• 100 Steine für eine "Kapelle der Versöhnung" - Sponsoren sollen den Neubau auf dem ehemaligen Mauerstreifen an der Bernauer Straße unterstützen

Zeitung Heute : 100 Steine für eine "Kapelle der Versöhnung" - Sponsoren sollen den Neubau auf dem ehemaligen Mauerstreifen an der Bernauer Straße unterstützen

Lothar Heinke

Vorsichtig und bedächtig hebt Manfred Fischer das bemalte Stück aus einem Karton. Die Augen des Pfarrers der Evangelischen Versöhnungsgemeinde blitzen, wenn er über "seine" Steine spricht: Als Bauarbeiter daran gingen, das Fundament der 1985 auf dem ehemaligen Mauerstreifen an der Bernauer Straße von der DDR gesprengten Versöhnungskirche auszuschachten, fanden sie einen Haufen gut erhaltener Formsteine aus dem schlanken Körper des zerstörten Gotteshauses. Sie waren nach der Sprengung achtlos in den Keller gekehrt worden. Als nun der Bau der neuen "Kapelle der Versöhnung" vorbereitet wurde, stand man unvermittelt vor diesem Schatz steinerner Zeugen der Kirche von 1894. Pfarrer Fischer hatte plötzlich eine Idee...

Die schönsten Steine wurden mit freundlicher Hilfe des Galeristen Michael Schultz zahlreichen Künstlern übergeben, die die Steine bemalen oder als Plastik gestalten. Nun werden Spender gesucht, die sich mit ihren Beiträgen am Aufbau der "Kapelle der Versöhnung" beteiligen und als Dank einen Stein erhalten. Am 9. November feiert die Versöhnungsgemeinde das Richtfest ihrer Kapelle, die - an der Stelle der gesprengten Kirche - in der seltenen Stampflehmbauweise errichtet wird. Die Kosten betragen etwa 1,9 Millionen Mark, ein großer Teil des Geldes ist bereits verbaut, aber es fehlt ein Rest, für den die hölzerne Verkleidung erworben und die Außenanlagen gestaltet werden könnten.

Wer beim Aufbau mit einer Spende helfen möchte, kann dies auf verschiedene Weise tun. Für eine Spende von 7 000 Mark (und mehr) gibt es als Dank einen der geretteten ausgewählten Originalsteine der alten Versöhnungskirche oder ein von Künstlern gestaltetes und signiertes Stück Mauerwerk. Es ist auch geplant, dass Steine "von Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Politik individuell besprochen werden", wie es heisst. "Alle Steine sind numeriert, mit einem vom Bischof unterzeichneten Echtheitszertifikat versehen. Eine Tafel an der Kapelle nennt alle Spender. (Näheres unter der Telefonnummer 4636034). Wer 25, 50, 75 oder 100 Mark spendet, erhält eine speziell geprägte Sondermedaille. Sie zeigt das Lamm Gottes und den Grundriss der Kapelle, deren Richtfest am kommenden Dienstag mit einem Gottesdienst (13 Uhr 30) und einem Volksfest (15 Uhr) gefeiert wird. Zwischen diesen Terminen, um 14 Uhr 30, wird das "Dokumentationszentrum Berliner Mauer" in den Gemeinderäumen Bernauer Staße 111 eröffnet. Rudolf Prast, Vorsitzender des Fördervereins und Mitglied des Vorstandes der Berliner Volksbank, engagiert sich zur Freude Manfred Fischers und seiner Gemeinde außerordentlich für den Aufbau der Kapelle der Versöhnung, die der Gemeinde Hort und Hülle für Gottesdienste und Andachten sein wird, den Besuchern der Mauer-Gedenkstätte als Ort der Stille und Besinnung dienen soll. "Es macht Spaß, sich in dieser Stadt zu engagieren, noch dazu für ein Projekt mit so viel Dynamik und Emotion wie für den Aufbau der Kapelle der Versöhnung", sagt Rudolf Prast: "Bei so einer spannenden Sache muß man Ja sagen und mit ganzem Herzen dabei sein".

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