Unileitungen in Deutschland : Typischer Uni-Chef: Mann, 59, aus dem Westen

Eine Universität in Deutschland wird typischerweise von einem westdeutschen Mann Ende Fünfzig geführt. Das zeigt eine Analyse des CHE.

Kein Ostdeutscher führt eine der staatlichen Unis in Deutschland.
Kein Ostdeutscher führt eine der staatlichen Unis in Deutschland.Foto: imago/photothek

Keine einzige Universität in Deutschland wird von einer Person geleitet, die im Osten geboren wurde. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Typischerweise ist die Leitung einer Uni demnach ein Mann, im Westen geboren und im Schnitt 59 Jahre alt, heißt es in der Analyse, für die die Biografien von 81 Präsidenten und Präsidentinnen beziehungsweise Rektorinnen und Rektoren von staatlichen Universitäten ausgewertet wurden.

Alle sind im Westen geboren: „Dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung ist eine Universitätslandschaft ohne Top-Führungskräfte mit ostdeutschen Wurzeln schon bemerkenswert“, sagt dazu CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele. Vier Leitungen haben einen Geburtsort im Ausland, darunter auch Christian Thomsen, Präsident der TU Berlin, der in Bern geboren wurde. Dass es kaum Führungskräfte aus Ostdeutschland gibt, wird immer wieder auch in anderen Branchen offensichtlich.

77 Prozent der Unileitungen sind männlich

In den Uni-Leitungsämtern dominieren Männer. Ihr Anteil liegt bei 77 Prozent – und bis vor Kurzem war die Quote noch höher, denn jede vierte Präsidentin beziehungsweise Rektorin ist erst 2018 ins Amt gekommen. Die Frauen sind im Schnitt etwas jünger (57,8 Jahre) als die Männer (59,4 Jahre). Nur fünf sind unter 50 Jahre, der aktuell jüngste ist mit 43 Jahren Gerd Strohmeier von der TU Chemnitz. Insgesamt wünscht sich Ziegele bei den Leitungsämtern eine größere Heterogenität auf allen Ebenen: „Bei den studentischen Bildungsbiografien ist die Vielfalt auf dem Campus angekommen, warum nicht auch mehr Vielfalt in den Führungspositionen?“

Auffällig ist: Als Externe wurden nur 29 berufen, also 36 Prozent. Alle anderen waren bereits zuvor an ihrer Uni tätig. 43 Prozent waren auch Vize vor der Präsidentschaft. Im Schnitt sind die Unileitungen seit 2012 im Amt. Der Dienstälteste – Wolfgang Herrmann von der TU München – wird sein Amt nach dann 24 Jahren Ende September abgeben. Sein Nachfolger wird Thomas Hofmann – ebenfalls ein Mann aus dem Westen.

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