Wissen : Tierische Diabetes-Therapie

Zellen vom Schwein lindern Zuckerkrankheit.

Für Typ-1-Diabetes gibt es bisher keine Heilung. Das Immunsystem zerstört nach und nach jene körpereigenen Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die für die Produktion des Hormons Insulin zuständig sind. Typ-1-Diabetiker müssen deshalb lebenslang Insulin spritzen. Bei Patienten, deren Blutzuckerspiegel auch mit Insulinspritzen nicht ausreichend kontrolliert werden kann, werden insulinproduzierende Zellen (Inselzellen) von Organspendern transplantiert. Das ist aber die Ausnahme, denn erstens fehlen Spenderorgane und zweitens muss das Immunsystem der Patienten lebenslang unterdrückt werden, damit es die fremden Zellen nicht zerstört.

Der Hormonexpertin Barbara Ludwig von der Technischen Universität Dresden und ihrem Team ist es jetzt gelungen, Inselzellen vom Schwein in drei Rhesusaffen zu verpflanzen, wie sie im Fachblatt „PNAS“ schreiben. Den Affen wurde dazu in einer Operation die Bauchspeicheldrüse entfernt und so ein künstlicher Diabetes herbeigeführt. Dann verpflanzten die Wissenschaftler die Schweine-Inselzellen in den Bauchraum der Affen.

Dem Problem, dass die transplantierten Zellen nicht überleben, weil das Immunsystem des Empfängers sie angreift, waren die Forscher bereits begegnet. Sie entwickelten eine Methode, die Inselzellen mit einer Kapsel vor solchen Attacken zu schützen. Diese wird mit etwa 200 000 Zellen bestückt.

Vor und nach der Operation bestimmten die Forscher regelmäßig den Blutzucker der Affen. Vor der Transplantation schwankten die Blutzuckerwerte und konnten nur durch Insulinspritzen reguliert werden. Nach dem Verpflanzen produzierten die eingesetzten Inselzellen sofort Insulin. Sechs Monate nach der Transplantation benötigten die Tiere täglich nur noch halb so viel zusätzliches Insulin wie vor dem Eingriff. Außerdem war der Blutzuckerwert stabiler. Die Affen erhielten zudem keine Medikamente, die das Immunsystem unterdrückten.

Sechs Monate später entfernten die Forscher die Kapsel wieder. Die Zellen im Inneren waren vollkommen intakt und auch im Gewebe der Tiere fanden sich keine Hinweise auf eine Entzündung. Die Hülle hatte ihre Aufgabe also erfüllt und verhindert, dass das Immunsystem der Affen die Schweinezellen angreift.

Die Kapsel ist jedoch ein Grund dafür, dass die Affen auch nach der Transplantation noch Insulinspritzen benötigten. Weil sie mit einer Membran überzogen ist, können die Zellen das Insulin und andere Botenstoffe nicht direkt in den Blutstrom abgeben, sondern sind auf die langsamere Diffusion angewiesen.

Wie ein menschlicher Organismus auf die Verpflanzung reagiert, muss noch ermittelt werden. Ludwig hofft, dass es bald so weit sein könnte. Schließlich zeige ihre Forschung, dass die Methode funktioniere. Langfristig könnten im Labor gezüchtete Inselzellen zum Einsatz kommen, aber auf kurze Sicht seien wohl Schweinezellen die wahrscheinlichere Variante. Florian Schumann

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