Verhaltensbiologie : Jagdgesetzgebung im Tierreich

Nicht nur Menschen gehen gemeinsam auf Pirsch, sondern auch einige Tierarten. Zoologen wissen jetzt, warum.

Reißend. Löwinnen jagen oft in Dreiergruppen. Zwei flinke Weibchen hetzen ein Beutetier, ein eher kräftiges greift als erstes zu.
Reißend. Löwinnen jagen oft in Dreiergruppen. Zwei flinke Weibchen hetzen ein Beutetier, ein eher kräftiges greift als erstes zu.Foto: mauritius images

Tiere leben häufig in Gruppen. Das Niveau ihrer Kooperation kann aber sehr unterschiedlich ausfallen. Fischschwärme und Antilopenherden etwa sind unter anderem zusammen unterwegs, weil die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Räubers zu werden, für Individuen dann geringer ist, als wenn sie ihm als Einzelgänger begegnen würden. Bei Vögeln spielt auch der Vorteil eine Rolle, dass es sich im Schwarm bei all dem entstehenden Windschatten ökonomischer fliegt.

Zusammen heißt nicht unbedingt gemeinsam

Zu den komplexesten Varianten von Gruppenverhalten gehört die gemeinsame Jagd. Vergleichsweise wenige Tierarten betreiben sie. Stephen Lang und Damien Farine listen in der Zeitschrift „Nature Ecology and Evolution“ aber so unterschiedliche Spezies wie Ameisen, Kalmare und Grizzly-Bären auf. Den Zoologen vom Radolfzeller Max-Planck-Institut für Ornithologie und der Uni Konstanz ging es darum, herauszufinden, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit solche Verhaltensweisen entstehen können.

Dabei ist es wichtig zu bestimmen, ob Tiere, die gleichzeitig am gleichen Ort jagen, dies auch wirklich gemeinschaftlich tun, also kooperieren. Grizzly-Bären etwa versammeln sich an den Flüssen im Nordwesten Nord-Amerikas an bestimmten Stellen zu Hunderten, um Lachse aus dem Wasser zu fischen. „Dort jagt aber jeder Bär für sich, sein Erfolg oder Misserfolg beeinflusst das Jagdglück seines Nachbarn kaum“, sagt Stephen Lang. Ganz ähnlich ist es bei Schwalben an Orten mit vielen fliegenden Insekten. Auch Krokodile warten in Gruppen an Furten, an denen Huftiere den Fluss queren. Gemeinsam aber jagen auch sie eher nicht.

Nachdem sie knapp 90 Spezies verglichen hatten, fanden die Forscher fünf Grundvoraussetzungen für Gruppenjagden, die etwa Wölfen, Löwen, aber auch amerikanischen Wüstenbussarden oder Treiberameisen gemein sind. Dazu gehört das dauernde Leben in Gruppen. Allerdings sind Mitglieder einiger dieser Arten durchaus in der Lage, auch alleine zu jagen. Typisch ist dies für junge Wölfe oder ausgewachsene Löwen-Männchen.

Jage und teile

Weitere Charakteristika sind Kommunikation während der gemeinsamen Jagd und die Spezialisierung auf bestimmte Rollen. So jagt ein Rudel weiblicher Löwen normalerweise mit einer einfachen Strategie: Eine eher kräftig gebaute Löwin lauert versteckt in der Mitte, während schlankere Kolleginnen sich zunächst von beiden Flanken anschleichen und bald in schneller Jagd ihrem Opfer hinterherhetzen. Beide hätten ohne Hilfe schlechte Karten, weil die Antilopen einfach schneller sind. Doch die kräftige Löwin beobachtet ihre Kolleginnen genau dabei, wie sie die Beute auf sie zu treiben. Kommt die fliehende Antilope in Reichweite, schlägt die Zentrumslöwin zu und braucht dazu auch kein großes Sprintvermögen, sondern vor allem Kraft. Mit jeder neuen Jagd wachsen die Spezialisten hier auch besser in ihre Rollen hinein.

Menschen, die gemeinsam jagen, erfüllen diese drei Kriterien ebenfalls. Das gilt für eine Treibjagd im Sauerland ebenso wie für die Netzjagd zentralafrikanischer Pygmäen, bei der eine Gruppe Treiber Beutetiere auf eine Falle zu scheucht. Punkt vier ist ebenfalls fast immer erfüllt: Die Beute wird nach relativ festen Regeln einigermaßen gerecht untereinander und mit anderen Mitgliedern der Gruppe geteilt. Punkt fünf gilt auch universell – außer für die Hobby-Treibjäger, denn sie müssten auch ohne Beute abends sicher nicht hungern: Eine erfolgreiche Gruppenjagd verbessert im Vergleich zur Solo-Pirsch die Chance des Individuums, zu überleben und sich fortzupflanzen.

Ein Team aus Barsch und Muräne

Aus diesem Grund schließen sich wahrscheinlich immer wieder auch Tiere verschiedener Arten zu Gruppenjagden zusammen. Zackenbarsche etwa jagen ihre Beute in Spalten hinein, aus denen sie schlecht entkommen können. Riesenmuränen lauern in genau solchen Spalten gut verborgen auf Beute. Arbeiten beide Arten zusammen, scheuchen sie sich gegenseitig ihre Beute zu.

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