Turners Thesen : Das Dilemma mit Privathochschulen in Deutschland

Die Probleme der Jacobs University Bremen zeigen das Dilemma der Privathochschulen in Deutschland: Nur wenige haben eine dauerhafte Perspektive, meint unser Kolumnist

Die Jacobs Universität in Bremen (Archivbild).
Die Jacobs Universität in Bremen (Archivbild).Foto: Ingo Wagner/dpa

Jetzt hat es auch die Jacobs-Universität in Bremen erwischt: der Hauptsponsor, die Jacobs-Stiftung, zieht sich aus der Finanzierung zurück. Während auf der einen Seite mehr Studierwillige zu privaten Einrichtungen tendieren, wird deren finanzielle Basis immer brüchiger.

Dabei hat man der Jacobs University anfangs keine schlechte Prognose gestellt: ein plausibles Konzept und ein potenter Geldgeber schienen beste Voraussetzungen zu sein. 

Man war weniger großsprecherisch als anderswo

Im Gegensatz zu anderen Einrichtungen, war man auch weniger großsprecherisch was die eigenen Leistungen anging. Weder wollte man die Universität neu erfinden noch glaubte man, dass die überschaubare Neugründung beispielhaft für große Massenuniversitäten werden könnte. 

Kritik erntete man in Bremen vor allem, weil das finanzschwache Land immer wieder Löcher stopfen musste. Jetzt sucht man anstelle der abhandengekommenen privaten Stiftung einen anderen Finanzier. Wo aber soll jemand zu finden sein, der in der Größenordnung einspringt?

Das Dilemma privater Hochschulen

Im Grunde offenbart sich hier erneut das Dilemma privater Hochschulen in Deutschland. Manche nehmen den Mund bei der Gründung zu voll, wie etwa Witten-Herdecke, dessen Lautsprecher Konrad Schily meinte, es könnte mit ca. 1000 Studierenden und wenigen Fächern beispielhaft für die großen Massenuniversitäten sein. 

Mit dieser Selbstüberschätzung hat man der Idee der Privatuniversität einen Bärendienst erwiesen.

Meistens nur ein Fach

Meistens bieten die Privaten nur ein Fach an, gelegentlich sogar nur den Ausschnitt eines Faches, was besonders bei wirtschaftlich ausgerichteten Studiengängen auffällt.

 Dabei beschränkt sich die Offerte in der Regel auf die Lehre; von Forschung ist dann schon gar keine Rede mehr. Solche schmalbrüstigen Institutionen sollten besser als Institut, auf keinen Fall als Universität firmieren. 

Ein Porträtfoto von George Turner.
Unser Kolumnist George Turner, Berliner Wissenschaftssenator a.D.Foto: Mike Wolff

Eine glatte Fehlleistung mit gefährlicher Nähe zur Hochstapelei hat man sich seinerzeit mit der International University in Bruchsal geleistet. So ist die deutsche Privathochschulszene nicht arm an hochschulpolitischen Eintagsfliegen.

Überlebenschancen haben private Hochschulen nur, wenn sie mit einem dauerhaft tragfähigen Finanzkonzept starten. Stiftungen sind die idealen Träger beziehungsweise Garanten dafür. Eine institutionelle Verbindung zu einem staatlich finanzierten Forschungsinstitut kann den Mangel eigener Forschungsaktivitäten ausgleichen.

Als gesichert können nur wenige gelten

Um die als gesichert erscheinenden Einrichtungen aufzuzählen, bedarf es noch nicht einmal aller Finger einer Hand: die WHU Otto Beisheim School of Management in Koblenz, die Zeppelin-Universität in Friedrichshafen, das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam, das ESMT in Berlin und die Bucerius Law School in Hamburg. Schade um Bremen.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-mail senden: george.turner@t-online.de

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