Zukunft 4.0 : Gute Zeiten für die Forschung

Zwei neue Zentren in Berlin beschäftigen sich mit dem Thema Internet und sollen Digitalisierung in Deutschland weiter voranbringen.

Am 3. April 2017 wurde das Einstein Center Digital Future (ECDF) in der Wilhelmstraße 67 eröffnet.
Am 3. April 2017 wurde das Einstein Center Digital Future (ECDF) in der Wilhelmstraße 67 eröffnet.Foto: imago/Pemax

Es sind gute Zeiten für die Digitalisierungsforschung – und für den Wissenschaftsstandort Berlin. Gleich zwei neue Zentren wurden 2017 in der Hauptstadt gegründet: das Einstein Center Digital Future (ECDF) und das Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft. Beide beschäftigen sich mit dem Internet und der Digitalisierung; beide sollen dazu beitragen, Deutschland auf diesen zukunftsträchtigen Forschungsfeldern weiter nach vorne zu bringen.

Mit dem Einstein Center Digital Future gelang vor allem dem Präsidenten der Technischen Universität Berlin (TU), Christian Thomsen, und dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller ein Coup. 2015 wurde ihre Idee – 50 neue Professuren für Berlin – der Öffentlichkeit vorgestellt. Zwei Jahre später liefen erste Ausschreibungen, rekordverdächtig für eine Initiative dieses Ausmaßes. Die Gründung des Zentrums, das von TU, Freier Universität (FU), Humboldt-Universität (HU) und Universität der Künste (UdK) getragen wird und seinen Sitz im Robert-Koch-Forum in Mitte hat, gelang dank zahlreicher Partner und Geldgeber. Hinter dem ECDF steht ein komplexes Public-Private-Partnership-Konstrukt: Nicht nur das Land Berlin gab Geld, auch etliche Unternehmen steuerten große Summen bei, etwa die Berliner Wasserbetriebe, Intel, SAP und die Telekom. So kamen 38,5 Millionen Euro zusammen.

Die neu eingerichteten Juniorprofessuren sollen vor allem den wissenschaftlichen Nachwuchs an die Spree holen. Geforscht wird etwa zu Smart Housing, digitaler Bildung, Mobilität und Bioinformatik. Der interdisziplinäre Ansatz steht im Vordergrund: Kernmethoden der IT werden mit geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Fragen oder mit Themen aus den Bereichen Gesundheit und Industrie 4.0 kombiniert. Bis 2023 steht die Finanzierung. Was danach kommt, ist unklar. Man wolle aber zumindest einen Teil der Juniorprofessuren verstetigen, heißt es.

Das Weizenbaum-Institut setzt auf interdisziplinäre Forschung

Beim Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft, das im Herbst 2017 in der Hardenbergstraße nahe dem Bahnhof Zoo die Arbeit aufnahm, stehen zunächst 50 Millionen Euro Fördermittel bis 2022 bereit. Hier war es das Bundesbildungsministerium unter der früheren Ministerin Johanna Wanka, das 2015 einen Wettbewerb für die Gründung eines deutschen Internet-Instituts ausschrieb. Fünf Städte kamen in die Endrunde. Das Konsortium aus FU, HU, TU, UdK, Universität Potsdam, Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme und Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung konnte sich durchsetzen.

Anders als beim Einstein Center geht es beim Weizenbaum-Institut nicht vorrangig um neue Professuren. Das Institut hat 20 interdisziplinäre Forschungsgruppen geschaffen, die zu sechs Themenbereichen forschen, darunter „Arbeit, Innovation und Wertschöpfung“, „Demokratie, Partizipation und Öffentlichkeit“ sowie „Technikwandel“. Der Fokus liegt auf gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen Aspekten der Digitalisierung.

Auch im Ruhrgebiet und in München tut sich etwas

Doch auch außerhalb Berlins tut sich etwas. Sowohl im Ruhrgebiet als auch in der bayerischen Landeshauptstadt sind neue Institute entstanden. So wurde in München 2015 das Munich Center for Internet Research (MCIR) als Forschungszentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gegründet, das „betriebswirtschaftliche, technische, sozialwissenschaftliche und juristische Perspektiven“ zusammenführen will.

Und in Bochum wurde nach der Wettbewerbsniederlage um das Deutsche Internet-Institut – die Stadt war ebenfalls in die letzte Runde gekommen – entschieden, die Pläne dennoch in Teilen umzusetzen. So entstand 2017 das Center for Advanced Internet Studies (CAIS), ein Wissenschaftskolleg, finanziert von der Landesregierung. Regelmäßig sind nun Fellows in der Ruhrgebietsstadt zu Gast und widmen sich hier ihren Forschungen. Gerade wurde der Politikwissenschaftler Christoph Bieber von der NRW School of Governance ans CAIS geholt, um die bisherigen Strukturen weiterzuentwickeln. Entstehen soll ein NRW-Institut für Digitalisierungsforschung, an dem sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung betrieben wird. Die Konzeption ist im Gange, einen Gründungstermin gibt es noch nicht.

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