Gedenkstättenbesuche können helfen

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Schülerstudie : Demokratie oder Diktatur? – Ganz egal!

Schroeder sagt, dass mit mehr Wissen die Einschätzungen exakter werden. Die Kenntnisse über die NS-Zeit sind unter den Jugendlichen relativ am besten – entsprechend ist auch die Einschätzung jener Epoche deutlich klarer als für die Zeit nach 1945. Zwei Drittel haben ein eindeutig negatives Bild von jener Zeit, positive Einschätzungen sind gering – am deutlichsten bei Migrantenkindern, vor allem aus Familien aus dem Nahen Osten mit fast 18 Prozent. Aber schon bei mittlerem Kenntnisstand wächst die negative Bewertung der NS-Zeit auf über 80 Prozent – nur die Unkundigen sind unsicher und teilen diese Einschätzung nur zu 30 Prozent.

Gedenkstättenbesuche können helfen, die Wahrnehmungen zu ändern – vor allem bei Hauptschülern. Hier wurden Klassenfahrten nach Berlin mit Besuchen der NS- und DDR-Gedenkstätten für die Auswertung genutzt. Allerdings, so das Fazit der FU-Forscher, müssten diese Besuche gut vor- und nachbereitet werden, und es dürfe kein zu intensives „Gedenkstättenhopping“ geben.

Schroeders Empfehlung lautet, den Zeitgeschichtsunterricht nicht nur höher zu gewichten, sondern auch dessen „Wertorientierung“ zu verstärken. „Freiheit, Menschenrechte, Rechtstaatlichkeit und Pluralismus“ müssten die Vergleichsbasis zur Bewertung der politischen Systeme liefern. Wobei die Studie ergab, dass Freiheitlichkeit unter den Jugendlichen durchaus einen hohen Stellenwert besitzt – bei der Bewertung von fünf hypothetischen Staatsmodellen schnitt das liberalste mit klarem Abstand am besten ab. Auch das ein Indiz dafür, dass die Schwierigkeiten bei der Unterscheidung zwischen Diktatur und Demokratie mehr auf Unsicherheit durch mangelhaftes Wissen als auf politischen Neigungen beruhen dürfte.

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