Zeitung Heute : 1. Mai in Berlin: Polizei fürchtet „Guerillataktik“

Berlin/Hamburg - Mit rund 6800 Beamten ist die Polizei am Wochenende in Berlin im Einsatz. Rund um den 1. Mai gibt es in Berlin und Hamburg traditionell Krawalle. Bereits am Samstagabend kontrollierte die Polizei bei einem autonomen Punkkonzert in Friedrichshain streng, insgesamt war sie präsenter als in den Vorjahren. 2010 waren zwar 7400 Polizisten im Einsatz gewesen, zusätzlich hatte es da aber noch eine Neonazi-Demo gegeben.

Die Berliner Sicherheitsbehörden rechnen anders als in der Vergangenheit nicht damit, dass Krawalltouristen in großer Zahl in die Hauptstadt kommen. Stattdessen geht die Berliner Polizeiführung von einer „Guerillataktik“ einzelner marodierender Gruppen aus – wie schon bei der Räumung des linken Friedrichshainer Wohnprojekts „Liebig 14“ im Februar.

In Berlin blieb es zunächst vergleichsweise ruhig. Bei einer Demonstration der linken Szene in Hamburg dagegen, das dieses Jahr offenbar vorrangiges Ziel der Szene ist, kam es am Samstagabend vereinzelt zu Randale. Ein Auto der Bundeswehr ging in Flammen auf, es flogen Flaschen, Steine und Feuerwerkskörper. Zehn Beamte wurden nach Angaben eines Polizeisprechers verletzt, einer von ihnen musste ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Bis 21 Uhr wurden zwölf Randalierer in Gewahrsam sowie zwei vorübergehend festgenommen. Die Hamburger Polizei hatte bereits im Vorfeld das Schanzenviertel zum „Gefahrengebiet“ erklärt. In dem Stadtteil liegt das linksautonome Zentrum „Rote Flora“, das der Investor veräußern möchte. Das Gebäude ist seit 1989 besetzt, dieser Status wurde bislang geduldet. Die linke Szene fürchtet eine Räumung und hatte auch deshalb für die Walpurgisnacht überregional in die Hansestadt mobilisiert.

In Berlin gab es in der Nacht zu Samstag kleinere Zwischenfälle. So wurde ein Farbbeutel-Anschlag auf die Arbeitsagentur in Wedding verübt. Außerdem wurden Autos beschädigt. dhan/gn/Ha

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