• Soziale Ungleichheit: Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern rutschen am Gymnasium eher ab

Soziale Ungleichheit : Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern rutschen am Gymnasium eher ab

Wenn Kinder aus Familien mit niedrigem Bildungsniveau mit guten Noten aufs Gymnasium kommen, haben sie es noch nicht "geschafft". Überproportional viele sacken in ihren Leistungen ab.

Abiturienten sitzen in einem Schulraum über ihren Klausuren.
Perspektive Abitur. Wer mit guten Noten aufs Gymnasium kommt, braucht keine Förderung mehr? Falsch, sagen die Experten vom DIW.Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Kommen Gymnasiasten aus einem Elternhaus mit niedrigem Bildungsniveau, fallen sie im Laufe ihrer Schulzeit leistungsmäßig immer weiter zurück. Das gilt insbesondere dann, wenn sie in der fünften Klasse in Mathe und Deutsch noch Einserschüler waren. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin, die auf Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) basiert.

Offenbar bestimme der Bildungshintergrund der Eltern nicht nur die Frage, ob ein Kind überhaupt aufs Gymnasium geht - sondern auch, wie sich seine Noten dort im Laufe der Zeit entwickeln, so die Forscher.

Großer Abstand zu Kindern aus Familien mit hohem Bildungsgrad

Zwar erzielen über die Zeit viele Kinder im Gymnasium schlechtere Noten in Deutsch und Mathe. Die Schüler aus Haushalten mit niedrigem Bildungsniveau fallen aber deutlich stärker zurück. Jene, die zu Beginn noch überdurchschnittliche Leistungen erbracht haben, erreichen nach fünf Jahren am Gymnasium nur noch leicht unterdurchschnittliche Noten. Die Differenz zwischen Schülern aus Familien mit hohem und solchen aus Familien mit niedrigem Bildungsgrad entspricht dabei einer vollen Schulnote in Deutsch oder Mathe.

Gymnasien müssten es schaffen, von Anfang ein besonderes Augenmerk auf sehr gute Schüler zu richten, die aus einem Elternhaus mit niedrigem Bildungsniveau kommen: „Das sind Schüler, bei denen man vielleicht denkt, sie hätten es geschafft und man müsste sich keine Sorgen um sie machen“, sagt Studienautor und Bildungsökonom Felix Weinhardt. Die Entwicklung im Verlauf der Schulzeit zeige aber ein anderes Bild.

Weitere Forschung müsste jetzt zeigen, ob die Unterschiede im späteren Berufsleben bestehen bleiben - und ob Ungleichheiten bei Löhnen beispielsweise auf frühere Bildungsungleichheiten während der Schulzeit zurückgehen. (dpa)

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