Zeitung Heute : ...und Elvis singt ein Lied

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HollyJane Rahlens, geboren in New York, lebt seit 1972 in Berlin. Die Autorin wurde 2003 für „Prinz William, Maximilian Minsky und ich“ mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. 1992 heiratete sie den Buchhersteller Eberhard Delius in Las Vegas:

„Wir haben im Imperial Palace geheiratet – fast alle Hotels in Las Vegas haben ja ihre eigene Kapelle. Meine Mutter wohnte damals in Las Vegas, sie hatte alles schon arrangiert. Das ist, als ob du bei einem Caterer Häppchen bestellst: Es gibt Package 1, Package 2, mit Video oder ohne, wir hätten Elvis haben können oder Marilyn Monroe, es geht fast alles.

So eine richtige riesige Stretchlimousine mit Fahrer in Livree hatten wir auch. Blödsinn, dachten wir noch, wir sind doch nur zu zweit. Außerdem war die Hochzeit ja im Hotel. Wir sind dann mit dem Wagen zum Amt gefahren, wo man die Heiratsgenehmigung bekommt. Das hat keine fünfeinhalb Minuten gedauert.

Hochzeit in Las Vegas, das stellten wir uns witzig vor, ein bisschen cool, ein bisschen anders. Aber in Wirklichkeit ist Las Vegas eine demütigende Stadt, weil es nur ums Geld geht. Du musst versuchen, über den Dingen zu stehen und dir zu sagen, ich bin kein Teil von dem, sonst kann es einen ziemlich runterziehen.

Die Hochzeitskapelle war gleich neben dem Fitnessraum. Es war entsetzlich heiß. Und voll war es auch — nicht nur mit unserer neunköpfigen Familiengesellschaft. Gleich nach uns kam ein mexikanisches Pärchen, eine Riesengesellschaft, die mit ihrem Ghettoblaster anrückte. Meine Tante hat ein bisschen geschimpft. Sie dachte sowieso, sie sei wichtiger als die Braut. Immerhin ist sie ein richtiger Star, Sylvia Miles, sie war zweimal für den Oscar nominiert, für „Asphalt-Cowboy“ mit Dustin Hoffman und „Fahr zur Hölle Liebling“ mit Robert Mitchum. Bei unserer Hochzeit war sie schon knapp 70, aber in ihrem Outfit, sie hatte einen Ledermini an und so eine mit Pailletten besetzte Motorradjacke, fiel sie schon auf. Jedenfalls fand sie das Imperial nicht gut genug. Die nachgemachten Louis XIV-Möbel, alles in rosa, die Blümchen und Schleifchen. Im Nachhinein: Das Einzige, was mich gestört hat, war, dass wir keinen Rabbi hatten, sondern nur einen Reverend. Für einen Rabbi war es einfach zu spät.

Aber ich habe keinen Grund, unzufrieden zu sein. Eberhard und ich sind immer noch verheiratet. Und immerhin hat mir die Hochzeit zu meinem zweiten Roman verholfen: „Mazel Tov in Las Vegas“.

Aufgezeichnet von Andreas Austilat

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