• 1959: der Rembrandt 1992: acht Cranachs - Botschafter hätte Brücke-Einbrecher fast erwischt 1989: der Spitzweg „Eine Schweinerei ist das“ 1877: die Madonna 1988: Francis Bacon

Zeitung Heute : 1959: der Rembrandt 1992: acht Cranachs - Botschafter hätte Brücke-Einbrecher fast erwischt 1989: der Spitzweg „Eine Schweinerei ist das“ 1877: die Madonna 1988: Francis Bacon

Der Tagesspiegel

Die West-Berliner Behörden schalteten im Dezember 1959 nicht nur Interpol ein, sondern baten sogar die verhassten DDR-Grenzposten um Mithilfe. Kein Wunder, denn es war eines der teuersten Gemälde aus dem Dahlemer Museum verschwunden, und das auch noch während der regulären Öffnungszeiten. Die Rembrandtsche „Christuskopf-Studie“ hing obendrein neben einem der meist bestaunten Gemälde, dem „Mann mit dem Goldhelm“. Misslich: Ein neuer Bewachungsplan war damals gerade in Arbeit, aber noch nicht in die Tat umgesetzt. Zwei Jahre später kehrte das Bild zurück. Sein Fundort war profan. Es fand sich nach einem anonymem Tipp in einem Schließfach auf dem Braunschweiger Hauptbahnhof wieder. ling

Tatort des spektakulärsten Kunstraubs der deutschen Nachkriegsgeschichte war ausnahmsweise nicht Berlin, sondern das thüringische Weimar. Dort wurden im Herbst 1992 acht Gemälde des Malers Lucas Cranach aus dem Stadtschloss gestohlen - der Gesamtwert der Beute lag bei schätzungsweise 60 Millionen Mark. Auch die Belohnung zur Wiederbeschaffung der Bilder erreichte Schwindel erregende Höhen: eine Million Mark. Die Bilder wurden 1993 in Nordrhein-Westfalen sicher gestellt, nachdem offenbar ein V-Mann der Kriminalpolizei einen entscheidenden Tipp gegeben hatte. Die Cranach-Gemälde gelten als eine der wichtigsten Attraktionen Weimars. Als sie wieder zu sehen waren, standen die Besucher Schlange. ling

Die Einbrecher ins Brücke-Museum wären Sonnabend früh fast vom schwedischen Botschafter Carl Tham erwischt worden. Wie berichtet, gelangten die Täter gegen 5.20 Uhr über das Gelände der Residenz des schwedischen Botschafters an der Pücklerstraße zum Museum. Sie zerschnitten den Zaun um die Residenz und brachen ein Gartentor auf. Dabei machten sie solchen Lärm, dass der Diplomat erwachte, sagte eine Botschaftssprecherin. Tham habe seine Beobachtungen der Polizei mitgeteilt. Weitere Einzelheiten nannte die Sprecherin nicht.

Von den Dieben, die innerhalb von nur vier Minuten neun Bilder namhafter Expressionisten entwendeten, fehlte gestern noch immer jede Spur. Es gebe zwar etliche Hinweise nicht nur aus Berlin, sondern auch aus dem Umland und dem Bundesgebiet, aber bisher keine erfolgversprechende Spur, sagte Chefermittler Andreas Grabinski vom Landeskriminalamt (LKA). Die Polizei sucht nach einem dunkelroten viertürigen Audi 100 mit dem Kennzeichen B-ED 3101. Das mögliche Fluchtfahrzeug der Täter war schon am 17. April zwischen 19 und 23 Uhr am Hohenzollerndamm 42 in Charlottenburg gestohlen worden (Hinweise unter der Telefonnummer 699 38 333). Zoll und Bundesgrenzschutz an den Grenzen nach Polen und Tschechien wurden ebenfalls alarmiert.

