Tarifwechsel von Stellen an Berliner Unis : Studentische Hilfskräfte büßen Jobs ein

Viele Hilfskraftstellen im nicht-wissenschaftlichen Bereich fallen an den Berliner Hochschulen weg oder werden umgewandelt. Die Kosten dafür sind hoch.

Eingestellt. Die neuen TVL-Stellen betreffen etwa Bibliotheken.
Eingestellt. Die neuen TVL-Stellen betreffen etwa Bibliotheken.Foto: picture alliance / dpa

Die Berliner Hochschulen haben in den letzten zwei Jahren eine Vielzahl studentischer Hilfskraftstellen in nicht-wissenschaftlichen Bereichen wie Bibliotheken oder dem IT-Service gestrichen. Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung Wissenschaft auf eine Anfrage der Berliner CDU-Fraktion hervor. Gleichzeitig richten die Unis diverse neue TVL-Stellen ein, um die Tätigkeits-Bedarfe im hochschulnahen Feld erfüllen zu können – was laut den Universitätsleitungen erhebliche Mehrkosten verursacht.

Der Grund für die Umwandlung von Stellen ist ein Gerichtsurteil vom Juni 2018, nach dem nicht-wissenschaftliche Hochschuljobs nicht länger nach dem studentischen Tarifvertrag TV-Stud vergütet werden dürfen. Stattdessen greift nun der Tarifvertrag der Länder (TVL).

Das Urteil orientiert sich am Berliner Hochschulgesetz, das eine Beschäftigung von Studierenden in diesen Bereichen eigentlich nicht vorgesehen hat. Die Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten hatte beim Senat zunächst auf eine Änderung des Hochschulgesetzes gedrängt, um die Beschäftigung studentischer Hilfskräfte nach dem herkömmlichen Muster zu sichern. Dazu ist es nicht gekommen. Personen, die etwa in Bibliotheken, der Hochschulberatung oder in Pressestellen arbeiten sind seither im TVL beschäftigt.

Der Senat stellt Geld für die Umwandlung bereit

Wie viele der Studierenden aber wurden übernommen? Es sei schwierig hier eindeutige Angaben zu machen, erklärt die TU Berlin. So seien 80 Stellen weggefallen und 50 neue geschaffen worden, die im Umfang stark variierten. Die neuen TVL-Stellen habe man öffentlich ausgeschrieben, sodass hier nun auch viele Personen von außerhalb der Studierendenschaft beschäftigt seien.

An der HU sieht es ähnlich aus. So habe man 136 SHK-Stellen stundenneutral in 68 TVL-Stellen umgewandelt, erklärt die Unileitung. Auch die HU hat nicht erhoben, wie viele der studierenden Hilfskräfte nun auf den veränderten Stellen sitzen. „Die Stellen waren ausschreibepflichtig und wurden an die besten Bewerber vergeben, teilweise wurden die Studierenden übernommen, teilweise aber auch nicht.“

Aus der FU heißt es, man habe seit 2018 etwa 50 Vollzeitstellen nach TV-L E 3 geschaffen, die bisher fast ausnahmslos mit Studierenden besetzt seien. Da diese oft von zwei bis vier Personen ausgefüllt würden, habe man die Anzahl von Beschäftigungsmöglichkeiten für Studierende insgesamt stabil halten können.

Günstig kommt die Unis die Umwandlung nicht. So verzeichnet beispielsweise die HU für das Jahr 2019 etwa 350.000 Euro Mehrausgaben. Im laufenden Jahr rechne man mit Zusatzkosten von etwa einer Millionen Euro. An der TU sind die Zahlen noch höher. Der Senat stellt den Hochschulen für 2020 und 2021 Mittel in Höhe von vier Millionen Euro zur Verfügung. Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach geht davon, dass sich die von den Hochschulen ermittelten Mehrkosten damit vollständig decken lassen.

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