Zeitung Heute : 13 Hektar Blütenträume am Finowkanal

Der Tagesspiegel

Von Claus-Dieter Steyer

Eberswalde. „Es blüht. Wir haben Glück.“ Michael Steinland, Geschäftsführer der am Sonnabend beginnenden Landesgartenschau in Eberswalde, ist die Erleichterung anzusehen. „Das Schicksal von Potsdam bleibt uns mit Sicherheit erspart.“ Die Erinnerung an den eisigen Auftakt der Bundesgartenschau sitzt tief. „Diesmal liegt die Vegetation voll im Plan, sogar mit leichtem Vorsprung“, sagt Steinland.

Voll im Plan ist auch der Wandel in der Region. Früher wurde die Gegend in Prospekten als „Industriebrache“ bezeichnet. Doch das traf nicht genau. „Ruine mit angeschlossener Kloake“ wäre präziser gewesen. Denn der heute wieder von Freizeitkapitänen mit Begeisterung angesteuerte Finowkanal stank gerade an dieser Stelle zum Himmel. Abwässer aus Gewerbe und Haushalten belasteten den parallel zum Oder-Havel-Kanal verlaufenden Wasserweg. Doch dann bewilligte der Bundestag 40 Millionen Mark für die Sanierung dieses ältesten sich noch in Betrieb befindlichen künstlichen Kanals. Jetzt fahren mehrmals täglich Dampfer von der Stadtschleuse bis zum Gartenschaugelände.

Ähnlich groß sind die Investitionen in den 17 Hektar großen Park. 15 Millionen Euro, davon 3,5 Millionen aus dem ABM-Topf, wurden hier verbaut. Wo einst die Produktion von Blechen und Hufeisen der Stadt den Ruf eines „märkischen Wuppertals“ verschaffte, umgibt die Menschen der Duft einer tausendfachen Blumenpracht. Für Eberswalde entpuppte sich die Vergabe der Gartenschau wie schon in der ersten Ausrichterstadt Luckau als großer Segen. Einheimische Baufirmen sahnten die meisten Aufträge ab. Bei einer Arbeitslosenquote zwischen 18 und 20 Prozent freuten sich rund 300 Menschen über eine wenigstens zeitweilige Beschäftigung. Die Stadt, der seit der Wende rund 7000 Menschen auf der Suche nach Arbeit den Rücken kehrten, erhielt ein neues Gesicht. Es sei aber nichts nur wegen der Gartenschau gebaut worden, erklärt Bürgermeister Reinhard Schulz. Man woll sich künftig als Ausflugsziel anbieten. Touristen streiften Eberswalde meist nur – auf dem Weg zum Schiffshebewerk Niederfinow.

An einem Montagekran, der mit 56 Metern Höhe das ganze Gelände überragt, gibt es in 30 Meter Höhe eine Aussichtsplattform, von der man einen weiten Blick über die Gartenschau-Attraktionen hat. Von oben sieht man eine Phantasiewelt, die aus einem Birkenwäldchen ragt. Anleihe nahmen die Architekten beim sowjetischen Märchenfilm „Hexe Baba Jaga“. Nun kann das auf einem Hühnerbein stehende Hexenhaus ebenso erklettert werden wie eine sagenhafte Burg mit Irrgarten. Daneben beginnt das Gartenband aus 29 verschiedenen Themengärten. 60 vorrangig aus Brandenburg stammende Gartenbetriebe stellen hier aus. Ein Anziehungspunkt wird der „Apothekengarten“ sein. Auf einem nachgebildeten menschlichen Körper befinden sich an den einzelnen Organen Pflanzen, die diesem Teil besonders gut tun.

Soll die wirtschaftliche Rechnung bei der Schließung der Tore am 13. Oktober aufgehen, müssen 400 000 Besucher die Tore passiert haben. Das scheint nicht zu hoch gegriffen: Die erste Landesgartenschau in Luckau vor zwei Jahren zählte 420 000 Gäste.

Tageskarte 7,50 Euro, ermäßigte 6 Euro, Kinder bis 5 Jahre frei, bis 16 Jahre 2 Euro. Weitere Informationen unter www.laga-eberswalde.de oder Telefon 033 34/20 71 50.

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