1. Mai und Krise : Deutsche Warnzeichen

Ob auf der großen Gewerkschaftsdemo in Bremen, in einem Hamburger Luxushotel oder beim Golfen mit Beckenbauer in Thüringen: Der 1. Mai 2009 ist ein Tag in Zeiten der Krise – überall ist das zu sehen. Unsere Autoren haben sich in Deutschland umgeschaut.

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Ballons und Quadriga. Das Brandenburger Tor am Freitag. Foto: Davids/Michele Tantussi

Der Tag ist eine Stunde alt, Berlin tanzt, schläft, taumelt in den Mai, und auf dem Steinfußboden des U-Bahnhofs Friedrichstraße liegt regungslos ein Mann. Passanten versuchen ihn aufzuwecken, doch er reagiert nicht. Er hat einen Irokesenhaarschnitt, rot gefärbt, seine Lederjacke und seine Hose sind zerschlissen.

„What happened?“ – Was ist passiert? – fragt ein Mädchen ein anderes. „His friends knocked him down.“

Die Polizei kommt, die Feuerwehr, Sanitäter, Sicherheitsbeamte der Bahn. 15 Leute insgesamt. Dazu ein paar Schaulustige. Die Sanitäter schließen den Mann an ein EKG an und beatmen ihn. Seinen Kopf legen sie auf eine aufgerollte Decke. Die Decke rutscht weg, der Kopf schlägt auf den Boden. „Legt ihn doch auf die Seite“, raunzt einer der Sanitäter seine Kollegen an. Den Polizisten, der die Lederjacke des Mannes durchsucht, fragt er: „Schon was gefunden?“ – „Nee, nur leere Tütchen.“

Die beiden Mädchen stehen noch in der Nähe. Ein junger Mann, der ihren Dialog eben mitangehört hat, tritt an sie heran. „Das gehört hier halt auch dazu“, sagt er. Johannes Schneider

Es ist längst schon wieder hell geworden, die Sonne steht bald im Zenit, als sich in Bremen Tausende auf den Weg zur zentralen Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes machen. In der Halbmillionen-Stadt gehen fast immer Tausende an diesem Tag auf die Straße, dieses Mal sind es noch mehr als sonst: stolze 7000, schätzt der DGB.

Jedoch: Wen man auch fragt – fast alle sagen, sie würden auch sonst immer mal zur Mai-Demo gehen. Neulinge trifft man selten. Liegt es vielleicht am „Arbeit für alle bei fairem Lohn!“, an der Losung, die so zeitlos und unrealistisch klingt?

Kleiner Stau auf dem Weg zum Demo- Startpunkt am Weserdeich: Vor einer Kneipe stimmen Akkordeonspieler und Gitarristen italienische Arbeiterlieder an. Beim „Avanti Popolo“ singen manche mit – der eine mit Bierflasche in der Hand, die andere mit roter Nelke im Knopfloch.

Als der Demo-Zug aufbricht, geht DGB-Chef Michael Sommer in einer der ersten Reihen. Ihm folgt ein Spielmannszug. Und weiter hinten eine Musikcombo, die skandiert: „Hoch die internationale Solidarität!“.

Auf dem Domshof hat der DGB ein Zelt- und Budendorf aufgebaut. Bratwurst, Bier, „Brez’n Bäckerei“, Kinderecke. Eine Bühne. Abschlusskundgebung. Wird Sommer wieder vor sozialen Unruhen warnen? Es dauert 15 Minuten, bis er es, leicht abgewandelt, tut. „Ohne unsere Mahnung, dass es zu sozialen Verwerfungen kommen wird, wären die Nachbesserungen beim Kurzarbeitergeld nicht zustande gekommen.“ Beifall, aber nicht stürmisch. Etwas mehr wird geklatscht, als er später nachlegt: Wenn kein gerechter Ausweg aus der Krise gefunden werde, „dann ist auch unsere Demokratie bedroht“. Und weiter: „Es muss sich vieles ändern im System, sonst verliert dieses System seine Legitimation. Das aber können wir nicht wollen.“

Nein, zum Umsturz ruft Sommer nicht auf, obwohl vor ihm die DGB-Jugend fordern durfte: „Nutzen wir die Gelegenheit – schaffen wir den Kapitalismus ab!“ Aber er heizt ein bisschen die Stimmung an: Sommer wettert gegen „skrupellose Kasino-Kapitalisten“ und den „Siegeszug des Brutalkapitalismus“.

