• Wirbel um staubfreien Asteroiden: Entstand Ryugu aus der Kollision von zwei Himmelskörpern?

Wirbel um staubfreien Asteroiden : Entstand Ryugu aus der Kollision von zwei Himmelskörpern?

Vor ein paar Monaten knipste das Landemodul Mascot Bilder vom Asteroiden Ryugu. Jetzt haben Forscher sie ausgewertet und erstaunliche Besonderheiten entdeckt

Ryugu besteht offenbar aus zwei verschiedenen Gesteinsarten. Offen ist, ob sie von einem Zusammenprall oder inneren Aktivitäten des Asteroiden stammen.
Ryugu besteht offenbar aus zwei verschiedenen Gesteinsarten. Offen ist, ob sie von einem Zusammenprall oder inneren Aktivitäten...Foto: AFP PHOTO / Jaumann et. al., Science 2019

Der Asteroid Ryugu besteht aus zwei unterschiedlichen Gesteinsarten und ist überraschend staubfrei. Das zeigen Aufnahmen des deutsch-französischen Landemoduls „Mascot“, das die japanische Raumsonde „Hayabusa 2“ im vergangenen Oktober auf dem kosmischen Geröllhaufen abgesetzt hat. Aus der Auswertung der Mascot-Bilder, die ein Team um Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im US-Fachblatt „Science“ vorstellt, ergeben sich neue Hinweise auf die Entstehung des Himmelskörpers.

Ein Relikt aus der Frühzeit des Sonnensystems

Ryugu (japanisch für „Drachenpalast“) ist ein tiefschwarzer, loser Gesteinshaufen, der an sehr urtümliche, kohlenstoffhaltige Meteoriten aus der Frühzeit unseres Sonnensystems erinnert. Er reflektiert nur rund 4,5 Prozent des einfallenden Sonnenlichts, vergleichbar mit Holzkohle, und gehört damit nach DLR-Angaben zu den dunkelsten Himmelskörpern in unserem System. Auf den Mascot-Aufnahmen konnten die Forscher zwei verschiedene Gesteinsarten identifizieren: Hellere Blöcke mit glatten Kanten und Flächen und dunklere, teilweise krümelige mit einer blumenkohlartigen Oberfläche.

Die Beobachtung lege zwei alternative Entstehungsszenarien für den Asteroiden nahe: „Zum einen könnte Ryugu nach der Kollision zweier Körper aus unterschiedlichem Material entstanden sein“, erläutert Jaumann in einer Mitteilung seines Forschungszentrums. Die Trümmer könnten sich dann gemischt und durch die Schwerkraft zu einem neuen Himmelskörper angesammelt haben. „Oder aber Ryugu ist das Überbleibsel eines einzelnen Körpers, in dem es im Inneren Zonen verschiedener Temperatur- und Druckbedingungen gab und so dort zwei Typen von Gesteinen entstanden sind.“ Welches Szenario wahrscheinlicher ist, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Es gibt keinen Staub auf Ryugu

Überrascht hat die Planetenforscher die Abwesenheit von Staub auf der Oberfläche. Durch den fortwährenden Beschuss mit Mikrometeoriten sollte der Asteroid eigentlich mit Staub bedeckt sein. „Die ganze Oberfläche von Ryugu ist von Gesteinsbrocken übersät, aber nirgendwo haben wir Staub entdeckt“, berichtet Jaumann. „Er ist entweder in Hohlräumen verschwunden oder bei der geringen Schwerkraft von nur einem Sechzigtausendstel der Erde ins All entwichen. Dies gibt einen Hinweis auf komplexe geophysikalische Prozesse auf der Oberfläche dieses kleinen Asteroiden.“

Ryugu gehört zur Gruppe der erdnahen Asteroiden. Seine Bahn nähert sich der Erdbahn bis auf 100.000 Kilometer, wie das DLR erläutert. Allerdings komme Ryugu dabei nie in unmittelbare Nähe der Erde. Dennoch liefert seine Untersuchung auch hilfreiche Einblicke in potenziell gefährliche Asteroiden. „Würde Ryugu oder ein ähnlicher Asteroid der Erde einmal tatsächlich gefährlich nahe kommen und wir müssten versuchen, ihn abzulenken, dann sollten wir sehr vorsichtig mit ihm umgehen“, betont Jaumann. „Denn wenn wir zu fest auf ihn ‚draufhauen‘ zerfällt der ganze, eine halbe Milliarde Tonnen schwere Asteroid in unzählige Bruchstücke. Dann prasseln lauter tonnenschwere Einzelteile auf die Erde.“

Schon frühere Analysen hatten gezeigt, dass Ryugu sehr porös sein muss: Mit einer Dichte von 1,19 Gramm pro Kubikzentimeter wiegt er etwa so viel wie Plexiglas und nur rund ein Fünftel mehr als Wasser. Weitere Einblicke in die Natur des Asteroiden erhoffen sich die Forscher von Bodenproben, die Hayabusa 2 (japanisch für „Wanderfalke 2“) Ende nächsten Jahres auf der Erde abliefern soll. Till Mundzeck (dpa)

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