Zeitung Heute : … Peter Struck?

Axel Vornbäumen

„Namen sind Nachrichten“ besagt ein ehernes Gesetz im Journalismus. Peter Struck (SPD) könnte nach der Wahl vielleicht in einer großen Koalition Verteidigungsminister bleiben und als SPD-Senior Vizekanzler werden. Wäre das eine gute Nachricht? Wir überprüfen täglich die Amtstauglichkeit eines Spitzenpolitikers – bis zur Wahl.

AMT: Man muss es wohl so sagen: Aus den einstigen Elefanten in der SPD drohen Dinosaurier zu werden – selbst wenn es am 18. September für die Sozialdemokraten tatsächlich nur halb so wild werden sollte, wie es die Demoskopen derzeit in ihren Momentaufnahmen festhalten. Und doch: Schröder wird gehen, Clement auch. Und ob Otto Schily noch einmal eine Runde dranhängt, sollte die SPD als Juniorpartner in einer großen Koalition unterschlüpfen müssen/dürfen, ist vor allem eine Frage der Eitelkeit. Bleibt Struck, Peter Struck, 62. Immer wieder ist der Niedersachse sogar als potenzieller Kanzlernachfolger gehandelt worden, falls Gerhard Schröder einmal das Amt auf eine schlichtere Weise hingeschmissen hätte, als er es am 22. Mai getan hat. Das allerdings war zu Zeiten, bevor ein Schlaganfall Struck gesundheitlich zurückwarf. Eine Vizekanzlerschaft wäre auch eher ein polit-arithmetisches Begleitprodukt in einem schwarz-roten Koalitionsgeschacher, bei dem zu vorgerückter Stunde Struck gebeten wird, der Einfachheit halber doch Verteidigungsminister zu bleiben. Dass er, den Schröder im Sommer 2002 handstreichartig dazu verdonnerte, die Nachfolge des unglückseligen Rudolf Scharping anzutreten, das Amt ganz passabel in den Griff bekommen hat, wird sogar auf schwarzer Seite eingeräumt. Struck selbst, der seine SPD gerne in eine große Koalition retten würde, weil er tief in seinem Inneren Befürchtungen hegt, dass sich der Erosionsprozess in der Partei andernfalls rapide beschleunigen würde, kann sich eine Kurzstrecke als Wehrminister durchaus noch vorstellen.

AMBITIONEN: Das Adjektiv „passabel“ wurde ja bereits gebraucht. Im Grunde geht es nach innen darum, die Bundeswehrreform mit Anstand in ihre nächste Phase zu führen, sprich: Bei den geplanten Standortschließungen nicht zu wackeln und den Soldaten eine stabile Laufbahnperspektive zu bieten, was in den vergangenen Jahren nicht immer der Fall war. Außerdem steht, irgendwann in der kommenden Legislaturperiode, SPD-intern die Debatte über die Zukunft der Wehrpflicht an, in die der Wehrpflichtanhänger Struck als Angehöriger eines schwarz-roten Kabinetts mit gestärktem Rücken gehen könnte. Nach außen, ja, gewissermaßen sogar außenpolitisch, wäre Struck eine Konstante, die so etwas wie funktionellen Charme für eine Bundeskanzlerin Angela Merkel hätte. Mit Struck hätte sie jemanden an der Seite, der in vorderster Front („Die Sicherheit Deutschlands wird am Hindukusch verteidigt“) für ein stabiles Afghanistan-Engagement der Bundeswehr kämpft; ein im Übrigen sehr schönes Argument, mit dem sich Deutschland bislang jeglichem US-Ansinnen entziehen konnte, doch noch im Irak mitzumischen. Ja, und dann ist da noch der bärbeißige US-Kollege Donald Rumsfeld, der Struck einmal „This guy from Germany“ genannt hat. Es hätte für alle interessierten Beobachter bestimmt eine gewisse Treppenwitzwirkung, wenn die beiden alten Schlachtrösser plötzlich wieder mit nassen Füssen im Bild rumstehen müssen, weil ja demnächst Tauwetter angesagt ist in den deutsch-amerikanischen Beziehungen.

AUSSICHTEN: Eigentlich fast noch schlechter als vor Gericht und auf hoher See, wo man sich gemeinhin in Gottes Hand befindet. Peter Strucks heimliche Liebe („Finanzminister könnt’ ich gut“) wird ohnehin nicht zu erreichen sein, das angestammte Ministeramt auch eher schwer. Die Ziele des passionierten Motorradfahrers, der in dieser Woche nach einem leichten Unfall sein Knie schonen muss, werden deshalb in eher mittlerer Reichweite liegen. Kein Amt mehr, aber eine Rolle und ein Mandat: Zusammenzuhalten, was von der SPD noch übrig ist und dann noch Mitglied im Sportausschuss des Bundestags werden. Schließlich steht die WM vor der Tür.

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