Studieren mit Behinderung : Die „Hochschule für alle“ ist das Ziel

Jeder Zehnte studiert mit einer Beeinträchtigung, viele sind psychisch erkrankt. Das Studentenwerk appelliert an die Hochschulen.

Psychisch krank. Der Anteil der Studierenden, die das von sich sagen, ist im Zeitraum von fünf Jahren gestiegen.
Psychisch krank. Der Anteil der Studierenden, die das von sich sagen, ist im Zeitraum von fünf Jahren gestiegen.Foto: picture alliance / dpa

Elf Prozent der Studierenden in Deutschland haben eine Erkrankung, die ihr Studium beeinträchtigt. Mehr als die Hälfte dieser Studierenden (53 Prozent) ist psychisch erkrankt. 20 Prozent haben eine chronische somatische Erkrankung wie Rheuma, Multiple Sklerose oder Epilepsie. Zehn Prozent haben eine Bewegungs- oder Sinnesbeeinträchtigung, vier Prozent eine „Teilleistungsstörung“, etwa Legasthenie. Das geht aus der Studie „Beeinträchtigt studieren – best2“ des Deutschen Studentenwerks (DSW) und des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung hervor, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Von den dafür 1,2 Millionen im Wintersemester 2016/2017 angeschriebenen Studierenden von 153 Hochschulen schickten 21.000 einen auswertbaren Fragebogen zurück.

Die meisten haben Schwierigkeiten mit ihrem Studium

Bei der Lage dieser Studierenden gibt es Licht und Schatten, wie Rolf-Dieter Postlep, der Präsident des DSW, sagte. Neun von zehn der betroffenen Studierenden geben an, Schwierigkeiten mit ihrem Studium zu haben. Die Prüfungsdichte, die Präsenz- oder Zeitvorgaben sind für sie zu starr. Zwei Drittel haben wegen ihrer Beeinträchtigung Zusatzkosten, bei jedem oder jeder Sechsten ist der Unterhalt nicht gesichert.

44 Prozent berichteten, das soziale Miteinander an der Hochschule sei für sie schwierig. Viele äußerten Angst vor Ablehnung und Stigmatisierung. Da die Beeinträchtigung nur bei vier Prozent sofort zu erkennen ist, kann die große Mehrheit der Erkrankten unerkannt bleiben, wenn sie sich nicht selbst offenbart. Zu den Schattenseiten gehört es auch, dass gegenüber der Umfrage vor fünf Jahren der Anteil derjenigen, die angaben, eine psychische Erkrankung zu haben, um acht Prozent gestiegen ist. Drei Viertel der psychisch Erkrankten befanden sich in Psychotherapie oder erklärten, eine Therapie zu beabsichtigen.

Ein Drittel wird von Kommilitonen unterstützt

Positiv äußerten sich die Befragten jedoch zur Unterstützung durch ihre Familie, durch Freunde und durch das Gesundheitswesen. Jeder Dritte gab an, durch Kommilitonen unterstützt zu werden.

Aus Sicht des DSW ist das Ziel zu einer inklusiven „Hochschule für alle“ noch nicht erreicht. Postlep appellierte an die Hochschulen, Barrieren weiter abzubauen. Dazu könne es gehören, schon Studienanfänger über ihre Rechte und über Beratungsangebote zu informieren: „Das Thema Nachteilsausgleich gehört in jede Erstsemesterveranstaltung.“ Der Studie zufolge haben nur 29 Prozent der Beeinträchtigten Studierenden einen Nachteilsausgleich gefordert: Nach einer fachärztlichen Stellungnahme kann eine Prüfungskommission eine passende Erleichterung beschließen. 62 Prozent der Anträge werden bewilligt.

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