Zeitung Heute : 1837

Der 8. Februar 1837 ist ein kalter und windiger Tag. 15 Grad Minus werden gemessen, es liegt viel Schnee im Wald hinter dem Schwarzen Fluss bei Sankt Petersburg. Gegen 17 Uhr trifft der russische Schriftsteller Alexander Puschkin ein. „Sorgt bitte dafür, dass wir alles schnell hinter uns bringen“, sagt er. Dabei hat er selbst zum Duell gefordert. Sein Kontrahent ist Georges d’Anthès, ein französischer Gardeoffizier in russischem Dienst. Der Mann hat es mehrfach in aller Öffentlichkeit gewagt, Puschkins Ehefrau Natalja zu bezirzen. D’Anthès ist 26 und damit zwölf Jahre jünger als der Schriftsteller. Schon einmal wollte sich Puschkin duellieren, der Franzose lehnte jedoch ab und behauptete, in Wahrheit gar nicht an Natalja, sondern deren Schwester interessiert zu sein. Tatsächlich heirateten die beiden, die Gefahr des Duells schien gebannt. Alexander Puschkin verbot seinem Schwippschwager dennoch, sein Haus zu betreten. Besonders haben ihn zehn anonyme Briefe gekränkt, die bei ihm und Bekannten eingegangen sind. Sie verhöhnen den schon damals berühmten Dichter, Schriftsteller und Bühnenautor als betrogenen Ehemann. Es wird nie endgültig geklärt werden, wer die Schmähungen schrieb. Puschkin aber glaubt den Verfasser zu kennen: Baron Ludwig Heeckeren, der d’Anthès adoptiert hat. Auf mehreren Bällen trifft der französische Offizier nun erneut auf Natalja, und wieder macht er ihr Komplimente. Puschkin spricht eine zweite Duellforderung aus, und diesmal wird sie angenommen. Wie üblich ist der genaue Ablauf vorher durch Sekundanten ausgehandelt worden. Vereinbart ist jeweils ein Schuss. Sollte es dabei nicht zu einer Entscheidung kommen, wird das Duell wiederholt. Dabei ist es keineswegs nötig, dass einer der Duellanten stirbt. Allein die Teilnahme stellt die angeblich verlorene Ehre wieder her. Im schneebedeckten Wald zieht Puschkin seinen Bärenpelzmantel aus. Die Gegner gehen langsam aufeinander zu. Georges d’Anthès schießt zuerst und trifft, die Kugel zertrümmert Puschkins Oberschenkel. Er sinkt in den Schnee. Liegend stützt er sich auf den linken Ellbogen, zielt auf d’Anthès und feuert zurück. „Wo habe ich Sie getroffen?“, fragt der blutende Dichter. „Ich glaube, in die Brust“, antwortet der Franzose. Puschkin ist zufrieden, ruft „Bravo!“ und wirft die Waffe weg. Später stellt sich heraus, dass es sich bei d’Anthès’ Verletzung lediglich um einen Streifschuss handelt. Puschkin dagegen ist viel schwerer verwundet. Er lebt nur noch drei Tage.

AARON BURR VS.

ALEXANDER

HAMILTON

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