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UN-Artenschutzkonferenz : Verkauf afrikanischer Elefanten an Zoos und Zirkusse soll gestoppt werden

Bei der Artenschutzkonferenz zeichnet sich ein historisches Verbot des Handels mit wilden Elefanten ab. Doch die EU könnte den Beschluss noch kippen.

Kinder sehen sich in Kairo einen Elefanten in einem Zoo an.
Kinder sehen sich in Kairo einen Elefanten in einem Zoo an.Foto: Gehad Hamdy/dpa

Wildlebende afrikanische Elefanten aus mehreren Ländern im südlichen Afrika sollen künftig nicht mehr an Zoos und Zirkusse verkauft werden dürfen. Ein entsprechender Antrag afrikanischer Staaten ist bei der Konferenz zum Washingtoner Artenschutzabkommen (Cites) in Genf überraschend angenommen worden. Die Tiere dürfen demnach nur noch an Artenschutzprojekte in ihrem natürlichen Lebensraum - also Afrika - abgegeben werden.

Verkauf nur noch an Artenschutzzentren

Mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit stimmten die Delegierten für eine Begrenzung des Verkaufs von in freier Wildbahn lebenden afrikanischen Elefanten zu Erhaltungszwecken. Nimmt das Plenum die Entscheidung bei der Abschlusssitzung am 28. August an, dürfen in der Wildnis eingefangene Elefanten künftig nur noch an Artenschutzzentren verkauft werden, in denen die Tiere in ihrer "natürlichen Umgebung" leben – also in Afrika.

Der bisherigen Praxis, vom Aussterben bedrohte afrikanische Elefanten in der Wildnis einzufangen und an Zoos oder Vergnügungsparks zu verkaufen, wird mit der Entscheidung voraussichtlich ein Ende gesetzt. "Diese Entscheidung wird unzählige Elefanten davor schützen, ihren Familien in der Wildnis entrissen zu werden und den Rest ihres Lebens in mangelhaft ausgestatteten Zoos zu verbringen", teilte die Wildtier-Expertin Iris Ho von der Tierschutzorganisation Humane Society International (HSI) in Washington mit.

Daniela Freyer von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife sprach von einer bahnbrechenden Entscheidung. „Der Fang wilder Elefantenbabys aus ihren Herden ist traumatisch und völlig inakzeptabel“, sagte sie am Montag in Genf. Demnach verkauft vor allem Simbabwe Elefantenbabys unter anderem nach Asien. Sie erzielten Preise von rund 30.000 Euro.

Die Leiterin des Referats für Wildtiere der Organisation World Animal Protection, Cassandra Koenen, bezeichnete die Cites-Vorentscheidung als "riesigen Schritt in die richtige Richtung". Die Konferenz habe damit in aller Deutlichkeit bestätigt, dass "Elefanten nicht in die Unterhaltungsindustrie gehören".

Allerdings ist die Entscheidung noch nicht endgültig. Die Europäische Union hatte sich gegen den Antrag ausgesprochen. Der Antrag schließe es kategorisch aus, Elefanten außerhalb ihres natürlichen Lebensraums zu bringen - auch, wenn dies aus Schutzgründen sinnvoll wäre, heißt es in dem EU-Ratsbeschluss zur EU-Haltung bei der Cites-Konferenz von März. Entsprechend äußerte sich eine Vertreterin der EU-Kommission in der Sitzung in Genf nach Angaben von Teilnehmern. Die EU sei gegen den Antrag, weil er zu restriktiv sei.

Die EU konnte aber aus technischen Gründen nicht abstimmen, weil noch nicht alle Mitglieder vor Ort und akkreditiert waren. Sie könnte im Plenum am Ende der Konferenz eine neue Abstimmung verlangen. Wenn sie dann dagegen stimmt, wäre die nötige Zweidrittel-Mehrheit für eine Umsetzung des Beschlusses in Gefahr.

Elefantenhandel im Süden Afrikas noch legal

In weiten Teilen Afrikas gilt bereits ein Handelsverbot für Elefanten. Im Süden Afrikas ist der Handel mit den vom Aussterben bedrohten Tieren bisher jedoch noch legal. Allein Simbabwe hat nach HSI-Angaben seit 2012 hundert Baby-Elefanten an chinesische Zoos verkauft.

Die Delegierten der 180 Cites-Vertragsstaaten beschäftigen sich seit Samstag mit der längsten Tagesordnung ihrer Geschichte. Auf der Agenda stehen unter anderem 56 Anträge zum Schutz von Nashörnern, Giraffen, Jaguaren und Haien.

Das Washingtoner Artenschutzabkommen wurde 1973 geschlossen und regelt den internationalen Handel mit Wildtieren und -pflanzen. Bei den regelmäßigen Vertragsstaatenkonferenzen werden die Listen der Arten, für die Handelsbeschränkungen gelten, angepasst. (AFP, dpa)

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