100 Jahre Panama-Kanal : In Nicaragua soll ein Konkurrent heranwachsen

Schon Alexander von Humboldt hielt im 19. Jahrhundert Nicaragua für den geeignetsten Ort für einen Kanal zwischen Atlantik und Pazifik. Nun soll seine Vision Realität werden. Wie werden die Pläne umgesetzt?

Der Panama-Kanal (Foto) könnte Konkurrenz bekommen von einer Wasserstraße in Nicaragua.
Der Panama-Kanal (Foto) könnte Konkurrenz bekommen von einer Wasserstraße in Nicaragua.Foto: AFP

2013 verkündete Nicaraguas Präsident Daniel Ortega den Plan, vor einigen Wochen stellte er zusammen mit dem chinesischen Konsortium HKND die Route vor. 40 Milliarden US-Dollar soll die 278 Kilometer lange Wasserstrasse kosten. Ende 2014 soll Baubeginn sein, 2020 die ersten Schiffe die neue Wasserstrasse befahren. Bis zu 5100 Schiffe sollen die Route jährlich nutzen.

Ortega erhofft sich davon einen Entwicklungsschub für das ärmste mittelamerikanische Land. Für die Chinesen ist die Handelsroute zwischen Orient und Okzident strategisch wichtig. Bereits jetzt haben sie Anteile an den beiden wichtigsten Häfen Panamas, Balboa und Colon, und bauen Logistikzentren in Jamaica und Mexiko.

Der bestehende Panama-Kanal hat für China drei Nachteile: Panama ist enger Verbündeter Taiwans, und der Kanal hat einen internationalen Status, es gibt sogar einen Vertrag, wonach alle amerikanischen Staaten ihn bei einer Bedrohung gemeinsam verteidigen würden. Er ist teuer: Eine Durchquerung kostet je nach Größe und Dringlichkeit bis zu 324000 Dollar. Und für die allerneuesten Super-Gastanker wird er auch nach dem Ausbau zu klein sein. Ein eigener Kanal in Nicaragua würde alle Probleme lösen. Der Vertrag, den das Konsortium mit Ortega unterzeichnete, ist entsprechend drakonisch: Er überträgt dem chinesischen Bauherrn für bis zu 100 Jahre die Konzession und erlaubt ihm Enteignungen im Land.

Dagegen regt sich Widerstand. Alle 30 Einwände gegen die Verfassungsmäßigkeit des Vorhabens wurden von dem von Ortega kontrollierten Obersten Gericht allerdings in Rekordzeit abgewiesen. Umweltschützer sind dagegen, dass der Kanal durch den größten Binnensee Mittelamerikas führt. Dass sich entlang der Route aktive Vulkane befinden und es in Nicaragua ständig bebt, ist ebenfalls problematisch. Bauern fürchten, entschädigungslos enteignet zu werden. Unternehmer kritisieren, dass die 50000 Leih-Arbeiter vor allem aus China stammen. Die Opposition hat auch Zweifel an der technischen Durchführbarkeit des Projekts, da der 42-jährige chinesische Bauherr Wang Jing bisher ein völlig unbekannter Geschäftsmann ist.

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