Der Mainstream wünscht sich eine bürgerliche Normalbiografie

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Update
Sinus-Jugendstudie 2016 : Generation Mainstream

Als vorherrschende Lebenswelt identifizieren die Forscher indes die „adaptiv-pragmatische“. Hier tummelt sich „der leistungs- und familienorientierte moderne Mainstream mit hoher Anpassungsbereitschaft“. Diese Jugendlichen „sehen sich als verantwortungsbewusste Bürgerinnen und Bürger, die dem Staat später nicht auf der Tasche liegen wollen“. Ihre Ziele sind eine „bürgerliche Normalbiografie und Wohlstand, jedoch kein übertriebener Luxus“. Von Menschen mit geringerer Leistungsbereitschaft grenzen sie sich deutlich ab.

Religiöse Heterogenität im Freundeskreis? Akzeptiert

Doch woher kommt dann die für die junge Generation ebenso kennzeichnende „Akzeptanz von Vielfalt“? Die Autoren der Studie erklären, dass das Konzept der „postmigrantischen Gesellschaft“ – also eines neuen deutschen Miteinanders, in dem weniger als früher nach Einheimischen und Zugewanderten kategorisiert wird – unter den 14- bis 17-Jährigen weitverbreitet sei. Dabei wird etwa religiöse Heterogenität im Freundeskreis akzeptiert beziehungsweise gar nicht mehr wahrgenommen. Wichtig sei aber eine „gemeinsame Wertebasis“. Sie werde auch aktiv gefordert, etwa in Hinblick auf die Akzeptanz sexueller Vielfalt.

Junge Muslime distanzieren sich vom radikalen Islamismus

Deutlich abgelehnt wird religiös begründete Gewalt. Die befragten muslimischen Jugendlichen hätten sich geradezu demonstrativ vom radikalen Islamismus distanziert, sagt Peter Thomas, Mitautor der Studie. Auch bei ihnen habe sich zudem religiöse Toleranz als Norm gefestigt. Während die Muslime aber offensiv zu ihrem Glauben stehen und der Moscheebesuch ebenso selbstverständlich dazugehört wie religiöse Feste in der Familie, sind Jugendliche mit christlichem Hintergrund gegenüber der Kirche skeptischer eingestellt. Ein Ergebnis, auf das zwei weitere Auftraggeber der Studie, der Bund der Katholischen Jugend und die Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, mit mehr konkreten Angeboten für Jugendliche reagieren wollen, etwa im Engagement für Flüchtlinge.

Kritische Konsumenten, die weiterhin billig einkaufen

Dass Jugendliche zwar auch den Parteien misstrauen, sich aber wieder verstärkt für Politik interessieren, hatte schon die Shell-Studie ergeben. Die vom Sinus-Institut Befragten treiben vor allem Umweltschutz und kritischer Konsum um. Viele möchten etwas gegen Kinderarbeit tun, sehen sich aber macht- und vor allem mittellos. Ihr Taschengeld reicht nun einmal nicht für fair gehandelte Kleidung.

Bei historischen Themen ist das Interesse der 14- bis 17-Jährigen begrenzt. Sie verbinden „Geschichte“ mit negativ besetzten historischen Ereignissen, vor allem mit dem Zweiten Weltkrieg. Zugang zur Geschichte finden sie am ehesten durch Berichte von Zeitzeugen.

Erste Anzeichen einer "digitalen Sättigung"

Was zweifellos alle Jugendlichen eint, ist die intensive Nutzung digitaler Geräte. Doch in den starr aufs Smartphone gerichteten Blick mischen sich Zweifel. Vor allem in „bildungsnahen Lebenswelten“ erwarte man von der Schule, über den richtigen und sicheren Umgang mit digitalen Medien aufgeklärt zu werden. Erstmals wünschen sich die Jugendlichen auch „Entschleunigung“. Die Autoren der Studie sprechen von Anzeichen einer „digitalen Sättigung“.

Lesen Sie zur Sinus-Jugendstudie 2016 hier auch den Meinungsbeitrag meiner Kollegin Maria Fiedler.

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