Wie eine Gewehrkugel : Zaubernuss schießt ihre Samen bis zu 18 Meter weit

Mit über 40 Kilometern pro Stunde fliegen die Samen der Chinesischen Zaubernuss. Freiburger Forscher haben jetzt den Mechanismus dahinter entschlüsselt.

Aus ihren Kapseln kann die Chinesischen Zaubernuss ihre Samen wie Geschoss-Kugeln in die Gegend katapultieren.
Aus ihren Kapseln kann die Chinesischen Zaubernuss ihre Samen wie Geschoss-Kugeln in die Gegend katapultieren.Foto: Patrick Seeger/dpa

Die Samen der Chinesischen Zaubernuss fliegen ähnlich wie Gewehrkugeln durch die Gegend. Das schreiben Forscher der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im „Journal of the Royal Society Interface“.

Die Arbeitsgruppe um Hauptautor Simon Poppinga widmete sich der Pflanze und dem Verbreitungsmechanismus ihrer Samen aufgrund eines Zufalls. Die Chinesische Zaubernuss, die in gemäßigten Breiten wegen ihrer im Winter duftenden gelben Blüten als Zierpflanze in Parks und Gärten verwendet wird, gebe es auch im Botanischen Garten der Universität Freiburg. Als ein Zweig mit Früchten in einem Büro der Uni stand, habe es regelmäßig geknallt und Samen seien durch die Luft geflogen. „Diesem Phänomen wollten wir auf die Spur kommen“, sagt Poppinga.

Rotation der Samen stabilisiert die Flugbahn

Die Nachforschungen ergaben, dass das Saatgut eine maximale Geschwindigkeit von 12,3 Meter pro Sekunde erreicht, umgerechnet 44,3 Kilometer pro Stunde. Bei optimaler Flugbahn werden die Samen bis zu 18 Meter weit geschleudert, wobei es mit deutlich mehr als 20.000 Umdrehungen pro Minute rotiert. So werde der Flug der Samen stabilisiert und eine effektive Ausbreitung erleichtert.

Beliebte Zierpflanze, weil die chinesische Zaubernuss auch im Winter blüht.
Beliebte Zierpflanze, weil die chinesische Zaubernuss auch im Winter blüht.Foto: Holger Hollemann/dpa


Die Untersuchung belege erstmals detailliert, wie die Chinesische Zaubernuss sich verbreitet, sagt Poppinga. Im Gegensatz etwa zum Springkraut würden die Samen nicht durch eine Explosion in die Umgebung geworfen. Bei der chinesischen Zaubernuss seien die Samen von einer holzigen Kapsel umgeben. Diese trockne mit der Zeit aus, schrumpfe und verforme sich. „Dadurch entstehen ein großer Druck auf die Samen sowie eine Auswurfmechanik, durch die Samen mit enormer Wucht in die Luft geschleudert werden“, sagt Poppinga. „Die Früchte der Pflanze wirken wie trocknende Quetschkatapulte, die ihre Samen mehrere Meter entfernt ausstoßen.“ Das erleichtere die effektive Freisetzung des Saatguts.
Die Studie liefere die Grundlage für weitere Untersuchungen, sagte Mitautor Thomas Speck. Die Mechanik der Pflanze, die für den Katapultwurf der Samen sorge, könne technischen Entwicklungen ein Vorbild sein. (dpa)

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