Nur eines der neun aus dem Brücke-Museum gestohlenen Bilder im Gesamtwert von 5 Millionen Euro war nach Auskunft der Senatskulturverwaltung versichert. Dabei handelt es sich um das Gemälde „Tiergarten", das Ernst Ludwig Kirchner 1912 malte. Es war eine Dauerleihgabe der Nationalgalerie . Die übrigen Bilder seien wegen der hohen Prämien unversichert geblieben, sagte der Sprecher der Kulturverwaltung, Thorsten Wöhlert. Das sei nichts Ungewöhnliches, sondern werde auch in anderen Bundesländern so gehandhabt.

Das bestätigte auch Thomas Wessel, Vorstandsmitglied der Axa-Art, Deutschlands größtem Kunstversicherer. Dabei gehe es nicht nur um die Prämien, sondern auch um die Investitionen in bessere Sicherheitstechnik, die eine Versicherung fordern würde.

Wessel erhebt schwere Vorwürfe gegen die Museen. „Das Verantwortungsbewusstsein der Direktoren für die Sicherheit ihrer Kunstwerke ist mittelmäßig." Die technischen Schutzmaßnahmen seien oft mangelhaft und regelmäßige Inventuren des Bestandes für die Museen ein Fremdwort.

Mitarbeiter der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle informieren heute die Museumsleitung, wie man Einbrechern das Handwerk erschwert. Bei der Alarmanlage, die die Täter mit Bauschaum zum Schweigen brachten, handele es sich um ein 20 Jahre altes Modell, sagte der Leiter der Beratungsstelle, Winfried Roll. Auch einbruchhemmende Fenster hat das Museum nicht, obwohl laut Kulturverwaltung erst im vergangenen Jahr ein Sicherheitsexperte die Vorkehrungen im Museum als ausreichend eingestuft hatte.

Trotz des gelungenen Coups werden die Diebe wenig Freude an ihrer Beute haben. Generell sei es schwierig, die bekannten Kunstwerke zu verkaufen, sagen Experten. Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Kunstversteigerer, Tilman Bassenge, vermutet dahinter einen Fall von „Art-Napping“, um vom Museum oder der Versicherung Lösegeld für die Bilder zu erpressen. Dies werde immer wieder versucht, heißt es auch bei der Axa-Art in Köln. Doch spricht man ungern darüber. „Wir wollen niemanden auf die Idee bringen.“ Aber: „Wenn jemand anruft und ein gestohlenes Bild, das zehn Millionen wert ist, für 500 000 Euro zurückgeben will, dann ist es verständlich, dass er bei manchem Geschädigten auf offene Ohren stößt." Doch für die Axa komme so etwas nicht in Frage. „Ich würde jede Versicherung anzeigen, die mit Kunstdieben über ein Lösegeld verhandelt“, sagte Axa-Art-Vorstandsmitglied Wessel. Denn damit werfe man dem Täter auch noch Geld in den Rachen und ermutige Nachahmer. I.B./weso

Wer kennt ihn nicht, den „Armen Poeten“ des Malers Carl Spitzweg. Fast glaubt man, schon irgendwann einmal vor dem millionenteuren Gemälde gestanden zu haben. Doch das wäre zwölf Jahre her, denn seit dem 4. September 1989 ist es verschwunden. Zwei Männer entwendeten es aus dem Schloss Charlottenburg und ließen noch einen zweiten Spitzweg, „Der Liebesbrief“, mitgehen. Die Täter hatten sich zuvor als Rollstuhlfahrer und Betreuer durch die Räume bewegt. Als sie die Bilder von der Wand rissen, gab es Alarm, und ein Aufseher stürzte herbei: Doch ein Fausthieb streckte ihn nieder. Ein zweiter Wachmann war nicht schnell genug am Tatort. Dort blieb der Rollstuhl zurück - auf einer Seite prangte die Aufschrift „null Problemo“. ling

