Turners Thesen : Stoppt die Exzellenzstrategie

Die 57 Forschungscluster stehen für die Stärken deutscher Universitäten. Jetzt erneut Exzellenzuniversitäten zu küren, ist überflüssig, meint unser Kolumnist.

Unser Kolumnist George Turner.
Unser Kolumnist George Turner, Berliner Wissenschaftssenator a.D..Foto: Mike Wolff

Bei der Entscheidung über die zu fördernden Cluster im Rahmen der Exzellenzstrategie hat die Bundesministerin die Zahl der positiv zu bescheidenden Anträge von 46 auf 57 erhöht. Das konnte sie nur, weil sie sich offensichtlich in einer starken politischen Position befindet. Diese würde es ihr ermöglichen, erneut ein Machtwort zu sprechen und den Wettbewerb zu stoppen.

Im Endspurt, den Titel „Exzellenzuniversität“ zu erlangen, befinden sich 17 Universitäten und zwei Verbünde. Im Juli 2019 wird entschieden, welche elf die begehrte Dekoration tragen dürfen.

Zu geringe Basis, um ganze Institution zu beurteilen

Es ist viel erreicht worden: Die Universitäten haben in bemerkenswerter Kraftanstrengung über ihre eigenen Stärken und Schwächen nachgedacht und sich bei der Antragstellung auf tatsächlich oder vermeintlich besonders gut aufgestellte Bereiche konzentriert. Mit der Bewilligung der Anträge fließt zusätzliches Geld in die Forschung. Damit können Schwerpunkte noch besser sichtbar gemacht werden. International gilt ohnehin, dass die Fachvertreter sehr genau wissen, an welchen Plätzen hervorragende Kollegen/innen tätig sind.

Wenn ein Urteil über eine ganze Institution abgegeben werden soll, damit sie als exzellent bezeichnet wird, ist es als Entscheidungsbasis zu schmal, wenn nur zwei beziehungsweise drei besonders ausgewiesene Bereiche Voraussetzung sind. Jedes Ranking würde „in der Luft zerrissen“, wenn es so wenig Größe, Unterschiedlichkeit und Fächervielfalt berücksichtigte. Niemand wird behaupten, an so ausgewählten elf Universitäten seien alle Disziplinen „Spitze“. Ebenso wird niemand bestreiten, dass auch an Universitäten, die das Etikett „exzellent“ nicht tragen, zum Teil weltweit anerkannte Wissenschaftler tätig sind, die zur Elite ihres jeweiligen Fachs gehören. Solche Einrichtungen geraten ins Abseits, weil sie nicht zum Kreis der Erlauchten gehören.

Politische Kraft, die dem Verfahren Einhalt gebietet

Bedenkt man, dass die Entscheidungen für mindestens sieben Jahre gelten, wobei viel schon jetzt dafür spricht, dass die Förderung in den meisten Fällen noch einmal um dieselbe Zeit verlängert werden wird, so werden die Weichen mit der anstehenden Krönung von elf auf Dauer gestellt. Man wünschte sich eine politische Kraft, die dem Verfahren Einhalt gebietet. Noch ist Zeit, eine sich abzeichnende Fehlentscheidung aufzuhalten. Frau Bundesministerin, übernehmen Sie.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail senden: george.turner@t-online.de

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