Umweltschutz : Tödliche Abgase

Überblick über internationale Forschung zeigt: Feinstaub löst Asthma, Bluthochdruck und andere Erkrankungen aus - und tausende vorzeitige Todesfälle.

Abgase tragen zum Entstehen diverser Krankheiten bei und erhöhen infolgedessen die Zahl unnötiger, vorzeitiger Todesfälle.
Abgase tragen zum Entstehen diverser Krankheiten bei und erhöhen infolgedessen die Zahl unnötiger, vorzeitiger Todesfälle.Foto: Marcus Führer/dpa

Abgase durch den Straßenverkehr kosten weltweit Millionen Menschen das Leben und verursachen zahlreiche schwere Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenkrebs. Das war die wichtigste Botschaft eines umfassenden Überblicks über die internationale Forschung zu dem Thema, den Barbara Hoffmann, Professorin für Umweltmedizin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, bei der Deutschen Umwelthilfe gegeben hat.

4,2 Millionen vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub

Die Weltgesundheitsorganisation rechnet danach mit rund 4,2 Millionen vorzeitigen Todesfällen durch Feinstaub aus dem Verkehr. Die Europäische Umweltagentur beziffert die Zahl dieser Fälle allein für Deutschland auf 66.080; hinzu kommen 12.860 vorzeitig gestorbene Menschen durch Stickoxide.

Hoffmann sagte, nach bisherigen medizinischen Erkenntnissen hätten folgende Krankheiten einen kausalen Zusammenhang zu Verkehrsabgasen: Lungenkrebs, entzündliche Prozesse in der Lunge, Asthma, Diabetes, Bluthochdruck, Thrombose, Schlaganfall, Herzinfarkt. Auch die Zahl der Frühgeburten nehme zu, das durchschnittliche Geburtsgewicht der Neugeborenen sei geringer.

Nach Darstellung der Medizinerin führen Entzündungen in den Bronchien in vielen Fällen zu Blutverklumpungen mit den verschiedensten negativen Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch Insulinresistenz, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen träten vermehrt auf.

Spaziergang durch die Oxford-Street reduziert die Lungenfunktion

Hoffmann zitierte eine Studie britischer Wissenschaftler (McCreanor et al.). Diese hatten eine größere Zahl von Probanden zwei Stunden durch die Londoner Oxford Street mit ihren vielen Dieselbussen geschickt und zum Vergleich durch den Hyde Park. Das Ergebnis: Nach dem ausgedehnten Spaziergang durch die Oxford Street war die Lungenfunktion rund sechs Prozent schlechter.

In einer anderen Studie stellten die Forscher fest, dass das Lungenwachstum zwischen dem zehnten und achtzehnten Lebensjahr deutlich schlechter ist, wenn die Kinder und Jugendlichen in Gegenden mit starker Luftverschmutzung aufwachsen.

In der sogenannten Escape-Studie in mehreren Großstädten kam heraus, dass eine starke Belastung durch Feinstaub die Zahl der Lungenkrebsfälle signifikant erhöht.

Mit der Feinstaubkonzentration steigt in New York auch die Zahl der Herzinfarkte

Und in New York stellten Forscher fest, dass es sehr schnell mehr Herzinfarkte gibt, wenn die Feinstaubkonzentration in der Luft steigt. Auch zwischen Schlaganfällen und der Stickoxid-Belastung gibt es einen eindeutigen Zusammenhang.

Die Heinz-Nixdorf-Recall-Studie untersucht seit dem Jahr 2000 durchgehend bis heute, wie die Zusammenhänge zwischen Abgasen und Gesundheit sind. Eine wichtige Erkenntnis, die Barbara Hoffmann vortrug: Je näher Menschen an einer Hauptverkehrsstraße wohnen, desto stärker sind ihre Herzkranzgefäße verkalkt. „Es gibt also genug gute Gründe für die Politik, gegen die Luftverschmutzung entschiedener als bisher vorzugehen“, war das Fazit der Professorin.

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