Sommers Rezepte gegen die Krise klingen so: Der Bund müsse „sofort mit der Regulierung des Banken- und Investmentsektors ernst machen“. Nach den beiden Konjunkturprogrammen sei ein „Zukunftsinvestitionsprogramm“ vor allem für die Bildung nötig. Und dann natürlich eine „durchgreifende Erhöhung“ der Hartz-IV-Sätze sowie Konsumgutscheine für Gering- und Mittelverdiener – während „die Reichen und Superreichen“ mehr Steuern zahlen sollen.

Nach einer halben Stunde endet Sommer mit einem „Glück auf!“ Und dann singt er gemeinsam mit einem Chor ein Arbeiterlied von 1863. „Mann der Arbeit, aufgewacht, und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will!“ mancher Chorist streckt die Faust aus. Sommer lässt es lieber sein.

Eine Krankenschwester am Bühnenrand ist etwas enttäuscht: „Er hätte mehr zu sozialen Unruhen sagen sollen. Denn es wird bestimmt knallen“, sagt sie, und dass sie das nicht gut fände. „Es wird bestimmt knallen – spätestens, wenn die Sozialsysteme zusammenbrechen.“ Ein Lehrer mit blanker Stirn hätte es dagegen gern ein wenig kämpferischer im Land: „Wenn sich die Leute noch lange wie die Lämmer verhalten, wird sich nichts verändern.“ Seine jüngere Begleiterin fällt ihm ins Wort: „Es wird Zeit, dass die Unruhe beginnt.“ Eckhard Stengel

In Hamburg, zur gleichen Zeit im Atlantic-Hotel an der Alster, ist die Unruhe längst da. Jubiläumsvorbereitungen. Jubiläumsvorbereitungen in Krisenzeiten.

Die Hotelgeschichte scheppert, als Michael Bothe und Markus Frömming die Holzkiste hochheben. In der Kiste liegen kreuz und quer Buchstaben mit und ohne Schnörkel, aus dickem und dünnem Messing, viele sind angerostet, andere blank poliert. Sie haben einmal den Weg zu den „Festsälen“ oder zum „Alstersalon“ gewiesen. Bothe, 32, und Frömming, 29, stehen verschwitzt und in Jeans und Sweatshirt auf dem Hoteldachboden. Das Atlantic feiert an diesem Sonntag seinen 100. Geburtstag. Hier badeten Kaiser Wilhelm II. und Maria Callas in Marmorbädern, der Schah von Persien aß mit goldenen Gabeln. Die Übersee-Dampfer der Hamburg-Amerika-Linie brachten Erste-Klasse-Gäste her.

Bothe und Frömming betreiben die Agentur „Brands Alive“ und haben sich das „Kreativkonzept“ für die 100-Jahr-Feier ausgedacht. Es wird keine große Gala mit zig Menügängen geben, sondern einen „Tanztee“ für 400 geladene Gäste. Dazu gibt es „Ausstellungsinseln“ in den Foyers, die mit alten Sesseln, Sofas und Lampen die Epochen des Hauses lebendig machen sollen. Eine Suite soll gar so verwüstet werden, wie sie Rockbands in den 70er Jahren hinterließen.

Unten im Foyer stehen schon andere Kisten vom Dachboden, welche mit Türknäufen und Fotos, mit Gästebüchern und Folianten, in denen die Küchenchefs ihre Kreationen notiert haben. Am 21. Januar 1919 gab es Hammelrücken und Steinbutt „portugaise“. Mit Fundstücken aus den Kisten bestücken Dekorateure Glasvitrinen.