Ursel Neumann ist höchst empört. Regelmäßig fährt sie von Henningsdorf zu den Expressionisten ins Brücke-Museum, ihr „Lieblings-Museum“ – und so hat man mit dem Museum auch sie bestohlen. Das „Junge Mädchen“ von Max Pechstein zum Beispiel mochte sie sehr gerne. „Jetzt hängt sich das irgendein ein reicher Sammler in den Keller. Eine Schweinerei ist das!“

Der Betrieb läuft scheinbar normal im Brücke-Museum an diesem Montag. Eine holländische Schulklasse füllt die vier Räume. Nur ein paar blanke, neue Schrauben in einem Fensterrahmen, ein ersetzter Sensor der Alarmanlage auf einer neuen Fensterscheibe verraten, wo die Diebe am frühen Sonnabendmorgen in das Museum eingedrungen sind. Rechts davon, wie gewohnt, die Reihe von Schmidt-Rottluffs, in glühenden Farben leuchtend an der Wand unter dem Oberlicht. Sie blieben unangetastet. Links Heckels und Müllers, aus dem rund 400 Werke umfassenden Depot geholt, um den Verlust zu ersetzen. „Wir wechseln unsere Bilder sowieso regelmäßig“, sagt Janina Dahlmanns vom Brücke-Museum. Hauptwerke seien zum Glück nicht entwendet worden.

Eine Mitarbeiterin des Museums wird von einer Kriminalbeamtin befragt. Der Presse darf sie nichts sagen. Aufzuschnappen ist nur, dass ihr niemand aufgefallen ist, der in der letzten Zeit intensiv die örtlichen Gegebenheiten studiert hätte. Ein anderer Mitarbeiter sitzt auf einer Bank, zeichnet eine Art Grundriss – des Museums, des Grundstücks? –, gibt aber ebensowenig Auskunft.

Eine Besucherin aus der Schweiz hat auch von dem Diebstahl gehört. Auch sie vermutet eine Auftragsarbeit. Und lässt sich im Kunstgenuss doch nicht stören: „Was sind das nur für schöne Bilder!“

Nur ein Herr fragt sich, warum die Fenster nicht vergittert sind. „Da war man wohl ein wenig sorglos.“ how

Das schmuddelige Päckchen hatte es in sich: In ihm steckte das Gemälde „Kirchenmadonna“, das einige Wochen zuvor aus dem Alten Museum verschwunden war. Man schrieb das Jahr 1877, und ganz Berlin sprach über das Verschwinden des wertvollen Bildes van Eycks. Glück hatte schließlich ein gewisser Wilhelm von Bode, Assistent an den Berliner Museen: Ein „biederer Handwerker“, schrieben die Zeitungen, überreichte ihm das Päckchen. Die Madonna sei ihm, so erzählte der Überbringer, zusammen mit einem „obszönen Foto“ für 75 Pfennig von einem Tagedieb angeboten worden. Er sei aber nur am Gemälde interessiert gewesen – für 50 Pfennig war der Handel perfekt. Die Madonna war wieder da – doch der Dieb blieb verschwunden. ling

Nicht mal auf lichtscheue Elemente war 1988 Verlass: Am frühen Nachmittag des 27. Mai spazierte ein Dieb durch die Neue Nationalgalerie. Vor dem Porträt Francis Bacons zückte er den Schraubenzieher und entfernte die Aufhängvorrichtung. Die Sirene blieb stumm - das mit 240 000 Mark versicherte Bild des englischen Malers Lucian Freud war an kein Alarmsystem angeschlossen. Irgendwann fiel den Wächtern die leere Stelle auf - nachdem der Dieb mit Bild, Schnur und Schraube entschwunden war. Bis heute fehlt von allen vieren jede Spur. Als man im Jahr 2001 mittels Plakaten nach dem Bild suchte, wurden selbst die Poster gestohlen: Der gute Druck und die geringe Auflage von 2500 Stück hatten kunstsinnige Diebe angelockt. ling

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