México – haben die meisten der heute führenden Archäologen Mexikos gelernt.

In seiner Heimat ist der Universalgelehrte eine Legende. Aber Piña Chán war nicht nur Wissenschaftler, sondern auch ein begnadeter Fotograf und Zeichner. Davon kann man sich jetzt erstmals in Deutschland in der Ausstellung „Der Blick des Archäologen. Fotografien aus dem Nachlass von Román Piña Chán“ im Lesesaal des Ibero-Amerikanischen Instituts (IAI) der Stiftung Preußischer Kulturbesitz überzeugen.

Fotografien aus den 1950er bis 80er Jahren

Vor den großformatigen Fotos steht eine Vitrine mit wunderbaren Aquarellen, sie zeigen ein Armband mit Kupferschellen, eine Klapper und einen Anhänger. Eine Zeichnung der Ruinenstätte von Becan im Bundesstaat Campeche unterstreicht Piña Cháns Fähigkeit, komplexe Verhältnisse anschaulich darzustellen. Im Zentrum der Berliner Ausstellung stehen aber die Fotografien, die von den 50er bis in die 80er Jahre reichen und damit besonders wertvolle Dokumente sind.

Mexikanische Archäologie - Fotos von Román Piña Chán
Stolz posiert der Arbeiter in San Lorenzo, Veracruz. 1965 vor dem sogenannten olmekischen Kolossalkopf. Bisher sind zehn Köpfe dieser Art aus der Zeit zwischen 1150 und 900 v. Chr. bekannt.Weitere Bilder anzeigen
1 von 17Foto: © Acervo Román Piña Chán / Universidad Autónoma de Campeche (UAC)
22.06.2018 17:33Stolz posiert der Arbeiter in San Lorenzo, Veracruz. 1965 vor dem sogenannten olmekischen Kolossalkopf. Bisher sind zehn Köpfe...

„Oft sind die Ausgrabungen nicht so dokumentiert, wie wir das kennen und insofern sind die Fotos von Piña Chán eine bedeutende Quelle“, sagt Iken Paap vom Iberoamerikanischen Institut, die mit Ivan Urdapilleta Caamal, dem Großneffen Cháns und Leiter von dessen Nachlass, diese Ausstellung zusammengestellt hat.

Interesse auch an den Menschen der Region

Zwei Männer reinigen 1962 mit Pinseln behutsam einen großen Totenkopf aus Stein mit Strahlenkranz in Teotihuacán – schon dieses Foto beweist, dass Piña Chán nicht nur an dem archäologischen Objekt interessiert war, sondern auch an den Menschen der Region, den Arbeitern und ihren Familien. Ein Foto von 1955 zeigt die Archäologen bei der Ausgrabung in Tlatlico. Piña Cháns Forschung ist es zu verdanken, dass wir die kulturelle Entwicklung Mesoamerikas seit den 1950er Jahren besser verstehen lernten. Beeindruckend sind auch die Fotos von unberührten Gräbern aus dem Jahr 1962, wie etwa dem von Zaachila in Oaxca. In diesem kollektiven Grab fanden sich neben vielen Knochen auch Perlen, Ohrschmuck aus Obsidian, Goldschmuck und Keramikgefäße.

Piña Chán hatte ein Auge für die Dinge, nie wirken seine Fotos rein wissenschaftlich. „Der alte Gott“, 1963 in Oaxca aufgenommen, wirkt wie eine große Steinfigur von einer Pyramide, stammt aber in Wirklichkeit von einer kleinen Graburne.

Eine Berliner Ausstellung - und wissenschaftlicher Austausch

Finderstolz spiegelt sich im Gesicht eines Arbeiters, der 1965 neben einem olmekischen Kolossalkopf in San Lorenzo, Veracruz, posiert. Zehn solcher gigantischen Köpfe sind bisher bekannt. Dass die Menschen selbstverständlich mit den Ruinen lebten, zeigt ein Foto eines totonakischen Pyramidenstumpfes, vor dem auf der Wiese die Wäsche im Wind trocknet – Archäologie mit Augenzwinkern.

Die kleine, aber feine Ausstellung im IAI hat schon jetzt eine nachhaltige Wirkung entfaltet. Das Institut hat bei der Eröffnung mit der Universität von Campeche einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Neben einer Zusammenarbeit der beiden Bibliotheken und weiteren wechselseitigen Ausstellungen in Berlin und Campeche sind für die Zukunft gemeinsame archäologische Projekte in Campeche geplant.
- Ibero-Amerikanisches Institut Preußischer Kulturbesitz, Potsdamer Str. 37, 10785 Berlin. Die Ausstellung ist bis zum 31. Juli 2018 zu sehen (weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie hier).

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