1909 kamen zur Eröffnung des Luxushotels unter anderem der spätere Reichskanzler von Bülow und der Erste Bürgermeister der Stadt Hamburg. Für den Sonntag hat sich nur die Zweite Bürgermeisterin Hamburgs angemeldet. Das Atlantic ist in die Jahre gekommen. Vergangenen Sommer hat es seine Sterne verloren, auch wenn der Hoteldirektor sagt, man habe sich beim Hotel- und Gaststättenverband gar nicht mehr um die Sterne beworben, weil die Klassifizierung unsinnig sei. Es werde zu sehr auf die „Hardware“ gesetzt, zum Beispiel auf Audioanlagen in den Bädern. Das Atlantic dagegen setze auf „weiche Faktoren“: dass die Zimmermädchen wissen, wann ein Gast sein Zimmer gesäubert haben will und dass um 17 Uhr eine Ecke der Bettdecke für die Nacht aufgedeckt wird. So leuchtet das „weiße Schloss“ von außen immer noch herrschaftlich weiß, aber auf den Fluren wellt sich der Teppichboden, an mancher Ecke ist die Farbe abgestoßen.

Seit Jahren kündigt die Kempinski-Hotelgruppe an, das Atlantic rundum erneuern zu lassen. Im Februar wurde die geplante Sanierung auf Ende des Jahres verschoben. „Die Wirtschaftskrise“, sagt der Hoteldirektor, „Sie verstehen.“ Die Auslastung der 252 Zimmer lag vergangenes Jahr bei 64 Prozent. Und mittlerweile suchen viele Geschäftskunden billigere Hotels. Der Durchschnittszimmerpreis im Atlantic liegt im Moment bei 200 Euro. Nach der Sanierung will man ihn verdoppeln. Der Duty Manager sagt: „Aber wer weiß, ob es dann überhaupt noch die Klientel gibt, die sich das leisten kann?“

Noch scheint es sie zu geben. Vor dem Eingangsportal nimmt der Page aus einem Porsche Cayenne das Gepäck eines jungen Paares entgegen, während der Küchenchef eine Etage tiefer Wachteln zerlegt. Die Atlantic-Zimmer kann man neuerdings aber auch über Aldi und Tchibo buchen, weil man sich die Vertriebswege eben „nicht mehr aussuchen“ könne. Und ab dem 2. Mai will man 100 Tage lang jeweils zehn Zimmer zu 100 Euro anbieten. Aus Geschäftsgründen hat man sogar den Geburtstag um einen Tag verschoben. Eigentlich ist der Jubiläumstag der 2. Mai. Aber da will eine amerikanische Familie mit 250 Gästen Hochzeit halten. Jetzt wird 100 Jahre Atlantic am 3. Mai gefeiert. Der Gast, versteht sich, ist hier eben König. Claudia Keller

Thüringen, dort wo es besonders schön ist und Burgen stehen, hat an diesem Tag Besuch vom Kaiser.

Als Franz Beckenbauer landet, kreist Kay Ullrich gerade um Loch 14. Der Head-Greenkeeper vom Golfplatz in Mühlberg ist am Tag der Arbeit um fünf Uhr morgens aufgestanden: Grüns mähen, Löcher stechen, Bunker rechen. Und während Beckenbauer kurz nach acht mit seinem gecharterten Learjet LR 45 auf dem Flugplatz in Erfurt ankommt, sitzt Ullrich keine halbe Autostunde entfernt auf einem Jacobsen-Grünsmäher GPlex II und trimmt noch schnell den Rasen am Ende von Bahn 14 auf drei Millimeter.

Es ist der Tag der „3. Thüringer Charity Open“ auf Gut Ringhofen in Mühlberg. Mühlberg hat 1300 Einwohner und eine Golfanlage mit 18 Bahnen, mittlere Schwierigkeit. Zu DDR-Zeiten hat die LPG „Drei Gleichen“ hier auf 75 Hektar Weizen angebaut. Nun kann man für 70 Euro im Monat den Golfschläger schwingen.

