• „Umfassendste Studie aller Zeiten“: Nahezu jede Körperzelle könnte durch Luftverschmutzung geschädigt werden

„Umfassendste Studie aller Zeiten“ : Nahezu jede Körperzelle könnte durch Luftverschmutzung geschädigt werden

Einer neuen Harvard-Studie zufolge sind die Gesundheitsschäden durch Luftverschmutzung weitaus größer als angenommen. Besonders ältere Menschen sind betroffen.

Paul Gäbler
Sogar an Tagen mit durchschnittlicher Luftqualität konnte eine Erhöhung der Krankheitsrate festgestellt werden.
Sogar an Tagen mit durchschnittlicher Luftqualität konnte eine Erhöhung der Krankheitsrate festgestellt werden.Foto: imago/Future Image

Erhöhte Luftverschmutzung führt zu Gesundheitsschäden – soweit, so klar. Nicht so genau wussten Forscher bisher allerdings, wie schädlich welche Konzentration an Schadstoffen in der Luft ist und welche Gesundheitsschäden genau das hervorrufen kann. Eine Studie der Harvard-Universität hat nun einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Luftqualität und der Zunahme von Krankheitsbildern wie Herzinsuffizienz und Harnwegsinfektionen festgestellt.

Luftverschmutzung wurde bereits mit einer Reihe von Erkrankungen wie Schlaganfällen, Hirntumore bis hin zu Fehlgeburten und psychischen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht. Die Studie geht jedoch davon aus, dass die Auswirkungen weitaus größer sein könnten als bisher angenommen und nahezu jede Zelle des Körpers von verschmutzter Luft betroffen sein könnte.

Wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet, haben die Autoren der Studie mehr als 95 Millionen Versicherungsfälle analysiert, die zwischen 2000 und 2012 als stationäre Krankenhauspatienten in den USA im Alter von 65 Jahren oder älter behandelt wurden. Anschließend verglichen die Forscher die Ergebnisse mit Luftqualitätsdaten an den Wohnorten der Patienten. Ebenso wurden Faktoren wie Alter, sozioökonomischer Status und auch Fettleibigkeit berücksichtigt.

Die Ergebnisse stützen frühere Studien, die einen Zusammenhang zwischen schmutziger Luft und Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, Lungenentzündung und Herzinfarkt aufzeigen. Selbst leichte Verschlechterungen der Luftqualität von einem Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter haben somit einen nachweisbaren Effekt. Schon mit einem zusätzlichen Mikrogramm Feinstaub erhöht sich für Menschen über 68 die Wahrscheinlichkeit um 0,14 Prozent, dass sie innerhalb der nächsten Tage mit Herzproblemem ins Krankenhaus eingeliefert werden müssten, so die Autoren der Studie.

Der aktuelle Grenzwert für Feinstaub liegt bei 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Dieser Wert wird in deutschen Innenstädten teilweise deutlich überschritten.

Experten wollen strengere WHO-Richtlinien für Luftqualität

Auch andere Krankheitsbilder wie Parkinson, Septikämie und Harnwegsinfektionen können durch eine erhöhte Luftverschmutzung verstärkt werden, so die Forscher. Für das letztgenannte Krankheitsbild konnte nachgewiesen werden, dass eine leichte Zunahme der Feinstaubbelastung dazu führe, dass 39 ältere Menschen pro Milliarde am nächsten Tag ins Krankenhaus eingeliefert werden müssten. Sogar an Tagen, an denen die Luftqualität innerhalb der von der WHO festgelegten Grenzen lag, konnten die Forscher einen Zusammenhang zwischen steigenden Krankenhauseinweisungen und höherer Luftverschmutzung nachweisen.

Während die Studie nicht nachweisen kann, dass Luftverschmutzung die Krankheiten auch verursacht, fordert das Team nachdrücklich eine Überprüfung der Luftverschmutzungsrichtlinien.

Ioannis Bakolis, Dozent für Biostatistik und Epidemiologie vom King's College London, unterstützte die Forderung der Forscher: „Diese Richtlinien müssen überarbeitet werden, da nach den Ergebnissen der Studie sogar neun Prozent der Bevölkerung, die innerhalb in WHO-Staaten leben, erheblich von Luftverschmutzung und den damit verbundenen Auswirkungen betroffen sein können.“, sagte er dem Guardian.

Die Analyse des Teams zeigt außerdem, dass die Luftverschmutzung leider nicht nur zu Krankenhausaufenthalten führt: ein kurzfristiger Anstieg der Feinstaubbelastung sei mit einem durchschnittlichen jährlichen Anstieg von 634 Todesfällen in Zusammenhang zu bringen.

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