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Umstrittene Ehrenmedaille : FU schafft Auszeichnung für Politiker ab

Die FU will ihre Ehrenmedaille für politische Persönlichkeiten nicht mehr vergeben. Um den umstrittensten Geehrten gibt es indes weiter Streit.

Die Freie Universität Berlin.
Die Freie Universität Berlin.Foto: Thilo Rückeis

Für "herausragende Persönlichkeiten der internationalen Politik" hatte die Freie Universität bisher eine eigene Auszeichnung: Diese Personen konnte im Rahmen von Staatsbesuchen die FU-Ehrenmedaille in Gold überreicht werden. Doch mit dieser Praxis ist jetzt Schluss: Das FU-Präsidium hat beschlossen, die Medaille endgültig nicht mehr zu vergeben, nachdem es bereits seit längerem keine neuen Preisträger mehr gab. Allerdings ist immer noch nicht abschließend geklärt, was mit der Medaille für Scheich Maktum von Dubai passiert, die an der FU besonders umstritten war.

Geehrt wurden in den Jahren 2000 bis 2008 der inzwischen verstorbene koreanische Präsident und Friedensnobelpreisträger Kim Dae-jung, die damalige lettische Staatspräsidentin Vaira Vike-Freiberger, Suzanne Mubarak, die Ehefrau des ägyptischen Ex-Präsidenten, und eben Scheich Al-Maktum von Dubai.

Um letzteren kam es im Jahr 2011 zum Eklat: Der Akademische Senat entzog dem Scheich die Medaille, unter anderem weil in den Emiraten tausende Kinder als Jockeys für Pferde und Kamele versklavt wurden, manche dabei zu Tode kamen. Der Scheich war 2008 für Verdienste um "herausragende Wissenschaftsförderung in der arabischen Welt" geehrt worden, ein Video von der Übergabe steht bis heute auf der FU-Webseite (das Video ist hier zu sehen). Allerdings machte das damalige Präsidium um den Germanisten Peter-André Alt die Entscheidung wieder rückgängig: Der AS habe gar keine Zuständigkeit für die Medaille.

Die aktuellen Vorgänge rund um die Ehrenmedaille gehen aus einem Brief des Informatikers Raúl Rojas an das Rechtsamt der FU hervor, der dem Tagesspiegel vorliegt. Rojas hatte im Jahr 2011 im AS den Antrag zur Medaillenentziehung gestellt.

Der Scheich taucht nicht mehr auf der Liste der Geehrten auf

Erst in diesem Jahr wurde Rojas eher zufällig darauf aufmerksam, dass der Scheich trotz der früheren Weigerung des Präsidiums, die Medaille zu entziehen, auf der FU-Webseite nicht mehr auf der Liste der Geehrten auftaucht.

Rojas fragte beim Rechtsamt nach, ob dem Scheich jetzt tatsächlich nach Jahren doch die Medaille aberkannt wurde. Er bekam keine eindeutige Auskunft: Ihm wurde lediglich mitgeteilt, das Präsidium habe im August 2019 beschlossen, dass der Scheich "nicht mehr auf der Liste der Träger der Ehrenmedaille geführt wird" – was aber offenlässt, ob ihm die Medaille tatsächlich auch aberkannt wurde. In dem Zusammenhang wurde auch bekannt, dass der aktuelle FU-Präsident Günter M. Ziegler die Medaille überhaupt nicht mehr vergeben möchte.

Ein Professor fordert von der FU, Farbe zu bekennen

"Ich finde es ja gut, dass die Medaille abgeschafft wird. Sie wurde nur genutzt, um Politiker zu umschmeicheln, und leider auch schlechte", sagt Rojas. Den Umgang mit dem Scheich findet der Informatiker aber verlogen. Ihn nur nicht mehr zu führen, sei „Vergangenheitsbewältigung durch Löschen": "Es geht nicht, den Scheich einfach durch die Hintertür verschwinden zu lassen."

Rojas hat im historischen Repository des Internets, einem Web-Archiv, recherchiert: Demnach stand der Name des Scheichs im April 2014 noch auf der Liste der Geehrten, im August 2014 war er dann gelöscht.

Rojas fordert nun, dass die FU Farbe bekennt: "Entweder ist der Scheich Medaillenträger oder nicht. Steht nicht im Motto der FU "Veritas" an erster Stelle?" Auf eine Anfrage des Tagesspiegels zu dem Fall ließ die FU offen, ob der Scheich noch Medaillenträger ist – und beantwortete auch nicht, was das Präsidium dazu bewog, die Medaille nicht mehr vergeben zu wollen.

Dass das Präsidium aus der Sache offenbar keine Staatsaffäre mehr machen möchte, zeigte sich am Mittwochnachmittag im Akademischen Senat der FU. Auf die Frage, ob der Scheich noch Medaillenträger sei, wich Präsident Ziegler auch dort aus. Nach allem, was ihm über den Scheich bekannt sei, habe wohl niemand Sympathien für dessen Verhalten.

Bei der Medaille handele es sich aber auch nicht um eine Auszeichnung wie eine Ehrenpromotion oder eine Ehrenmitgliedschaft, sondern nur um "eine protokollarische Geste in der Größe eines Gastgeschenkes", sagte Ziegler. Nach seinem Empfinden gebe es "den Status Medaillenträger gar nicht", dem Scheich sei die Medaille lediglich "ausgehändigt" worden. Das Präsidium könne daher formal nicht mehr machen, als ihn nicht mehr auf der Webseite zu führen.

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