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Visumsvergabe in deutschen Botschaften : Lange Wartezeiten für internationale Studierende

Studierende aus dem Nicht-EU-Ausland, die ein Visum für Deutschland brauchen, werden weiterhin abgeschreckt - durch überlange Wartezeiten in vielen Botschaften.

Amory Burchard
Studierende feiern beim International Day an einer Universität.
Grund zum Feiern - wenn man es an eine deutsche Uni geschafft hat. International Day an der Viadrina in Frankfurt (Oder).Foto:Patrick Pleul/picture alliance/dpa

Der neue Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes appelliert, die Visaanträge internationaler Studierender und von Gastwissenschaftlern nach Möglichkeit zügig zu bearbeiten. Im Interesse des Wissenschaftsstandorts Deutschland müsse dafür gesorgt werden, in den deutschen Botschaften „angemessene Ressourcen dafür bereitzustellen“, sagte DAAD-Chef Joybrato Mukherjee, der seit Anfang Januar im Amt ist, am Donnerstag dem Tagesspiegel.

Dies sei unerlässlich, um talentierte Menschen aus dem Ausland für Deutschland zu gewinnen. „Ich weiß aber auch, dass das Auswärtige Amt genau dies im Blick hat“, fügte Mukherjee hinzu. Zugleich sei es verständlich, dass die Botschaften „Visaanträge vor dem Hintergrund der weltpolitischen Lage sorgfältig prüfen“.

Der Hintergrund von Mukherjees Appell: Studierende und Forschende aus dem Ausland drohen viel zu oft an der schleppenden Visumsvergabe in den deutschen Botschaft zu scheitern. Das zeigt jetzt erneut eine Anfrage der Grünen im Bundestag an das Bundesforschungsministerium, über die am Donnerstag zuerst die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtete. Zur Ausgangslage gehört dabei, dass nach einer Studie des Stifterverbands 38 Prozent der Studierenden aus Nicht-EU-Ländern erst nach Semesterbeginn in Deutschland einreisen können.

In vielen Ländern müssen die Studenten Wochen, Monate oder gar länger als ein Jahr warten, bis sie einen Termin an der deutschen Botschaft für einen Visumsantrag erhalten. An 24 Botschaften und anderen Auslandsvertretungen beträgt die Wartezeit demnach mehr als acht Wochen, in sieben Vertretungen ein ganzes Jahr oder noch länger. Betroffen sind Länder wie Indien, Marokko und Kamerun, wie aus der Antwort auf die Grünen-Anfrage hervorgeht.

Auswärtiges Amt versprach, Wartezeiten zu reduzieren

Nach der 2018 veröffentlichten Statistik hatten ausländische Studierende nur in Irans Hauptstadt Teheran derart lange warten müssen, um ein Visum beantragen zu können, zweieinhalb Jahre betrug die Wartezeit damals für diese Gruppe. Mit Ausnahme der deutschen Botschaften in Ägypten, Tadschikistan und Usbekistan haben sich zuletzt an allen Vertretungen mit langen Fristen die Wartezeiten noch ausgeweitet.

Dabei hatte das Auswärtige Amt 2018 auf Anfrage des Tagesspiegels erklärt, in Botschaften, in denen sich die Probleme häuften, würde die Visabearbeitung personell verstärkt und weitere organisatorische Maßnahmen ergriffen. Man wolle „die Wartezeiten an den betroffenen Auslandsvertretungen“ wieder reduzieren.

Jetzt heißt es in der Antwort des Bundesforschungsministeriums, „angesichts der stark gestiegenen Visanachfrage“ seien an die Visastellen in Bangalore, Kairo, Neu-Delhi, Manila, Rabat und Taschkent zusätzliche Visumsentscheider entsandt und zusätzliche lokale Kräfte eingestellt worden. Auch die Botschaften in Islamabad und Duschanbe seien entsprechend verstärkt worden. Teilweise habe die Wartezeit durch die Priorisierung der Terminvergabe an Doktoranden, Stipendiaten und Masterstudierende reduziert werden können. Studierende bei der Visumsvergabe generell zu bevorzugen, sei aus „Gründen der Gleichbehandlung“ jedoch nicht möglich.

Trotz der mancherorts erfolgten Aufstockung des Personals hätten die Wartezeiten weiter zugenommen und seien „vielerorts noch schlimmer als vor einem Jahr“, betont Kai Gehring, der forschungs- und hochschulpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion. „Für viele platzen damit längst zugesagte Stipendien – das sind skandalöse Zustände.“ Vielmonatige Visa-Wartezeiten seien unzumutbar, sie wirken „abschreckend und demotivierend für internationale Talente“. (mit AFP)

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