Männer bleiben die Haupternährer. Das hat Folgen

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Serie: Gender in der Forschung (9) : Ökonomie fängt im Haushalt an
Christine Bauhardt

Die ökonomische Geschlechterforschung fragt danach, wie dieses Muster der geschlechtlichen Arbeitsteilung zu erklären ist. Es entspricht ja keineswegs den Ideen von Gleichberechtigung in den Geschlechterverhältnissen und der Vorstellung von Emanzipation von Frauen durch Erwerbsarbeit und der Emanzipation von Männern durch Beteiligung an der Haus- und Sorgearbeit. Eine der Erklärungen, die sich hier anbieten, liegt im Gender Pay Gap, also der um etwa ein Viertel bis ein Fünftel geringeren Entlohnung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt.

Die Entscheidung, wer im Job reduziert, fällt ökonomisch rational

Auch wenn Kritiker gerne auf methodischen Detailfragen bei der Errechnung des Einkommensunterschieds zwischen Frauen und Männern insistieren, bleibt eines jedoch unbenommen: die systematisch geringeren Einkommen von Frauen im Verhältnis zu Männern und dies durchgängig in allen Industrieländern Europas. Man könnte also sagen, dass die individuellen Verhandlungen von Eltern, welcher der Partner denn nun die Erwerbsarbeit einschränkt, um die Versorgungsarbeit von Kindern zu übernehmen, keine individuellen Ergebnisse erbringt. Im Gegenteil: Der Gender Pay Gap im Erwerbsleben sichert ab, dass es logisch und ökonomisch vernünftig erscheint, dass Frauen ihre Erwerbsarbeit reduzieren. Denn der damit einhergehende Einkommensverlust ist geringer, als wenn Männer auf einen Teil des Haushaltseinkommens durch Reduzierung ihrer Erwerbsarbeit verzichten.

Männer und Hausarbeit - nach allgemeinem Verständnis passt das nicht gut

Dennoch gilt es festzuhalten, dass die Erwerbsarbeit für Frauen unabhängig von ihren Einkommenschancen einen hohen Stellenwert hat und sie trotz ihrer Sorgeverantwortung im Berufsleben verankert bleiben wollen. Ökonomisch gesehen gelten sie jedoch als Zuverdienerinnen, während Männer nach wie vor als Haupternährer der Familie betrachtet werden.

Eine weitere Erklärung dafür, warum sich in der Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern so wenig verändert, liegt in der gesellschaftlichen Vorstellung von Männlichkeit. Männer und Hausarbeit, das passt im allgemeinen Verständnis nach wie vor nicht so richtig zusammen. Väter, die ihre Arbeitszeit reduzieren wollen oder mehr als die gesetzlich garantierten zwei Monate Elternzeit in Anspruch nehmen möchten, berichten davon, wie schwierig es ist, dies auch in die Tat umzusetzen.

Teilzeit kann sich negativ auf die Karriere auswirken

Manche Vorgesetzte sprechen sich zwar grundsätzlich für eine gelungene Work-Life-Balance aus. Wenn das aber konkret bedeutet, nicht mehr über die volle Arbeitszeit eines Beschäftigten verfügen zu können, dann kann die prinzipielle Familienfreundlichkeit dieses Vorgesetzten schnell umschlagen und sich negativ auf die Karriere dieses Mannes auswirken. Frauen kennen diese Reaktion des Arbeitsmarktes schon lange. Unzählige Frauen haben erlebt, dass sie nach einer Erwerbsunterbrechung aufgrund von Familienarbeit nicht mehr auf vergleichbare, verantwortungsvolle Posten in ihrem früheren Betrieb oder im vorher ausgeübten Beruf zurückkehren können.

Pendelnde Migrantinnen

So wenig Männlichkeit und Sorgearbeit zusammenzupassen scheinen, so gut ergänzen sich offensichtlich Weiblichkeit und Sorgeverantwortung. Ein deutlicher Indikator dafür ist die globale Versorgungskette, mit der Versorgungslücken in reichen Ländern durch migrierte Frauen aus ärmeren Ländern geschlossen werden. Das können in Berlin Frauen aus Polen, der Slowakei oder der Ukraine sein, die auf diese Weise für den Unterhalt ihrer eigenen Familien aufkommen. Ohne die Arbeit dieser meist zwischen hier und dort pendelnden Migrantinnen wären viele Haushalte in Deutschland im Versorgungsnotstand.

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