Der Rotary-Club Erfurt-Krämerbrücke hat zu einem Wohltätigkeitsturnier eingeladen. „Normalerweise geben ja wir die Termine vor“, sagt einer der Organisatoren. „Diesmal aber mussten wir uns nach Beckenbauer richten – der konnte nur am 1. Mai.“ Wer 250 Euro zahlt, kann viereinhalb Stunden lang mit einem Prominenten Golf spielen. Ex-Boxer Axel Schulz ist da, Schauspieler Jan Josef Liefers, Ex-CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer und die Sängerin Ireen Sheer.

Wer den schwarzen Audi A 8 übersehen hat, mit dem Franz Beckenbauer vom Flughafen nach Mühlberg gefahren wurde, spürt trotzdem, dass er da ist. Die Damen im Klub kichern. Die Sicherheitsleute schauen finster.

Der Tag der Arbeit ist auch für Beckenbauer ein Arbeitstag. Statt Grüns zu mähen oder Bunker zu rechen, muss er Hände schütteln, in Kameras lächeln, Fragen beantworten, er muss Franz Beckenbauer sein. Mit Handicap 11,8 ist Beckenbauer ein ganz anständiger Golfer. 20 Mal im Jahr ist er für seine Franz-Beckenbauer-Stiftung unterwegs und sammelt Geld für Kranke und Behinderte. Zwei Millionen Euro fließen pro Jahr in die Stiftung – ein großer Teil kommt aus Golf-Veranstaltungen. Die Stiftung ist eine Art Seismograph für den gesellschaftlichen Abschwung. „Wir merken sofort, wenn es den Leuten schlechter geht“, sagt die Verwaltungschefin Anita Büchler. „Von Januar bis April hatten wir zehn Prozent mehr Anträge als von Januar bis April 2008.“

Die Krise macht auch dem Golfsport zu schaffen, Schrammen bekommt man derzeit auch in Mühlberg ab. Sponsoren haben sich verabschiedet, einige Firmen-Chefs haben sich gefragt, wie gut es wohl für die Außenwirkung ist, wenn man einerseits Mitarbeiter entlässt und sich Hilfszahlungen vom Staat wünscht, andererseits aber Golfturniere sponsert.

Weil der Chef einer Thüringer Kunststoff-Firma (Handicap 34,3) das meiste Geld gegeben hat, darf er an diesem Tag mit Beckenbauer spielen. „Ich konnte früher einfach nicht begreifen, wie sich ein ehemaliger Hochleistungssportler wie ich so dämlich anstellen konnte“, sagt er. „Irgendwann kommst du zur Erkenntnis, dass man Golf nicht lernen kann.“

Ende Mai wird Greenkeeper Kay Ullrich anderthalbtausend Euro auf sein Konto kriegen, Anita Büchler von der Franz-Beckenbauer-Stiftung auf einem Kontoauszug einen Geldeingang über 50 000 Euro sehen. „Das Gros soll zurück nach Thüringen fließen“, sagt Büchler. „Allein 10 000 gehen an ein Kinderhospiz.“

Ob Beckenbauer je auf einer Mai-Demo gewesen ist? „Das war nie nötig“, sagt der auf dem Weg zum Abschlag, „mit 18 war ich Profi-Fußballer. Unserem Berufsstand ist es nie schlecht gegangen. Am 1. Mai war ich wahrscheinlich immer bei einem wichtigen Spiel.“ Michael Wasner

Es wird Zeit, dass die Unruhe beginnt, hatte die Begleiterin des Bremer Lehrers am Mittag gesagt. In Berlin beginnt sie jetzt, zehn nach sieben am Abend, früher als üblich in den vergangenen Jahren. In Kreuzberg fliegen Flaschen auf Polizisten, die den so genannten Revolutionären 1.-Mai-Demonstrationszug begleiten, bald darauf auch Steine. Kurz zuvor hatte die Politikerin Jutta Ditfurth von einem Lastwagen herab gerufen: „Ulrike Meinhof hat Bambule empfohlen – wir auch!“ Und: „Wäre die Bastille gefallen, nur durch Lichterketten? Wäre die Befreiung vom Faschistenpack denkbar als Loveparade?“ In den nächsten Stunden fliegen Steine auch auf Unbeteiligte, auf Anwohner, die ein Straßenfest feiern.

