Wissenschaft und Religion : Wie vernünftig ist der Glaube?
Paul Nolte, Historiker an der FU Berlin und Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin.
Paul Nolte, Historiker an der FU Berlin und Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin.Foto: promo

Paul Nolte, Historiker, FU Berlin und Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin:

Die Spannung zwischen Glauben und Vernunft ist nicht erst ein Produkt der Aufklärung oder der modernen Naturwissenschaften. Sonst wären vor bald zweitausend Jahren die Wundergeschichten des Neuen Testaments nicht aufgeschrieben worden. Deshalb war es immer ein Missverständnis, Darwins Evolutionstheorie oder die Entdeckung ferner Galaxien würden Religion und Glauben widerlegen und damit letztlich zum Verschwinden bringen. Historisch ist das ein Denkprodukt des 19. Jahrhunderts, in dessen Bann noch heute ein Richard Dawkins ebenso steht wie bestimmte Berliner Atheistenmilieus. Geschichts- und Kulturwissenschaften zeigen immer wieder, dass Moderne und Religion, Glauben und Vernunft zusammengehören – in widerspruchsvollen Mischungen, natürlich. Auch hat sich der Glaube vernünftig gemacht, zum Beispiel in der Theologie als Wissenschaft und Kulturleistung. Ein Stück weit war das gewiss eine Anpassung. Sie hat aber zugleich die Frage nach dem radikal Anderen der Vernunft aufgeworfen: nach dem Punkt, von dem aus sich die vermeintliche Absolutheit des Wissens und der menschlichen Verfügung kritisch betrachten lässt. So gesehen mag es vernünftig sein zu glauben. Aber es bleibt Glaubenssache.

Teil 5: Birgit Aschmann, Historikerin an der HU Berlin

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