Rückkehr ins All : Ukraine investiert in Kosmostechnik

Ukrainische Unternehmen trugen viel zum Erfolg der sowjetischen Raumfahrt bei. Jetzt soll diese Industrie wiederbelebt werden.

In sowjetischen Zeiten kamen auch Komponenten für Sojus-Trägerraketen aus der Ukraine.
In sowjetischen Zeiten kamen auch Komponenten für Sojus-Trägerraketen aus der Ukraine.Foto: Kyodo/dpa

Nach Jahren wirtschaftlichen Niedergangs will die Ukraine wieder in den Kreis der Raumfahrtnationen zurück. Das Parlament in Kiew, die Werchowna Rada, hat Ende vergangenen Jahres beschlossen, dass wieder staatliches Geld in die Branche investiert wird. Vor allem sollen damit - anders als in Russland - private Firmen gefördert werden.

Chef der ukrainischen Weltraumagentur ist seit Februar 2019 der Unternehmer Wladimir Ussow, der sein Geld mit 3-D-Druckern für die Metallverarbeitung und die keramische Industrie machte.

Gleich am ersten Tag in seiner neuen Funktion war er mit der ukrainischen Realität konfrontiert: Er übernahm ein Netz von Unternehmen, von denen die meisten insolvent waren. Das größte davon ist der Staatskonzern „Jushmasch“ in Djnepr. Die erste Aktion der Weltraumagentur: sie zahlte 16 000 Mitarbeitern die ausstehenden Gehälter.

Der Krieg beendet die Zusammenarbeit

In der Zeit der Sowjetunion kamen zentrale Komponenten für die Raumfahrt der UdSSR aus der Ukraine. Noch in den 1990er Jahren exportierte Jushmasch jährlich 100 Trägerraketen nach Russland.

Zudem arbeitete das leistungsfähige Konstruktionsbüro „Jushnoje“ weiter für die russische Raumfahrt und entwickelte rund 400 Apparaturen für die Fernerkundung der Erde und andere Bereiche der Erkundung des erdnahen Raumes. Mit der russischen Annexion der Krim und der Beteiligung Moskaus am Krieg in der Ostukraine endete diese Zusammenarbeit jedoch abrupt. Jushmasch schlingert seit sechs Jahren am Rande der Insolvenz.

Jetzt hofft der Konzern auf eine Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen „Firefly Aerospace“. Nachdem ein Vertrag über die Lieferung russischer Triebwerke an die Nasa nicht mehr verlängert wurde, eröffne sich ein „Fenster der Möglichkeiten“, heißt es in Kiew.

Pläne für Spionagesatelliten

Doch das scheint bisher noch sehr klein. In diesem Jahr sollen bei Jushmasch nur acht kleine Raketen für das Unternehmen in Texas produziert werden, in den Jahren darauf sollen es 24 im Jahr werden.

Bis dahin braucht der ukrainische Raketenbauer nicht nur Investitionen von 30 bis 60 Millionen Dollar. Es muss auch eine Lösung für ein ganz besonderes Problem gefunden werden: Bislang bezieht Jushmasch das Aluminium für seine Produktion vor allem aus Russland.

Ussows Pläne greifen weit voraus. In den nächsten fünf Jahren will die ukrainische Weltraumagentur fünf eigene Satelliten starten. Pläne des Projektes waren für Russland ausgearbeitet worden. Es seien Apparate „für die nationale Sicherheit“, heißt es wenig aussagend. Seit sechs Jahren herrscht Krieg in der Ukraine.

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