Sind sie das tatsächlich, die Unruhen, von denen die Bremer Lehrerbegleitung sprach und vor denen Gewerkschaftschef Sommer warnt, soziale Unruhen? Wenn ja, dann ist das ein ziemlich merkwürdiger Begriff, soziale Unruhen, denn etliches von dem, was sich nun hier in Kreuzberg abspielt, ist sehr unsozial.

Viertel nach zehn brennt in einer Straße Baumaterial, herumliegender Müll. Das Kottbusser Tor ist von Flaschen, Scherben und Steinen übersät. Aber die Polizei hat verhindert, dass die Demonstrationsteilnehmer Barrikaden errichten konnten. Es haben keine Autos gebrannt.Florian Ernst/

Jörn Hasselmann/Frank Jansen

Vier Stunden, bevor der rothaarige Mann im Berliner U-Bahnhof Friedrichstraße niedergeschlagen wurde, vier Stunden bevor der Satz „Das gehört hier halt auch dazu“ fiel, hat einer ein paar hundert Meter weiter östlich so etwas wie das Gegenteil behauptet: „Berlin won’t break us down“ – Berlin wird uns nicht fertigmachen. Ein Schauspieler auf der Bühne des Maxim-Gorki-Theaters, bei der Uraufführung des Stücks „Berlin Ernstreuterplatz“. Der Titel spielt an auf den Roman „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin, in dem der Haftentlassene Franz Biberkopf durch das Berlin der Zwischenkriegszeit wankt, ein Gebeutelter, der immer nur gebeutelt wird.

„Diese Städte!“, sagen sie auf der Bühne, „was machen die aus uns! Diese Plätze, an denen wir nichts tun als kreisen, kreisen und kreisen.“ Der Ernst-Reuter-Platz dient dem Stück als Symbol dafür, ein Nicht-Ort, ein riesiger Kreisverkehr.

Und der Alex? Jene Landschaft, die Biberkopf im Roman durchwandert? In der Walpurgisnacht laufen Menschen zu Hunderten durch die Bahnhofsgänge am Platz, reden, lachen, schreien. Vor den Fast-Food-Läden bilden sich Schlangen. Überall liegt Müll, es riecht nach Bier und Urin. Flaschen fallen zu Boden und zersplittern. Eine junge Frau sitzt auf dem Boden. Die Leute laufen um sie herum. Manche steigen über sie rüber.

Draußen, vor dem Bahnhof, sitzen zwei Obdachlose auf einer Bank. Beide haben graue Bärte und wildes, langes Haar. Der kleinere von ihnen trägt eine Sonnenbrille. Er hat zwei prall gefüllte Plastiktüten bei sich und eine Krücke.

„Bei der Tafel haben sie heute Kekse verteilt“, sagt er.

„Kekse?“, sagt der Größere.

„Ja, so Müslistreifen ohne Zucker.“

„Schön. Ham’se denn genug gehabt?“

„Ja, richtige Pakete. Machen die ja jedes Jahr zum 1. Mai.“

Ein Paar, beide um die 20, wird auf die Obdachlosen aufmerksam.

„Schau dir die mal an, krass“, sagt der Mann.

„Die haben bestimmt denselben Frisör“, sagt die Frau und lacht.

„Ja, die waren bestimmt mal reich und jetzt lernen sie die andere Seite kennen.“

„Das sollten wir auch mal machen, die andere Seite kennen lernen.“

„Ja genau“, sagt der Mann. „Morgen geht es los, ich hol dich ab.“ Dann lachen beide und verschwinden in der Berliner Nacht. Johannes Schneider

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